„Wurde nicht ernst genommen“ FC-Boss Keller mit klarer Kritik an Nizza – UEFA reagiert bereits

Der 1. FC Köln hat vor dem von Ausschreitungen überschatteten Conference-League-Spiel beim OGC Nizza nach eigener Aussage vergeblich auf zahlreiche Sicherheitsbedenken hingewiesen.

Die Nacht war kurz, der Frust saß tief. 32 Menschen wurden bei den Krawallen rund um das Spiel zwischen OGC Nizza und dem 1. FC Köln verletzt. Kölns Geschäftsführer Christian Keller (43) wies am Freitag (9. September 2022) darauf hin, dass der FC im Vorfeld vergeblich auf zahlreiche Sicherheitsbedenken hingewiesen habe.

„Es gibt vor jedem Spiel Sicherheitsbesprechungen. Es gab extrem viele Hinweise von uns, die Organisation zu verbessern und die Sicherheit zu erhöhen. Das wurde nicht ernst genommen und nicht getan“, sagte er.

1. FC Köln gegen 1. FC Slovacko wird nun zum Risikospiel

„Wir haben auch darauf hingewiesen, dass wir ein deutlich höheres Polizeiaufkommen für angemessen betrachten. Außerdem hätten wir eine bessere Fantrennung für sehr sinnvoll und wichtig erachtet“, ergänzte Keller. „Weil bekannt ist, dass es rivalisierende Lager gibt. Es war auch bekannt, dass die verbotene Fangruppe von Paris Saint-Germain wahrscheinlich kommen wird und Probleme mit Nizza hat. Doch die Vorschläge wurden größtenteils nicht angenommen.“

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Augenzeugen berichteten, dass es am Stadion stellenweise nicht einmal Einlasskontrollen gegeben habe. „Das habe ich auch gehört, kann ich aber nicht valide bestätigen“, sagte Keller auf EXPRESS.de-Nachfrage. „Ich weiß nur, dass da Leute aus Köln, aus Paris und auch noch aus anderen Städten beteiligt waren, die mit dem FC gar nichts zu tun haben.“

Die nächste Europacup-Partie des 1. FC Köln am kommenden Donnerstag (15. September) gegen den 1. FC Slovacko aus Tschechien wurde laut Keller aufgrund der Vorkommnisse noch am Freitag von der UEFA „zum Risikospiel aufgewertet“.

Am Freitag teilte die UEFA offiziell mit, ein Ermittlungsverfahren gegen beide Vereine eingeleitet zu haben. Demnach wird gegen beide Klubs wegen „Werfens von Gegenständen“, „Abbrennens von Feuerwerkskörpern oder anderen Objekten“ sowie weiteren „Störungen durch Zuschauer“ ermittelt. Weitere Vorwürfe gibt es gegen OGC Nizza, so stehen unter anderem die Organisation rund um das Spiel und Fehler des Sicherheitspersonals auf dem Prüfstand.

Ausräumen konnte Keller derweil mit dem Gerücht, dass dem FC aufgrund der nach dem Arsenal-Spiel 2017 ausgesprochenen Bewährung noch Ärger drohe. „Die Bewährung wurde damals durch Zahlung einer Geldstrafe aufgehoben. Aber sicherlich gilt das Motto: Wenn du einmal Blödsinn gemacht hast, dann stehst du mehr unter Beobachtung.“

Positiv war für Christian Keller das Verhalten des großen Teils der friedlichen Fans. „Über 7900 der 8000 haben sich korrekt verhalten“, sagte er: „Ich habe gehört, wie 7900 gesungen haben: ‚Wir sind Kölner und ihr nicht.‘ Das ist für mich gelebte Zivilcourage. Oder wenn ich Videos sehe, auf denen richtige Fans versuchen, den anderen die Sturmkappen wegzuziehen – das ist Zivilcourage. Davon brauchen wir mehr. Und da muss der Klub vorangehen.“

1. FC Köln: Keller mit Unverständnis über Klagen von Nizzas Bürgermeister

Wann mit Konsequenzen aus diesem Abend zu rechnen ist, kann Keller noch nicht abschätzen. „Die Aufarbeitung wird noch Tage, wenn nicht gar Wochen dauern. Es braucht da schon einen kühlen Kopf. Wir werden entschieden dagegen vorgehen und versuchen, jeden zu identifizieren, wo es möglich ist. So etwas habe ich weder persönlich noch in verantwortlicher Position erlebt.“

Hinweise des Bürgermeisters von Nizza, Christian Estrosi (67), er werde dem FC auch noch eine Rechnung für die verschmutzte Innenstadt schicken, kann der FC-Geschäftsführer nicht nachvollziehen. „Alle sollten den Ball in Bezug auf die Schuldfrage mal flach halten. Da haben sich alle in Summe nicht mit Ruhm bekleckert.“

Vielmehr sollten alle hinterfragen, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Keller: „Solche Gewalt-Exzesse gehören nirgendwo hin. Jetzt gilt es die ausfindig zu machen, die dabei waren. Außerdem ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sich zu fragen, warum so etwas immer wieder auftritt und warum leider immer mal wieder beim Fußball.“

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