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Schwere Vorwürfe gegen Tönnies und Co. „Indizien geliefert“: Wurden Schlachtreste in Wurst verarbeitet?

Das Foto, aufgenommen am 06.08.2020 in Bayern, zeigt frisch produzierte Bratwürste in einer deutschen Metzgerei.

Das Foto, aufgenommen am 06.08.2020 in Bayern, zeigt frisch produzierte Bratwürste in einer deutschen Metzgerei. Die Aufnahme steht nicht im direkten Zusammenhang mit unten stehender Berichterstattung. 

Der Vorwurf, der im Raum steht, wiegt schwer: Deutsche Hersteller sollen Schlachtreste in Wurst und anderen Fleischprodukten verarbeitet haben. 30 Geflügelwurst- und Geflügelfleischproben wurden von einem Bremerhavener Hochschulprofessor getestet. Neun fielen positiv aus.

Schockierende Studienergebnisse: Deutsche Hersteller sollen einem Medienbericht zufolge Schlachtreste in Geflügelwurst und anderen Geflügelfleischprodukten verwendet haben.

Hierfür hätten Laboruntersuchungen des Bremerhavener Hochschulprofessors Stefan Wittke für den „Spiegel“ und NDR konkrete „Indizien“ geliefert.

Unter Verdacht steht Deutschlands größter Schlachtkonzern Tönnies  zusammen mit anderen Betrieben. Erneut gerät Tönnies damit in die Negativschlagzeilen.

Die Firmen sollen in Geflügelwurstprodukten „Separatorenfleisch“ verarbeiten – ohne dies wie gesetzlich vorgeschrieben zu kennzeichnen.

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Schwere Vorwürfe gegen Tönnies und Co.: Schlachtreste in Geflügel-Wurst?

Doch was versteht man unter dem Begriff? Separatorenfleisch wird erzeugt, indem Maschinen Tierkörper oder grob zerkleinerte Knochen mit Fleischresten durch Lochscheiben hindurchpressen. Knochensplitter und Knorpelteile bleiben hängen, alle weichen Teile wie etwa Muskulatur, Fett und Bindegewebe oder auch Rückenmark werden abgepresst. Dabei entsteht eine breiartige Masse, die nur Centbeträge pro Kilogramm kostet.

NDR und „Spiegel“ hatten insgesamt 30 Geflügelwurst- und Geflügelfleischproben verschiedener Hersteller zur Prüfung in Blindtests eingereicht. Neun davon wurden positiv getestet – darunter vier Bio-Wurstwaren. Unter den 20 Wurstproben war fast jede zweite positiv.

Dagegen fand sich bei den untersuchten zehn Aufschnittproben mit Stückfleisch aus Filet, Kassler oder Braten kein Indiz für Separatorenfleisch. Forscher Wittke hat ein neues, peer-review-geprüftes Verfahren entwickelt, um diese Zutat in Wurstprodukten nachzuweisen. Bislang war dies de facto kaum möglich.

Schlachtreste in Wurst: Auch Zur Mühlen Gruppe steht unter Verdacht

Fünf der neun positiv getesteten Produkte wurden von der in Böklund ansässigen Zur Mühlen Gruppe hergestellt, die zur Tönnies-Unternehmensgruppe gehört. Ebenso waren zwei Produkte des ostwestfälischen Herstellers Franz Wiltmann sowie je ein Produkt der Hersteller Wiesenhof und der Mecklenburger Landpute GmbH unter den Positivfällen. Verkauft wurden diese Waren unter Markennamen wie:

  • Gutfried
  • Edeka Bio
  • Rewe Bio
  • Rewe Beste Wahl

„Separatorenfleisch“ stand auf keiner der Verpackungen.

Die Sprecher dreier Firmen, die zur Tönnies Holding gehören, stritten den Einsatz von Separatorenfleisch ab – und zweifelten die Aussagekraft der Untersuchungsmethode an. Wiesenhof teilte mit, dass in der betroffenen Geflügel-Mortadella kein Separatorenfleisch enthalten sei. Bei der Untersuchungsmethode der Hochschule Bremerhaven handle es sich „lediglich um einen neuen wissenschaftlichen Ansatz zum möglichen Nachweis, der (...) keine solide Basis ist“.

Regelmäßig durchgeführte eigene Tests auf Basis anerkannter Methoden bewiesen das Gegenteil. Eine Wiltmann-Sprecherin erklärte: „Wir setzen in unserer Produktion an keiner Stelle ‚Separatorenfleisch‘ ein. Wir lehnen dessen Einsatz aus qualitativen Gründen entschieden ab.“ Und auch eine Sprecherin der Mecklenburger Landpute GmbH schrieb, man setze kein Separatorenfleisch ein.

Wurstwaren in Deutschland: Verbraucherschutz ist alarmiert

Kontrollbehörden sind angetan von dem neuen Prüfverfahren. „Es scheint für mich sehr zukunftsweisend zu sein“, sagt Matthias Denker, Dezernatsleiter des Landesamts für Lebensmittelsicherheit in Mecklenburg-Vorpommern.

Verbraucherschützer zeigten sich alarmiert. „Wenn Fleischkonzerne Separatorenfleisch verwursten, ohne auf den Produkten darauf hinzuweisen, ist das Verbrauchertäuschung im großen Stil“, sagte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Matthias Wolfschmidt von der Organisation Foodwatch sprach von „Betrug an den Verbraucherinnen und Verbrauchern“, sollte sich der Verdacht bestätigen: „Die Ware dürfte nicht verkauft werden.“

Über das Thema berichten die ARD-Sendung „Panorama“ (NDR) am Donnerstag, 23. Juni, um 21.45 Uhr im Ersten sowie die Dokureihe „45 Min: Geheimsache Wurst – was essen wir da?“ am Montag, 27. Juni, um 22 Uhr im NDR Fernsehen. Anschließend sind die Sendungen in der ARD Mediathek zu sehen. (dpa)

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