TV-Kommentar Auch RTL erlebte beim FC-Duell in Nizza einen Albtraum-Abend 

Ausschreitungen beim UEFA Conference League Spiel OGC Nizza gegen den 1. FC Köln auf der Tribüne.

Szenen der Schande vor dem Spiel OGC Nizza gegen den 1. FC Köln am 8. September 2022. Sicherheitskräfte gehen gegen Fans auf Tribüne vor.

Die Übertragung des Conference-League-Spiels des 1. FC Köln in Nizza war auch für Sender RTL alles andere als ein Ruhmesblatt. Da kein TV-Team vor Ort war, blieb Aufklärung oft aus.

Die Nacht der Schande von Nizza wird noch lange für Diskussionen sorgen und gewiss Folgen auch für alle friedlichen Fans des 1. FC Köln haben. Angesichts der schlimmen Vorfälle vor und im Stadion an der Côte d'Azur gab es noch einen Verlierer an diesem Abend: RTL.

Der Kölner Sender hat sich die Übertragungsrechte an der Europa League und Conference League gesichert. Das erste Gruppenduell der Kölner in Frankreich am 8. September 2022 war nur über den kostenpflichtigen Stream via RTL+ zu empfangen. Und da erlebten auch die Fans vor dem Bildschirm einen Albtraum.

RTL: Nur ein Journalist war vor Ort, Kommentator Robby Hunke nicht

Die Verantwortlichen hatten sich für die kostengünstige Produktionsvariante entschieden. Mit dem exzellent französisch sprechenden Journalisten Jan Krebs wurde nur ein Reporter nach Nizza geschickt. Der sollte eigentlich nur ein paar Kurz-Interviews für die abschließende Highlight-Sendung führen.

Kommentator Robby Hunke (38) wiederum saß im Kölner Sendezentrum und war nur auf die angebotenen TV-Bilder angewiesen. So entwickelte sich eine Übertragung, die die Schwächen dieses Systems gnadenlos offenlegte. Als die Übertragung um 18.15 Uhr begann, wirkten alle Beteiligten überfordert.

Hunke suchte via Twitter Rat und fragte: „Angeblich ist ein Fan vom Oberrang gefallen. Weiß jemand, wie das begonnen hat?“ Den Zuschauerinnen und Zuschauern fiel dieses Desaster schnell auf. „Wie wenig Respekt habt ihr eigentlich vor euren Zuschauern, um eine so unterirdische Übertragung zu senden? War der Kommentator überhaupt vor Ort?“, fragte ein Twitter-User.

Mit einem kompletten Reporter-Team vor Ort hätte der Sender die entstandene Lücke bis zum Anpfiff um 19.40 Uhr füllen können – mit Augenzeugen-Berichten, Informationen, Interviews. Doch so wiederholte Hunke nur mehrmals: „Ich melde mich später wieder vom Kommentatoren-Platz“ – und es wurde ein Standbild gesendet.

EXPRESS.de war vor Ort, unser Reporter erstellte ein Video von den Ausschreitungen und berichtete über das Geschehen. Ein Blick ins Netzwerk Twitter reichte ebenfalls, um schnell einen ersten Überblick zu bekommen. Nur die TV-Experten wirkten ratlos.

Dass dem Sender auch von der internationalen Bild-Regie noch Knüppel zwischen die Beine geschmissen wurden, indem bei der Aufstellungsgrafik Ondrej Duda (27) zum Rechtsverteidiger gemacht wurde und Co-Trainer André Pawlak (51) angeblich Steffen Baumgart (50) sein sollte, machte das Desaster perfekt.

Zwischenzeitlich fiel auch noch rund um den Elfmeter, der zum 1:1-Ausgleich führte, der Ton aus und es wurde eine andere Tonspur eingespielt. 

Die TV-Sender überbieten sich beim Einkauf der Sport-Rechte regelmäßig, bezahlen vermeintlichen Experten und Expertinnen fette Gehälter, setzen dann aber bei der Umsetzung des Gutes Live-Sport oft auf die Billig-Variante. Dabei wären Betrachter vor Ort wichtiger als schlaue Binsenweisheiten aus dem TV-Studio.

DAZN hat dieses Problem schon erkannt und schickt seit dieser Saison bei jedem Bundesliga-Spiel die Teams in die Arenen. Sky versucht die 2. Bundesliga auch immer noch im Low-Budget-Niveau abzuhandeln. Was dabei herauskommen kann, wurde nun in Nizza bewiesen. 

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