Vor der Saison stellte Sportdirektor Matthias Baldys bei den Kölner Haien einen Kader zusammen, der jetzt um die Meisterschaft spielt. Im Interview verrät er, warum er vollstes Vertrauen in die Mannschaft hat.
„Gibt einen zusätzlichen Push“Kölner Haie wollen Revanche und setzen auf Fan-Faktor

Die Kölner Haie sinnen auf Rache. Bei der 2:4-Niederlage im dritten Halbfinalspiel bei den Eisbären Berlin wurden sie vermöbelt und Fans später von Chaoten auch noch im Bus angegriffen und beklaut.
Dafür entschuldigte sich Berlins Geschäftsführer Thomas Bothstede (55) zwar, doch die Haie wollen im zweiten Heimspiel am Mittwoch (15. April 2026, 19.30 Uhr/MagentaSport) natürlich eine krachende Antwort auf dem Eis geben. Darüber und die Aussichten auf einen erneuten Finaleinzug sprachen wir mit Haie-Sportdirektor Matthias Baldys (42).
Matthias Baldys setzt im Halbfinale auch auf den Heim-Faktor
Wie haben Sie die bisherigen drei Spiele gegen Berlin erlebt und wie erklären Sie sich das 2:4 nach dem überzeugenden 5:1-Heimsieg?
Matthias Baldys: Es war von Anfang an klar, dass es eine enge Serie werden würde. Berlin ist ein Top-Team der Liga mit jeder Menge Erfahrung. Sie sind passend zu den Playoffs in sehr guter Form, sodass jede Partie gegen sie eine Herausforderung ist. Das hat die Serie bisher bewiesen. Der Auftritt in Berlin am Sonntag war nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Es ist wichtig, das Spiel schnell abzuhaken und für Mittwoch alle Energie zu bündeln. Dann wollen wir so auftreten wie im letzten Heimspiel und unser Potenzial abrufen – darauf liegt jetzt der Fokus.
Kapitän Moritz Müller sprach danach von fehlender Frische – obwohl Berlin in der Viertelfinalserie zwei Spiele mehr absolvieren musste. Wie hat er das gemeint?
Baldys: Mo kann das Ganze gut einordnen. Berlin hat in Spiel 3 von Anfang an auf das Gaspedal gedrückt und wir konnten uns kaum entlasten – gerade offensiv haben wir in der ersten Hälfte des Spiels wenig stattgefunden. Dann wird man automatisch von einer Mannschaft wie den Eisbären hinten hereingedrückt und lässt für die Defensivarbeit viel Energie. Spiel drei ist aber Geschichte, wir schauen nach vorne. Ich bin mir sehr sicher, dass wir am Mittwoch mit voller Energie und einem guten Fokus in das Heimspiel gehen werden.

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Haie-Sportdirektor Matthias Baldys hat mit dem KEC die Meisterschaft vor Augen.
Die Mannschaft dürfte auf eine entsprechende Antwort auf dem Eis brennen, oder?
Baldys: Unsere Mannschaft ist erfahren und weiß, mit solchen Situationen umzugehen. Wir bleiben alle zusammen bei uns, schauen aufs nächste Spiel und wollen gut vorbereitet sein. Wir müssen mit dem richtigen Mindset ins Spiel gehen, und ich bin mir sicher, dass wir das auch tun werden.
Kari Jalonen wurmten die drei 0:7-Niederlagen im Vorjahresfinale ja besonders. Wie erleben Sie ihn in den bisherigen Playoffs?
Baldys: Kari ist klar in der Kommunikation und weiß, was er tut. Er hat in seiner Karriere schon viel erlebt und kennt die Stellschrauben, an denen er zusammen mit dem Trainerteam drehen muss. Ich erlebe ihn als ausgeglichen und sehr fokussiert – genau das ist es, was wir brauchen.
Was macht die besondere Heimstärke in der laufenden Saison aus, und glauben Sie, wie Müller auch, dass die letzten beiden Heimspiele der Trumpf für den Finaleinzug werden?
Baldys: Unsere Jungs freuen sich auf die Heimspiele und auf die Unterstützung der Fans – das gibt einen zusätzlichen Push. Wenn wir unsere Leistung abrufen und die Atmosphäre in der Arena wieder so tragen und wie beispielsweise in Spiel zwei in einen Flow kommen, bin ich überzeugt, dass wir gute Chancen haben, das Spiel erfolgreich zu gestalten.
Eisbären-Boss entschuldigt sich bei Haie-Fans
Zum feigen Angriff vermummter Angehöriger einer Berliner Ultra-Gruppierung auf einen Kölner Fanbus sagte Eisbären-Geschäftsführer Thomas Bothstede: „Wir entschuldigen uns zutiefst bei den Kölner Haien und ihren Fans, sowie bei allen Insassen des überfallenen Fanbusses. Wir nehmen die Vorfälle sehr ernst. Die Eisbären Berlin und die übrigen Fangruppierungen distanzieren sich deutlich von diesen Taten. Wir lehnen Gewalt in jeglicher Form ab und verurteilen den Angriff aufs Schärfste. Diese Taten stehen im kompletten Widerspruch zu unseren Werten und unserer DNA und derer unserer Fans.“
Für die Täter kündigte Bothstede rechtliche und auch klubinterne Konsequenzen an: „Eishockey ist und bleibt ein Sport für die ganze Familie, und solche Taten haben dort nichts, aber auch gar nichts, zu suchen. Ich bitte darum, nicht alle Eisbären-Fans über einen Kamm zu scheren. Wir werden in der Aufarbeitung null Toleranz walten lassen.“
