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Zu teuer, zu kompliziertNeuer Service für Ausweis per Post wird kaum genutzt

Deutscher Reisepass

Copyright: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn

Die meisten Bürger holen sich ihren neuen Pass im Amt ab. (Symbolbild)

Ausweis nach Hause? Super Idee, die kaum jemand nutzt.

Eigentlich eine super Idee, aber keiner will's: Seit rund einem Jahr können sich Bürgerinnen und Bürger den neuen Personalausweis oder Reisepass gegen eine Gebühr direkt nach Hause schicken lassen. Das lästige Abholen im Amt entfällt. Doch die Realität sieht anders aus, denn laut Kommunen wird dieser Service kaum angenommen. Das Bundesinnenministerium hat nun Vereinfachungen für die Postzustellung in Aussicht gestellt. Gleichzeitig warnen die Städte vor einem Riesen-Andrang auf neue Reisepässe kurz vor dem Start der Ferien. Der dringende Appell: Prüfen Sie rechtzeitig die Gültigkeit Ihrer Papiere!

Wie läuft die Lieferung nach Hause ab?

Ein Zusteller der Deutschen Post übergibt das Kuvert mit dem neuen Ausweisdokument persönlich an der Haustür. Dafür muss sich der Empfänger mit einem gültigen Dokument ausweisen. Wer also einen neuen Reisepass erwartet, benötigt seinen Personalausweis, da der alte Pass schon bei der Beantragung entwertet wird. Dieser Lieferservice schlägt mit 15 Euro zusätzlich zu Buche. Per E-Mail wird angekündigt, wann der Postbote voraussichtlich vorbeikommt. Ist man dann nicht anzutreffen, landet der Pass in einer Postfiliale und wird dort sieben Werktage zur Abholung bereitgehalten.

Was sagen die Städte zu dem Service?

„Nach einem Jahr Praxis mit dem Direktversand von Pass- und Ausweisdokumenten durch die Bundesdruckerei ist Ernüchterung eingekehrt“, äußerte Christian Schuchardt, der Geschäftsführer des Städtetages NRW, gegenüber der dpa. Nur eine verschwindend geringe Anzahl von Bürgern würde den Direktversand in Anspruch nehmen. „Genau das hatten wir befürchtet.“ Die komplizierten Bedingungen für die Zustellung per Post und insbesondere die Zusatzgebühr von 15 Euro seien der Grund, warum die Menschen „lieber kostenfrei den Weg zum Bürgeramt antreten“.

Für die Städte bedeutet die zusätzliche Option leider keine Entlastung. Ganz im Gegenteil, der Aufwand hat sich sogar erhöht. Die Angestellten in den Pass- und Ausweisstellen beraten die Bürger über ein Angebot, das diese zunächst spannend finden, es dann aber doch nicht wahrnehmen wollen. Das schafft zusätzliche Arbeit für die Mitarbeitenden und sorgt für Enttäuschung bei den Bürgern.

Wie reagieren Bund und Post auf die Kritik?

Man stelle den Kommunen ein umfangreiches Paket an Flyern, Plakaten und diversen Bildformaten für Bildschirme in Wartebereichen sowie für Social-Media-Kanäle bereit, so ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Dieses Informationsmaterial sei bereits im Februar deutlich erweitert worden. Es ist geplant, dass künftig auch andere Dokumente wie die Krankenkassenkarte oder der Führerschein an der Haustür zur Identifikation akzeptiert werden, um Namen und Vornamen auf der Sendung mit der empfangenden Person abzugleichen.

Die Deutsche Post teilte ebenfalls mit, dass an einer einfacheren Zustellung gearbeitet werde, beispielsweise durch die Identifikation mittels Führerschein oder Gesundheitskarte. Eine Sprecherin betonte, dass der Service höchste Sicherheitsanforderungen erfülle und im ganzen Land verfügbar sei. Die zusätzlichen Kosten für den Versand der Ausweise seien als Verwaltungsgebühr festgelegt, auf die die Deutsche Post keinen Einfluss habe. Genaue Zahlen zur Nutzung des Direktversands legte die Post nicht vor.

Wie lange dauert es, einen neuen Pass zu bekommen?

Zuerst muss ein Termin für den Antrag bei der zuständigen Behörde her. Wie schnell man einen Termin bekommt, hängt von der aktuellen Nachfrage und den vorhandenen Kapazitäten ab. In Köln spricht man derzeit von einer Vorlaufzeit von ein bis vier Wochen für einen Termin, je nach Kundenzentrum. An bestimmten Tagen sei es auch möglich, ohne Termin vorbeizukommen. In einer dpa-Umfrage unter den zehn größten Kommunen in NRW gaben viele Städte, darunter auch Köln, an, dass täglich neue Termine online zur Buchung freigeschaltet werden.

Danach folgt die Produktionszeit für den Reisepass. Die Bundesdruckerei selbst machte keine Angaben zur aktuellen Dauer und verwies auf das Bundesinnenministerium. Die dpa-Umfrage unter den zehn größten NRW-Kommunen ergab unterschiedliche Erfahrungen bei der Lieferzeit. In Köln rechnet man mit etwa sechs Wochen Wartezeit, während in Dortmund, Duisburg und Münster im Standardverfahren von vier bis sechs Wochen die Rede ist. Andere Städte berichten von drei bis vier Wochen. Essen gibt sogar nur rund zwei Wochen an. Düsseldorf weist zudem auf das Expressverfahren hin, bei dem ein neuer Reisepass nach drei bis fünf Arbeitstagen abgeholt werden kann.

Was muss ich sonst noch beachten?

Die Stadt Köln hebt hervor, dass zahlreiche Länder bei der Einreise eine Reisepass-Gültigkeit von mindestens sechs Monaten über das geplante Datum der Rückreise hinaus verlangen. Erfahrungsgemäß beginnt kurz vor den Sommerferien ein massiver Ansturm, da viele Reisende erst auf den letzten Drücker die Gültigkeit ihrer Ausweisdokumente kontrollieren. Dortmund bezeichnet die drei Wochen vor und drei Wochen nach Ferienbeginn als die Zeit mit dem höchsten Kundenaufkommen des Jahres. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Ein Senioren-Paar im Garten. Der Mann sitzt im Rollstuhl auf einem Hublift.

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