Corona-Ausbruch bei Tönnies In welchen Produkten steckt das Fleisch überall drin?

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2019 wurden rund 16,7 Millionen Schweine bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück geschlachtet. Unser Symbolfoto vom 15. November 2019 zeigt eine Fleischtheke in einem Supermarkt in Leipzig.

Rheda-Wiedenbrück – Nach dem massiven Corona-Ausbruch bei dem Fleischkonzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind viele Verbraucher verunsichert.

Ist das Fleisch von Tönnies gefährlich?

Experten sind sich uneinig, welches Infektionsrisiko von dem Tönnies-Fleisch ausgeht. „Nach jetzigem Kenntnisstand ist der Verzehr des Fleisches aus Tönnies-Betrieben in Rheda-Wiedenbrück unbedenklich“, sagte Sabine Klein, Ernährungswissenschaftlerin bei der Verbraucherzentrale NRW und dort zuständig für das Thema Fleisch, der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ).

Prof. Klaus-Dieter Zastrow, Chef des Hygieneinstituts in Berlin, äußert hingegen gegenüber der Bild-Zeitung eine klare Warnung vor dem Fleisch: „Das Fleisch ist brandgefährlich. Wenn es nicht stark erhitzt wurde, kann man es nicht mehr verwenden.” Und weiter: „Man kann jetzt nicht einfach die aktuelle Produktion abverkaufen, sonst geht damit noch mal eine richtige Viruswelle übers Land.”

Corona-Ausbrüche decken dunkle Seiten der Fleischindustrie auf

Doch die Superspreading-Events in deutschen Schlachtbetrieben decken derzeit eine weitere dunkle Seite der Fleischindustrie auf. Nicht nur die Tiere müssen unter qualvollen Umständen leben und sterben, auch die Menschen, die in Betrieben wie Westfleisch oder Tönnies arbeiten, sind unwürdigen Zuständen ausgesetzt. Zumeist sind Gastarbeiter aus Osteuropa über diverse Subunternehmen in den Fleischfabriken beschäftigt. Untergebracht werden sie häufig in engen Sammelunterkünften. Der Grund: Der Absatzmarkt für Billigfleisch ist riesig. Das Problem: häufig können Kunden nicht nachvollziehen, woher das Fleisch in den von ihnen gekauften Produkten überhaupt stammt.

Dem Konzern zufolge erstreckt sich die Produktion über sieben Kernbereiche. Allein in dem Bereich Frisch- und Tiefkühlwaren werden täglich 850 Tonnen Fleisch verarbeitet. Einen besonders hohen Marktanteil hat Tönnies im Bereich des Schweinefleisches mit 30,3 Prozent, was 2019 rund 16,7 Millionen Schweine-Schlachtungen entsprach. Einen weiteren für Endverbraucher relevanten Bereich bilden die Convenience-Produkte. Vertrieben werden diese unter dem Markennamen Tillman’s. Die Produktion von Wurstwaren bildet einen weiteren Kernbereich des Konzerns. Zusätzlich werden Schlachtabfälle an Firmen aus der Pharma-, Nahrungs- und Futtermittelindustrie verkauft. Somit können sich Fleischreste aus Rheda-Wiedenbrück auch in Medikamenten, in Süßigkeiten etwa in Form von Gelatine und in Tierfutter befinden. Auch Kosmetikprodukte wie Zahnpasta oder Weichspüler enthalten häufig Schlachtabfälle.

Ein Überblick über die Marken, in denen Fleisch von Tönnies steckt:

Frisch- und Tiefkühlfleisch:

Tönnies beliefert täglich viele Supermärkte und Discounter mit 750 Tonnen Frischfleisch und 100 Tonnen TK-Convenience Produkten. Darunter Aldi, Lidl und Rewe. Bei Lidl und Aldi stehen die Tönnies-Produkte unter den Markennamen „Landjunker” und „Meine Metzgerei” im Kühlregal.

