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Achtung, Fake-Döner Von wegen Lamm: So erkennen Sie die miesen Tricks der Kebab-Buden

Dönerspieße drehen sich in einem Imbiss in Berlin: Echter Döner muss echtes Fleisch enthalten und darf nicht nur aus gewürzter Hackfleischmasse bestehen, das wird in der Berliner Dönerverordnung geregelt. Vielen Buden aber ist das egal. Das zeigt das ZDF in einer Reportage.

Echter Döner muss echtes Fleisch enthalten und darf nicht nur aus gewürzter Hackfleischmasse bestehen, das wird in der Berliner Dönerverordnung geregelt. Vielen Buden aber ist das egal. Das zeigt das ZDF in einer Reportage.

Tatort Dönerbude: Produktentwickler Sebastian Lege deckt für das Ratgeber-Magazin „ZDFzeit“ die Tricks der Lebensmittel-Industrie auf. Und diesmal nimmt er ein besonders beliebtes Unterwegs-Gericht der Deutschen unter die Lupe: den Döner. Lege findet heraus, dass Deutschland beim Döner offenbar ein echtes Qualitätsproblem hat.

Für die Reportage entlarvt Lege die miesen Tricks sowohl der Hersteller als auch der Dönerbuden. Dafür reist Lege zunächst nach Polen und besucht für das ZDF die größte und modernste Dönerfabrik der Welt. Der Chef erklärt: Echter Döner muss echtes Fleisch enthalten und darf nicht nur aus gewürzter Hackfleischmasse bestehen, sogenanntes Brät. Dennoch kommt Brät bei vielen als billige Füllmasse zum Einsatz, Hersteller sparen bei dem in dünnen Scheiben geschnittenen Fleisch – der teuersten Zutat.

Die Berliner Dönerverordnung regelt genau, was in einen Döner gehört und was sich nicht mehr „Döner“ nennen darf: Hächstens 60 Prozent Fleischmasse sind erlaubt (also Hackfleisch), mindestens 40 Prozent Scheibenfleisch sind Vorschrift. Alles andere darf sich in Deutschland nicht mehr Döner nennen. Heißt: Spieße mit anderen Rezepturen dürfen durchaus angeboten werden, dürfen aber nicht als „Döner“ verkauft werden.

Dönerspieße drehen sich in einem Imbiss, ein Mann schneidet Stücke von einem der Spieße herunter. Das Lieblingsessen der Deutschen (auf dem Foto von einem Münchner Imbiss) – ist heute ein Milliardengeschäft, ein Großteil aller Spieße wird industriell hergestellt.

Das Lieblingsessen der Deutschen, der Döner (hier von einem Münchner Imbiss) – istheute ein Milliardengeschäft, ein Großteil aller Spieße wird industriell hergestellt. Doch wie viele Dönerbuden bei ihren Kebabs herumfuschen, zeigt das ZDF in einer Reportage.

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Wie kann der Kunde aber erkennen, dass die Mischung im Dönerbrot am Ende stimmt?

Erster Anhaltspunkt laut Experte Lege: Bei einem höheren Anteil Hackfleisch-Masse würde der „Biss“ des Fleisches fehlen, „weil Hackfleisch mit seiner feinen Körnung ist wie ein Schwamm, wo man durchbeißt.“ Bei echtem Fleisch aber merke man gleich, „dass es was zu beißen gibt“.

Döner: Geformte Masse ist oft klar erkennbar

Doch wie sehr halten sich Deutschlands Dönerbuden am Ende an die Regeln? Das ZDF will das mit einem Test-Einkauf herausfinden. Das Team kauft zehn Döner in ganz Deutschland ein.

