Ein halbes Jahr vor der Weltmeisterschaft in Berlin geht es bei den deutschen Basketballerinnen rund. Der neue Bundestrainer Olaf Lange hat große Ziele, doch seine knallharte Abrechnung mit der Liga sorgt für mächtig Wirbel.
Zoff vor der Heim-WM?Neuer Basketball-Coach teilt heftig gegen die Liga aus

Copyright: Brandon Todd/New York Liberty/dpa
Bundestrainer Olaf Lange feiert in Lyon sein Debüt. (Archivbild)
Sechs Monate bevor die Weltmeisterschaft in Berlin steigt, beginnt für Deutschlands Basketball-Damen die entscheidende Vorbereitung. Obwohl die Teilnahme als Gastgebernation vom 4. bis 13. September gesichert ist, misst der neue Nationaltrainer Olaf Lange dem Qualifikationsturnier, das diesen Mittwoch in Lyon startet, eine enorme Wichtigkeit bei.
«Dieser März ist ganz besonders wichtig für uns. Es geht darum unser komplettes Spielsystem und unsere Philosophie, unsere Werte und unsere Spielkultur ins Laufen zu bekommen», betont Lange, der das Amt von der Kanadierin Lisa Thomaidis übernommen hat, wie die dpa meldet. «Deshalb ist die Zeit mit den fünf Spielen in sieben Tagen Gold wert.»
Knallhartes Programm in Lyon
Im Anschluss an eine kurze Vorbereitung in Frankfurt am Main ist die deutsche Auswahl nun in Lyon. Dort steht am Mittwoch (17.00 Uhr/Magentasport) das Auftaktmatch gegen Südkorea auf dem Plan. Danach folgen Duelle mit den Philippinen (Donnerstag), dem Gastgeberland Frankreich (Samstag), Kolumbien (Sonntag) und Nigeria (Dienstag).
Ein vielfältiger Mix von Kontrahenten aus der ganzen Welt – für den neuen Nationaltrainer ein idealer Testlauf. «Wenn ich mir das hätte aussuchen können, dann hätte ich es wahrscheinlich genau so zusammengestellt», meint Lange. «Es ist wichtig, gegen verschiedene Basketball-Stile und -Kulturen zu spielen», erklärte der Coach. «Das wird uns mit Blick auf die WM sehr helfen.»
Große Sorgen um WNBA-Star Satou Sabally
Ein herber Rückschlag für Lange ist jedoch, dass mit Satou Sabally und Luisa Geiselsöder zwei absolute Leistungsträgerinnen fehlen. Sabally laboriert noch immer an den Nachwirkungen einer Gehirnerschütterung, die sie sich bei den WNBA-Finals im Oktober holte. Geiselsöder musste wegen einer Verletzung kurzfristig absagen. Zumindest sind mit Nyara Sabally und Leonie Fiebich die zwei anderen Profis aus der WNBA mit dabei.
Besonders auf Fiebich lastet nun viel Verantwortung. Die 26-Jährige spielte eine wesentliche Rolle bei der Rückkehr von Lange als Bundestrainer nach langer Zeit. Der in Berlin geborene Coach, dessen erste Amtszeit als Nationaltrainer von 2001 bis 2003 lief, arbeitete danach sehr erfolgreich in Russland und später als Assistent seiner Ehefrau Sandy Brondello bei New York Liberty.
Wie eine Spielerin den Bundestrainer zurückholte
Dort war Fiebich seine Spielerin. Sie sprach ihn an, nachdem die EM mit der Vorrunde in Hamburg für das Team alles andere als ideal verlaufen war, und fragte, ob er sich eine Rückkehr als Bundestrainer vorstellen könnte. «Wir waren auf einem guten Weg, aber Olaf Lange ist genau das Puzzleteil, das uns noch gefehlt hat», erklärt Fiebich.
Lange, der künftig als Co-Trainer seiner Frau bei einem neuen WNBA-Verein in Toronto arbeiten wird, zögerte nicht lange und akzeptierte. «Einer der Gründe, warum ich das wieder gemacht habe, sind die Spielerinnen, die auf mich zugekommen sind», gestand Lange. «Ansonsten weiß ich gar nicht, ob ich das auch aus zeitlichen Gründen überhaupt gemacht hätte.»
„Wie Tag und Nacht“: Coach rechnet mit deutscher Liga ab
Allerdings sieht Lange die Entwicklung des Basketballs in Deutschland kritisch, speziell mit Blick auf die nationale Liga. Seit seiner ersten Amtszeit vor über 20 Jahren habe sich hier kaum etwas getan. Obwohl sich Lange wegen seiner langen Abwesenheit mit Vorwürfen zurückhält, ist seine Unzufriedenheit mit der Lage der DBBL offensichtlich.
«Leider hat sich auf Vereinsebene in den vergangenen 20 Jahren nicht viel getan. Da hätte ich mir gewünscht, dass sich das besser entwickelt hätte. Das kann ich nur in aller Ehrlichkeit so sagen», so Lange laut dpa. Den Vergleich zur boomenden WNBA in den USA kennt er gut. «Das ist wie Tag und Nacht.»
Klares Ziel für Heim-WM: „Können um eine Medaille mitspielen“
Mit seinem Kader, der fast ausschließlich aus im Ausland spielenden Profis besteht, ist der Bundestrainer aber hochzufrieden. «Wenn bei uns alle gesund sind, können wir um eine Medaille mitspielen», lautet Langes selbstbewusste Ansage, der aber schon weiter vorausschaut. «Für mich geht es darum, dass wir bei der WM, bei der EM 2027 und vor allem auch bei Olympia 2028 in Los Angeles um Medaillen mitspielen.» (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

