Kommentar Barça jubelt über Dembélé-Verbleib – doch der Deal ist ein Debakel

Ousmane Dembélé hält sich im Spiel des FC Barcelona gegen Celta Vigo die Hände an den Kopf. Statt des lange drohenden Abgangs bleibt der Franzose jetzt doch bei Barça.

Ousmane Dembélé im Spiel des FC Barcelona gegen Celta Vigo am 10. Mai 2022. Statt des lange drohenden Abgangs bleibt der Franzose jetzt doch bei Barça.

Der FC Barcelona freut sich über den Verbleib von Problem-Profi Ousmane Dembélé, gesteht damit aber auch seine kritische Lage und den Verlust seiner Prinzipien ein. Der EXPRESS.de-Kommentar.

Der FC Barcelona ist längst vom stolzen Vorzeige-Klub zum Chaos-Verein mutiert: Skandale, finanzielle Probleme und ständige Unruhe bestimmen den Alltag. Die Vertragsverlängerung von Ousmane Dembélé ist in diesem Zuge kein gutes Zeichen, meint unser Autor in seinem Kommentar.

Es gab Zeiten, da war der FC Barcelona in der Fußballwelt praktisch einmalig. Ein erfolgsverwöhnter und stolzer Verein mit traditionellen Prinzipien, ohne Sponsor auf der Brust und mit so viel Prestige, dass der Klub über all seinen berühmten Spielern stand.

Das Motto „Més que un club“ prangt bis heute voller Überzeugung auf einer der gewaltigen Tribünen des Camp Nou: „Mehr als ein Klub“, rühmt sich Barça weiterhin als etwas Besonderes. Auch heute sind die Katalanen im Fußball einmalig – das liegt inzwischen aber am unfassbaren Schuldenstand von weit über einer Milliarde Euro, der weltweit seinesgleichen sucht.

FC Barcelona: Stolze Identität bröckelt seit Jahren

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Dass der FC Barcelona klinisch tot gewesen sei und selbst die metaphorische Einweisung auf die Intensivstation einen Fortschritt darstellen würde, betont Präsident Joan Laporta (60) seit seiner Amtsübernahme im März 2021 immer wieder. Doch der Preis, den sein Führungs-Team dafür aufbringen muss, ist hoch – Barça zahlt mit seiner Identität.

Die Trikot-Brust? Seit 2011 an Sponsoren verkauft, zwischenzeitlich sogar an die staatliche Fluggesellschaft Qatar Airways aus dem nicht nur rund um die WM stark umstrittenen Emirat Katar. Der Name für das Camp Nou? Kommt inzwischen nicht mehr ohne den Sponsoren-Zusatz „Spotify“ aus. Und die Klub-Identität? Hat seit Jahren auch durch etliche Skandale empfindliche Kratzer erlitten.

Das neueste unrühmliche Kapitel: Die Vertragsverlängerung von Ousmane Dembélé (25), der den Klub nach fünf Jahren eigentlich verlassen wollte. Über ein Jahr trugen Verein und Spieler die harten Verhandlungen in der Öffentlichkeit aus, Barça setzte mehrere Male ein Ultimatum und drohte mit Konsequenzen, Dembélé ließ jedes davon verstreichen – und es passierte: nichts.

FC Barcelona längst kein einmaliger Vorzeige-Verein mehr

Dass beide Parteien sich nun doch auf die Zusammenarbeit bis 2024 einigen konnten, ist aus rein sportlicher Perspektive sogar sinnvoll. Ein Signal für die Prinzipientreue des Klubs ist es allerdings nicht, zumal die Einigung nur zustande kam, weil der Ex-BVB-Profi, anders als erhofft, mit seinen hohen Forderungen nirgends unterkam.

Doch in seiner Not braucht Barça Spieler mit Potenzial wie Dembélé, auch wenn er dem Verein nicht nur rund um das Vertrags-Theater immer wieder auf der Nase herumtanzt und zu selten mit Leistung glänzt.

Das gilt auch für den Verkauf von zehn Prozent der TV-Einnahmen für die kommenden 25 Jahre gegen eine Einmalzahlung (200 Millionen Euro) eines Investment-Fonds, ein ähnlicher Deal über 400 Millionen Euro steht bevor. Nicht wirklich elegant, aber für die Gesundung des Klubs unvermeidbar, will man dabei keine sportlichen Einschnitte in Kauf nehmen. Schließlich steht das nächste Mega-Projekt schon vor der Tür.

Mit Beginn der neuen Saison baut der FC Barcelona sein historisches Stadion stückweise um. Barça will bis 2026 eine Premium-Arena der Luxus-Klasse beziehen, in der dann auch sportlich wieder der Großangriff auf Europas Spitze starten soll. Fairerweise sollte der Schriftzug „Més que un club“ dann allerdings nicht mehr auf der Tribüne prangen.

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