Eine weitere Möglichkeit, Produkte eines bestimmten Fleischbetriebes zu erkennen, bietet das Identifikationszeichen, welches in einem ovalen Kreis auf sämtlichen tierischen Produkten aufgedruckt werden muss. Auf der Homepage des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit werden die Listen der Kennzeichen der zugelassenen tierischen Produkte veröffentlicht. Es gibt Recherchen der Verbraucherzentrale NRW zufolge drei Kennzeichen, die zu Produkten aus dem Tönnies-Konzern führen: NW 20202 EG, NW 20028 EG, NW 20045 EG, wie Klein der WAZ mitteilte. Die Abkürzung NW bezeichnet das Bundesland, in dem das Produkt hergestellt wurde, in diesem Fall also Nordrhein-Westfalen. Das Kürzel EG steht für die Europäische Union.

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Kauft man Fleisch unverpackt beim Metzger befindet sich natürlich keine aufgedruckte Identifikationsnummer auf der Ware. Zudem sind Metzger nicht dazu verpflichtet, ihre Kunden über die Herkunft der von ihnen verkauften Produkte zu informieren. Möchte der Metzger Nachfragen nicht beantworten, deutet das stark auf eine minderwertige Herkunft aus einem Massenbetrieb hin.

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Convenience-Produkte:

Da die Convenience-Produkte aus dem Tönnies-Betrieb unter dem Markennamen Tillman’s vertrieben werden, sind sie leichter zu erkennen. Im Supermarkt werden sie in der Kühl- und Tiefkühltheke angeboten. Zu dem Sortiment von Tillman’s gehören beispielsweise die Toastys, die Schnitzelcompany, Tillman’s XXL Schnitzel, diverse Burgerprodukte, Mettwurstspezialitäten, sowie Tillman’s Qualitätsmetzgerei.

Wurstmarken:

Von Tönnies erzeugte Wurstprodukte werden unter den Markennamen der Zur Mühlen”-Gruppe vertrieben. Zu der Gruppe gehören diverse Wurstmarken:

  • Böklunder
  • Gutfried
  • Zimbo
  • Hareico
  • Marten
  • Lutz
  • Weimarer
  • Dölling
  • Astro
  • Redlefsen
  • Schulte
  • Könecke
  • Jensen’s
  • Heine’s
  • Zerbster Original
  • Plumrose
  • Naumburger
  • Wilx
  • Vevia

Gastronomie und Großverbraucher:

Über den Tönnies Foodservice beliefert der Konzern außerdem zahlreiche Gastronomiestätten und Großverbraucher. Zu dem Angebot gehören die Marken Artland und IQF.

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Der Preis:

Ob von Tönnies, Westfleisch oder einer anderen Fleischfabrik: Billigfleisch heißt nicht umsonst Billigfleisch. Ein niedriger Preis für Fleischprodukte aller Art ist immer ein Hinweis auf eine Herkunft des Produktes aus Massenbetrieben. Wie viel teurer Fleisch konkret werden müsste, um faire Arbeitsbedingungen und eine tiergerechte Haltung und Schlachtung zu ermöglichen, lässt sich nicht genau beziffern. Als grober Anhaltspunkt können die Preise von hochwertigem Bio-Fleisch dienen, wobei auch nicht jedes sogenannte „Bio-Fleisch” seinem Namen gerecht wird. Oftmals bekommen die Tiere lediglich biologisch angebautes Futter, an den sonstigen Bedingungen ändert sich allerdings nichts bis wenig. Diese Tiere landen im Übrigen auch im selben Schlachthaus wie Tiere aus konventioneller Haltung.

Wer sichergehen will, sollte Labels wie „DLG prämiert” oder auch das neue „Tierwohllabel” ignorieren und stattdessen auf zertifizierte Bio-Labels achten. Dazu zählen beispielsweise die Labels von Demeter, Naturland und Bioland. Die Anforderungen an das EU-Bio-Siegel sind weniger hoch, als an diese drei.

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