Fatal: Bei einem Döner aus Düsseldorf kann Lege beim besten Willen kein Scheibenfleisch erkennen. Stattdessen entdeckt er viele winzig kleine helle Stellen im Fleisch. Ein Indiz dafür, dass das „Fleisch“ am Ende eine einzige geformte Masse ist. „Das sieht ein bisschen aus wie eine Frikadelle“, erklärt Lege. Zudem findet der Experte auch Paniermehl in der Mischung. Kein Wunder: Die Döner-Industrie ist der größte Paniermehl-Verbraucher überhaupt.

Lebensmittel-Experte Sebastian Lege hält für die ZDF-Reportage ein Stück Fake-Döner-Fleisch in die Kamera: Der Experte entdeckt viele winzig kleine helle Stellen im Fleisch, es ist nicht so strukturiert wie Schicht-Fleisch. In Indiz dafür, dass das „Fleisch“ am Ende eine einzige geformte Masse ist.

Das ist Fleisch von einem Fake-Döner: Sebastian Lege entdeckt viele winzig kleine helle Stellen im Fleisch, es ist nicht so strukturiert wie Schicht-Fleisch. In Indiz dafür, dass das „Fleisch“ am Ende eine einzige geformte Masse ist.

Einen Döner mit Schicht-Fleisch erkenne man aber leicht an den klar erkennbaren Schichten. Schon am Spieß hängt keine homogene Masse, sondern dort ist das Schichtfleisch klar erkennbar. Das Fleisch ist strukturierter.

Döner in Köln: Kalbs-Döner enthält fast gar kein Kalb

Die zehn Test-Döner werden auch im Labor untersucht. Das Ergebnis hat es in sich: Gleich sechs Stück hätten so nicht verkauft werden dürfen. Mehrere Kalbsdöner enthielten kaum Kalb. Ein Döner aus Hamburg enthielt satte 71 Prozent Pute bei nicht einmal einem Drittel Kalbsfleisch-Anteil. In Berlin sind sogar nur 1,4 Prozent Kalb drin – und 98,6 Prozent Pute. In Köln wird sogar ein Döner mit nur 0,4 Prozent Kalb verkauft – bei einem Puten-Anteil von unglaublichen 99,6 Prozent.

Sebastian Lege lehnt für ein Promo-Foto an eine Hauswand: Der Experte nimmt erneut die Tricks der Lebensmittelindustrie in den Blick und informiert über haltbare Sandwiches, gestrecktes Döner-Fleisch und mehr.

Sebastian Lege nimmt die Tricks der Lebensmittelindustrie für das ZDF in den Blick und informiert diesmal über gestrecktes Döner-Fleisch.

Ähnlich sieht es auch beim Lammdöner aus: In Berlin liegt der Lamm-Anteil bei einer Probe bei null Prozent – stattdessen ist Rind (42 Prozent) und Pute (58 Prozent) enthalten.

Experte: „Richtiger Döner-Kebab ist eben teurer als Boulette am Spieß”

Besuch bei der Lebensmittelaufsicht: „Ein richtiger Döner-Kebab ist eben teurer als Bulette am Spieß“, sagt Dr. Zengerling der Lebensmittelüberwachung Berlin-Pankow dem ZDF. „Und deswegen kaufen viele Imbissbetreiber eben Bulette am Spieß und deklarieren es dann falsch.“ Das sei laut Experte aber kein Kavaliersdelikt, das könne auch zu einer Vorbestrafung führen.

„Ein richtiger Döner-Kebab ist eben teurer als Bulette am Spieß.“
Dr. Zengerling, Lebensmittelüberwachung Berlin-Pankow

Heißt: Was die Imbiss-Betreiber da verkaufen, ist nicht nur Kunden-Betrug, sondern auch verboten. Die Buden sind laut ZDF die „Schwachstelle“ im Döner-Geschäft: Sie kaufen die Billig-Spieße, um sie beim Kunden als hochwertigen Döner zu verkaufen. Kontroll-Organe in Deutschland wiederum seien chronisch überlastet und könnten den Schummel-Buden nicht ausreichend auf die Finger schauen. Am Ende muss also der Kunde genauer hinsehen ... (mg)

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