57.000 Waren untersucht Das ist das umweltschädlichste Lebensmittel der Welt

Ein Verkäufer greift an einem Obst- und Gemüsestand auf dem Wochenmarkt in Oldenburg im August 2022 in eine Kiste mit Erbsen.

Ein Verkäufer greift an einem Obst- und Gemüsestand auf dem Wochenmarkt in Oldenburg im August 2022 in eine Kiste mit Erbsen.

Die Preise für Lebensmittel steigen. Mitten hinein in die Inflations-Monate kommt nun eine neue Untersuchung, die aufzeigt, welche Lebensmittel am schädlichsten für die Umwelt sind.

Preiserhöhungen hier, leere Regale da – und mittendrin bei vielen das schlechte Gewissen, ob man mit dem Einkauf nicht der Umwelt und nachfolgenden Generationen schadet. 

Wer beim Lebensmitteleinkauf der Umwelt etwas Gutes tun will, sollte Fleisch, Fisch und Käse meiden und lieber verstärkt zu Obst, Gemüse und Brot greifen.

57.000 Lebensmittel auf Umweltauswirkung untersucht

Das belegt eine britische Studie, in der die Umweltauswirkungen von mehr als 57.000 im Supermarkt erhältlichen Produkten eingeschätzt wurden, darunter viele verarbeitete Lebensmittel.

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Wie die Autorinnen und Autoren in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“) zudem im August 2022 berichten, weisen viele nahrhafte Produkte eine geringe Umweltbelastung auf.

Die Themen Natur und Klima sowie Umwelt sind 84 Prozent der Deutschen bei der Ernährung wichtig oder sehr wichtig. Das berichtet der aktuelle Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Gleichzeitig fühlen sich 27 Prozent weniger oder gar nicht gut über die entsprechenden Zusammenhänge informiert.

Umweltfreundliche Ernährung: Viele sind überfordert

Tatsächlich scheinen sich nicht wenige Verbraucherinnen und Verbraucher überfordert zu fühlen, wenn es darum geht, Entscheidungen für eine umweltfreundliche Ernährung zu treffen. Hinzu kommt, dass Supermarktprodukte häufig aus Kombinationen verschiedener Zutaten bestehen.

Um auch die Folgen für den Umweltschutz solcher Produkte besser abschätzen zu können, hat ein Team unter Leitung von Fachleuten der Universität von Oxford einen Algorithmus entwickelt, mit dem es die Gesamtwirkungen von mehr als 57.000 im Einzelhandel erhältlichen Lebensmitteln und Getränken im Vereinigten Königreich und Irland abschätzte. Die Autorinnen und Autoren quantifizierten dabei etwa die Auswirkungen der Lebensmittel auf Treibhausgasemissionen, Landnutzung und Wasserverbrauch.

Daraus ermittelten sie dann einen einzigen zusammengesetzten Umweltauswirkungswert pro 100 Gramm des jeweiligen Produkts, der von 0 (keine Auswirkungen) bis zu 100 (größte Auswirkungen) reicht.

„Zum ersten Mal haben wir eine transparente und vergleichbare Methode zur Bewertung des ökologischen Fußabdrucks von verarbeiteten Lebensmitteln mit mehreren Zutaten“, fasst Koautor Peter Scarborough zusammen. „Diese Arten von Lebensmitteln machen den größten Teil unserer Supermarkteinkäufe aus, aber bis jetzt gab es keine Möglichkeit, ihre Auswirkungen auf die Umwelt direkt zu vergleichen.“

Lebensmittel-Ranking: Das ist das umweltschädlichste

Den höchsten Wert erreichten in der Studie Produkte aus getrocknetem Rindfleisch wie Biltong oder Beef Jerky – derartige Dörrfleisch-Produkte finden sich als Snacks auch hierzulande in immer mehr Supermärkten.

Beef Jerky in einer Papiertüte auf einem Holztisch

Beef Jerky, hier auf einem undatierten Symbolfoto, ist das umweltschädlichste Lebensmittel, zeigt eine neue Studie.

In der Regel hatten Produkte aus Fleisch, Fisch und Käse einen eher höheren Wert, während sich viele Desserts und Backwaren im mittleren Bereich und Produkte aus Obst, Gemüse, Zucker und Mehl wie Suppen, Salate, Brot und viele Frühstücksflocken am unteren Ende der Skala befanden.

Fleisch und Fleischalternativen: Die Folgen für die Umwelt

In der Studie wurden zudem die Umweltfolgen von Fleisch und Fleischalternativen, darunter Würstchen oder Burger auf pflanzlicher Basis, verglichen. Dabei wiesen viele der Alternativprodukte nur ein Fünftel bis weniger als ein Zehntel der Umweltauswirkungen ihrer fleischbasierten Äquivalente auf.

„Die britischen Ergebnisse decken sich insgesamt mit dem, was wir für die aktuellen Ernährungsgewohnheiten in Deutschland ermittelt haben“, kommentiert Rolf Sommer, Leiter des Bereichs Landwirtschaft und Landnutzung beim WWF Deutschland, in einer unabhängigen Einschätzung.

Lebensmittel-Einkauf: Mehr Obst, Gemüse und Nüsse

„Wir sind vielfältig abhängig von den Ökosystemleistungen einer intakten Natur“, führt Sommer aus. „Unsere Ernährungsmuster gefährden daher unsere eigene Ernährungssicherheit.“ Der Agrarexperte fasst zusammen: „Mehr Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse und dafür weniger tierische Produkte, das ist eine gute Formel für die Umwelt und die eigene Gesundheit.“

Ein Einkaufswagen gefüllt mit Lebensmitteln wie Obst und Gemüse

So wie dieser Einkaufswagen (aufgenommen 2021 in Berlin) könnte ein Muster-Einkauf aussehen.

Diese Empfehlung passt nicht nur zu den globalen Leitlinien der „Planetary Health Diet“, die 2019 von der „Eat-Lancet“-Kommission vorgestellt wurden und Zielvorgaben für eine ausgewogene und umweltgerechte Ernährung enthalten. Sie verweisen auch auf eine andere Feststellung der aktuellen Studie. Deren Autorinnen und Autoren beobachteten, dass nachhaltigere Lebensmittel tendenziell auch nahrhafter seien.

Lebensmittel-Analyse: Große Unterscheide in Produktkategorie

Die Analyse zeigte zudem große Unterschiede innerhalb einer Produktkategorie. Je nach Inhaltsstoffen und Zusammensetzung könnten beispielsweise unterschiedliche Pesto-Saucen deutlich voneinander abweichende Umweltauswirkungen und Nährwerte haben, ähnliche Vergleiche stellten die Forscher für Kekse, Lasagne und Würstchen an.

Eine Salty Bar ist auf dieser undatierten Aufnahme bei einer Hochzeitsfeier in Rottweil aufgebaut.

Eine Salty Bar ist auf dieser undatierten Aufnahme bei einer Hochzeitsfeier in Rottweil aufgebaut. 

Für die Verfasserinnen und Verfasser bedeutet dies, dass selbst Verbraucherinnen und Verbraucher, für die eine größere Ernährungsumstellung nicht möglich oder attraktiv genug ist, durch die Wahl bestimmter und entsprechend gekennzeichneter Lebensmittel einen Beitrag zur Verringerung der Umweltfolgen und für ihre eigene Gesundheit leisten könnten.

Insgesamt hoffen die Forscher darauf, dass die von ihnen entwickelte Methode einen ersten Schritt bildet, der es ermöglicht, fundierte Entscheidungen über die Umweltauswirkungen von Lebensmitteln und Getränken zu treffen. (dpa)

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