Ex-FC-Profi packt aus Schmerzmittel werden in der Liga wie Smarties verteilt

Subotic in Aktion

Neven Subotic (r), hier in Aktion für den 1. FC Köln mit Dominique Heintz im Derby gegen Leverkusen am 13. Mai 2017.

Köln – Sie müssen spielen, sie müssen fit sein, sie müssen jeden Tag liefern. Von Fußballprofis wird immer voller Einsatz verlangt, wenn sie auf dem Platz stehen.

Viele greifen dabei offenbar regelmäßig zu Schmerzmitteln, wie die ARD-Dopingredaktion recherchiert hat. Das Team der Reporter hat dafür über 100 Spieler und Ex-Spieler kontaktiert. Die meisten wollten nicht vor der Kamera reden, nur vertraulich.

Auch alle 18 Erstligisten wurden angeschrieben und zu dem Gebrauch von Schmerzmitteln befragt. Sieben Klubs haben die Anfrage ignoriert, elf Vereine haben nicht geantwortet oder abgesagt.

Neven Subotic: Schmerzmittel gibt es bei jedem kleinen Aua

Vor die Kamera traten aber doch einige Spieler, darunter ein Ex-Profi des 1. FC Köln und von Borussia Dortmund, Neven Subotic (31, aktuell Union Berlin).

Subotic

Neven Subotic spielt heute für Union Berlin.

Er sagt: „Was ich in den letzten 14 Jahren mitbekommen habe ist, dass Ibuprofen wie Smarties verteilt werden. Es heißt dann immer, wenn du spielen willst, kannst du das nehmen, dann fühlst du dich gut und dann spielst Du. Und das war's. Für jedes kleine Aua gibt es Ibuprofen."

Neven Subotic: Bundesligisten klären nicht über Nebenwirkungen von Schmerzmitteln auf

Nebenwirkungen wie Abhängigkeit, Magen-Darm-Probleme, Nierenentzündungen oder Geschwüre im Verdauungstrakt und weitere Spätfolgen des massiven Schmerzmittelkonsums werden nicht thematisiert in den Vereinen, so Subotic: „Alles was darüber hinaus noch passieren kann, wird häufig eher außen vor gelassen und nicht besprochen, weil es nicht relevant ist. Doch es gibt durchaus Fälle die zeigen, dass es sehr wohl relevant ist. Von den Vereinen gibt es meines Wissens keine große Aufklärugsarbeit. Weil sie auch unter Druck stehen, den Spieler so schnell wie möglich auch fit zu kriegen."

Ausgestrahlt wird die ARD-Dokumentation „Hau rein die Pille" am Dienstag, 9. Juni, nach dem Pokalspiel zwischen Saarbrücken und Leverkusen (20.45 Uhr, ARD).

Auch Jonas Hummels (29), Bruder von Weltmeister Mats Hummels (31, BVB) spricht über den Einsatz von Schmerzmitteln. Jonas hat seine Karriere nach einem Kreuzbandriss 2016 beendet, er spielte unter anderem in Unterhaching: „Wie ich das erlebt habe, sind Schmerzmittel überall, sind gang und gäbe. In Trainingseinheiten, in Spielen, sie gehören dazu."

Ex-Profi Jochen Kientz nahm zwei Jahre lang tägliche mehrere Tabletten gegen Schmerzen

Ex-Profi Jochen Kientz (47, u.a. Eintracht Frankfurt und HAmburger SV), gesteht sogar, zum Ende seiner Karriere von 2002 bis 2004 mehrfach täglich Tabletten genommen zu haben: „Ich habe zwei Jahre zu meiner Zeit in Rostock morgens, mittags und abends Schmerzmittel genommen. Ich habe es definitiv übertrieben. Das ist Raubbau am Körper und das schleppt man dann auch die Jahre danach mit."

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Subotic rät nun jüngeren Spielern, die schon regelmäßig zu Schmerzmitteln greifen: „Setzt Euch ernsthaft damit auseinander. Vielleicht wirkt das gerade in dem Moment super, aber sehr wahrschenlich wird das mittel- und langfristig Folgen haben. Wenn der Spieler eine kurze Karriere haben nöchte, dann einfach weiter so machen. Wenn er aber noch mehrere Jahre spielen möchte und vor allem auf die 100 Prozent kommen will, dann ist das auf jeden Fall der falsche Weg." Man solle lieber zum Arzt gehen und notfalls pausieren.

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