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Viel „Luft“ per PostDas Generve mit den üppigen Verpackungen

Duscharmatur und eine superflache, kleine Wandheizung geliefert in einem Riesenkarton auf Doppelpalette. Das Foto darf ohne vorheriger Rücksprache mit Stefanie Monien nicht verwendet werden

Copyright: Stefanie Monien

Eine Armatur und eine flache, kleine Wandheizung (na, sehen Sie sie?), geliefert im Riesenkarton auf Doppelpalette. Die Entsorgung: leider Kundensache ... 

Packen Sie's manchmal auch nicht? Da kommt ein riesiges Paket mit  wenig Inhalt. Was die PPWR damit zu tun hat, was Verbraucher tun können.

Ja, wo ist es denn nur?! Haben Sie diesen Stoßseufzer auch schon mal losgelassen, als Sie ein Riesenpaket geöffnet und das bestellte Ersatzteil zwischen dem Füllmaterial, das mehr Schichten hat als ein handelsüblicher Baumkuchen, beinahe nicht gefunden hätten? Mini-Produkt im Megakarton – doppelter Ärger: Der Kunde muss die Verpackungen entsorgen – und zur Herstellung sind unnötig Ressourcen verbraucht worden. Warum aber sind die Pakete oft so groß? Wird mit der neuen EU-Verpackungsverordnung alles besser?

Susanne Langsdorf verantwortet den Fachbereich Umwelt bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Sie erklärt, was sich hinter dem Wortungetüm „Packaging and Packaging Waste Regulation“ (PPWR) verbirgt: „Seit Kurzem gilt diese neue europäische Verpackungsverordnung, bei uns in Deutschland wird sie durch das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) ergänzt. Ziel der neuen Regeln ist es, Verpackungen umweltverträglicher zu machen und Verpackungsmüll zu reduzieren.“

Darum sind Pakete oft überdimensioniert

Der Haken: Zwar werden durch die neue Verordnung zukünftig Mehrwegsysteme bei Paletten oder speziellen Kunststoffkisten gestärkt. Doch ausgerechnet Kartonagen aus Wellpappe, deren Herstellung und Recycling Ressourcen wie Wasser, Energie etc. benötigen, sind davon ausgenommen. Das sei sicherlich ein Erfolg intensiver Lobbyarbeit der Industrie, vermutet die Verbraucherschützerin, „aber nicht unbedingt das Beste für die Umwelt“.

Warum aber packen Unternehmen robuste Kleinteile mitunter in völlig überdimensionierte Kartons? „Bei vielen Unternehmen ist das sicherlich aus einem bestimmten Produktportfolio gewachsen. Das wurde dann umfangreicher – oder Produkte variierten – aber die Verpackung hat sich nicht mit verändert. Und es ist sicher auch umständlicher für die Firmen, verschiedene Verpackungsgrößen vorzuhalten“, sagt Susanne Langsdorf von der Verbraucherzentrale Hamburg im Gespräch mit EXPRESS.de.

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Dazu komme, dass Verpackungen für die Unternehmen „im Grunde supergünstig“ seien. Zwar müssen Unternehmen über die sogenannte „Erweiterte Herstellerverantwortung“ die Entsorgung der Verpackung finanzieren, aber die Kosten sind dabei so niedrig, dass es keinen Anreiz für die Firmen gibt, Verpackungen zu reduzieren, erläutert die Expertin. Auch spiegeln die Kosten für die Entsorgung nicht die Umweltkosten wider, die in der Herstellung der Verpackungen anfallen.

Viele Hersteller sind einseitig fokussiert auf vermeintlich effiziente Packprozesse. „Damit verbinden sie ein stark standardisiertes Verpackungssortiment mit zu wenigen unterschiedlichen Verpackungsgrößen, die Produktanforderungen nicht optimal abbilden“, so Verpackungsberater Michael Bodemer in der Fachzeitschrift „Lebensmittelpraxis“. Oftmals orientierten sich die Verpackungsgrößen an den größten Produkten im Portfolio – und würden dann auch für die nächstkleineren Produkte verwendet.

