Tanken immer teurer Wer zockt bei diesen Spritpreisen eigentlich ab? Experte äußert Verdacht

Ein Kunde einer freien Tankstelle füllt in unserem Archivbild von Mitte März sein Auto mit Diesel-Kraftstoff. Wer macht sich bei diesen Spritpreisen eigentlich gerade die Taschen voll?

Ein Kunde einer freien Tankstelle füllt in unserem Archivbild von Mitte März sein Auto mit Diesel-Kraftstoff. Wer macht sich bei diesen Spritpreisen eigentlich gerade die Taschen voll?

Tanken wird für deutsche Autofahrerinnen und Autofahrer immer teurer – der Benzinpreis ist zuletzt erneut gestiegen. Wer macht sich eigentlich gerade die Taschen voll? Ein Wirtschaftswissenschaftler äußert seinen Verdacht.

Was ist da eigentlich gerade los an den Tankstellen? Fällt der Ölpreis, bleibt der Sprit oft trotzdem teuer. Zuletzt ist der Benzinpreis an den deutschen Tankstellen im Vergleich zur vergangenen Woche noch weiter gestiegen. Ein Liter Super E10 kostet laut ADAC aktuell im bundesweiten Durchschnitt 2,036 Euro – 3,4 Cent mehr als am vergangenen Mittwoch.  Der

Allein der Dieselpreis sank um 2,6 Cent. Die Differenz zwischen beiden Sorten, im März lag sie noch bei knapp zwölf Cent, ist nun geringer (1,3 Cent). Doch der ADAC kritisiert: Die Spritpreise seien „weiter stark überteuert“. Rohölpreis, Dollarkurs – Anfang März sei das durchaus vergleichbar mit heute gewesen. Nur, dass die Fahrerinnen und Fahrer Stand jetzt für Benzin über 20 Cent mehr zahlen. Warum eigentlich?

Fest steht: Der Erdölpreis fährt Achterbahn, schuld ist der Krieg in der Ukraine. Auch das geplante Öl-Embargo der EU tut hier sein Übriges.

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Doch fällt der Erdölpreis, ziehen die Spritpreise nur sehr langsam nach. Der Wirtschaftswissenschaftler Manuel Frondel konstatiert gegenüber der „Wirtschaftswoche“: Jemand in der Wertschöpfungskette kassiert auf dem Weg von Öl-Bohrloch zur Zapfsäule ab – und zwar ordentlich.

Tanken immer teurer – Experte: „Lücke geht vor allen Dingen auf Raffinerien zurück“

Frondel ist Professor für Energieökonomik und angewandte Ökonometrie der Ruhr-Universität Bochum und Leiter des Kompetenzbereiches „Umwelt und Ressourcen“ am RWI, dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Betrachte man sich die Marge beim Verkauf von Kraftstoffen, sei erkennbar, dass diese im März besonders gestiegen sei, so Frondel.

Der Wissenschaftler vermutet, dass nicht die Tankstellenbetreiber an dieser Marge verdienen – sondern die Betreiber der Raffinerien. „Wir können an den hohen Ölpreisen ablesen, dass die Ölförderer derzeit große Gewinne machen dürften, das ist ganz klar“, sagt Frondel.

Tanken immer teurer: Behörde will Händlern auf den Zahn fühlen

Aber nicht nur die fahren seiner Meinung nach satte Gewinne ein, sondern eben auch andere. „Die beschriebene Lücke zwischen Ölpreisen und Spritpreisen geht nach unserem Verdacht vor allen Dingen auf die Raffinerien zurück. Und das ist in einem Oligopol-Markt mit wenigen Anbietern auch durchaus möglich.“

Nach den starken Preisschwankungen an den Tankstellen will das Bundeskartellamt Raffinerie-Betreibern und Großhändlern auf den Zahn fühlen, sagte die Bonner Behörde Mitte April. Bislang blieben derlei Untersuchungen ohne durchschlagenden Erfolg. Frondel: „Wichtig wäre, dass nicht, wie in der Vergangenheit, das Augenmerk vor allem auf die Tankstellen gelegt wird, sondern insbesondere auf die Raffinerien.“ (mg)

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