Und so drückt und presst, reißt und stapelt der Kunde den Versandkarton, bis er in die Papiertonne passt. Die Recyclingquote bei Papier liegt, so das Umweltbundesamt, bei mehr als 85 Prozent. Klingt gut, wobei Papier nicht endlos recycelt werden kann. Je nach Beschaffenheit ist nach zehn- bis 25-mal Schicht im Recycling-Schacht, denn mit jedem Wiederverwertungsvorgang verkürzen sich die Papierfasern. Dazu kommt, dass man „für jede Kartonage mindestens 20 Prozent Frischfasern benötigt“, sagt Susanne Langsdorf. Und die Herstellung dieser Frischfasern wiederum frisst wertvolle Ressourcen wie Wasser und Chemikalien – zum Beispiel zum Bleichen.

Verpackungsmüll von zwei Herren-Oberhemden

Copyright: Marie Schäfers

Müll von zwei Herrenhemden. In jedem Knopfloch steckte ein Papphinweis, dass das Hemd umweltfreundlich verpackt und hergestellt worden sei. Absurd!

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher glauben, dass Papier im Gegensatz zu Plastik aus Umweltsicht unbedenklich ist – dem ist leider nicht so. Zwar ist Papier laut Verbraucherzentrale Hamburg nicht so sehr im öffentlichen Fokus wie Plastik. Das vermüllt Meere, Seen und Flüsse, wird in die Landschaft geworfen, bleibt da auch ewig liegen – während Papier sich irgendwann auflöst (was jetzt um Himmels Willen kein Freibrief dafür ist, Papier einfach wegzuwerfen!).

Doch bei der Papierherstellung entsteht viel CO₂, sie benötigt große Mengen Wasser. Zwar gebe es in manchen Bereichen einen Wechsel von Plastik auf Papier: „Das ist für die Umwelt aber nicht unbedingt ein besserer Deal, man kann sich da nicht einfach rausrecyclen“, sagt Susanne Langsdorf: „Jede Form von Konsum hat Umwelteffekte – und die sind auch beim Papier durchaus hoch.“

Verbraucherschützerin sagt, was Kundinnen und Kunden tun können

  1. Ans Unternehmen schreiben (per Mail/in die Kommentare zur Produktbewertung). „Bisher wird das hauptsächlich gemacht, wenn das Produkt an sich nicht gefällt. Wir beobachten, dass Unternehmen durchaus Verbesserungen vornehmen, wenn etwas bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern sehr schlecht ankommt. Wenn sich mehrere Menschen beschweren, wird das in der Regel ernst genommen.“
  2. Möglichst im stationären Einzelhandel einkaufen. „Auch wenn man ein Ersatzteil braucht, kann das über den Fachhandel bestellt werden – und die Beratung gibt es noch dazu.“

Und jetzt? Im Grunde hilft gegen Verpackungsfrust nur, seinen Konsum kritisch zu überprüfen und umzustellen. „Die Deutschen haben ein bisschen den Hang, von der Tonne her zu denken“, so die Verbraucherschützerin. Motto: Wenn ich an der Tonne die richtige Entscheidung treffe und korrekt entsorge, ist mein Konsum kein Problem. Es sei zwar schön, dass wir hierzulande ganz wild darauf seien, zu wissen, was in welche Tonne kommt. „Letztendlich geht es um den Umwelteffekt – und der entscheidet sich im Laden beziehungsweise auf dem Bestellschein.“ Grundsätzlich sei es gut, so viel wie möglich im stationären Handel zu kaufen (man denke nur an die Beratung!), dort können Waren, die gerade nicht vorrätig sind, auch bestellt werden. Und auch wenn es ähnlich platt daherkommt wie ein zerdrückter Karton: Das beste Recycling ist immer noch das, was gar nicht erst entsteht.

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