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Europas schönste FestungDoch die Stadt bei Amsterdam hat eine blutige Geschichte

Luftaufnahme von Naarden

Copyright: Robbert Frank Hagens/ANP/dpa-tmn

Die sternförmige Festungsanlage von Naarden ist ein beeindruckendes Beispiel europäischer Baukunst und zählt zu den am besten erhaltenen Festungsstädten Europas.

Diese Märchen-Stadt hat eine blutige Geschichte.

Ein Anblick wie aus dem Märchen: Eine perfekte, sternförmige Stadt, umgeben von Wasser. Doch hinter der Idylle von Naarden bei Amsterdam verbirgt sich eine grausame Geschichte von Verrat und Tod, die bis heute nachwirkt.

Manche Leute kommen nur wegen eines Fotos aus der Luft. Denn erst aus der Vogelperspektive entfaltet die kleine Festungsstadt ihre ganze, sternförmige Pracht. „Es ist ein verstecktes Juwel“, sagt Tammo ter Hark, der frühere Direktor des Festungsmuseums. „selbst Holländer sind überrascht.“ Doch die beeindruckende Baukunst ist nur die eine Seite – die andere ist ein dunkles Kapitel der niederländischen Geschichte.

Hinter zwei Meter dicken Mauern

Das Erste, was man von Naarden erblickt, wenn man sich über Land nähert, sind ein doppelter Wassergraben und eine Festungsmauer. Sie gehört zum Turfpoort, einer der sechs Bastionen der Anlage, die zwischen 1675 und 1685 errichtet wurde.

Wie Pfeile ragen sie in den Graben. Der Turfpoort beherbergt das Festungsmuseum mit rund 20.000 Besuchern jährlich. Ein Audioguide lässt auch deutsche Gäste in die turbulente Historie mit Spaniern und Franzosen eintauchen.

Sollten dann noch Unklarheiten bestehen, kann Hans van Mierlo sicher helfen. Als 15-Jähriger kam er erstmals ins Museum – genau an dem Tag, als junge Leute für den Kanonendienst gesucht wurden. Van Mierlo sagte zu und ist nun seit fast 50 Jahren als Freiwilliger dabei.

Von März bis Oktober laden Freiwillige an jedem dritten Sonntag des Monats die Kanonen im Freien. 80 Gramm Pulver pro Schuss, mehr ist von der Polizei nicht gestattet, so van Mierlo. „Zum richtigen Schießen wären zwei Kilo gut, aber das ist ein bisschen viel.“ Und bei der Munition hat man ebenfalls abgerüstet. „Wir schießen nur mit Gras.“

Die Gräueltat der Spanier

Als die heutige Festung entstand, hatte die Stadt ihre schwärzeste Stunde schon hinter sich. Im November 1572, der Achtzigjährige Krieg war erst vier Jahre alt, standen spanische Truppen vor Naardens Toren und wollten Einlass. „Die Soldaten hatten Hunger, es war kalt und es gab keinen Sold“, erzählt van Mierlo. Die Tore blieben aber zu.

Nach sechs Tagen Belagerung kapitulierte die Stadt und hoffte auf Gnade. „Das haben die Spanier versprochen.“ Doch es geschah das Gegenteil. Ein Relief an der Fassade des alten Rathauses gibt eine Ahnung davon, was folgte.

„Die Männer mussten sich hier melden, um den Treueeid zu schwören, und sind dann abgeschlachtet worden. Das war grausam.“ Van Mierlo berichtet, dass auch Frauen und sogar Babys nicht verschont wurden. Etwa 800 Menschen wurden ermordet, nur 60 Einwohner überlebten. Der Ort brannte nieder.

Den Restauratoren über die Schulter schauen

Wer es einrichten kann, sollte mit einem Besuch nicht zu lange warten und unbedingt die Grote Kerk aufsuchen. Denn bis zum 23. August 2026 können Besucher hier noch aus nächster Nähe zusehen, wie das gut 700 Quadratmeter große hölzerne Tonnengewölbe der Kirche saniert wird.

Ein weiterer Anziehungspunkt ist das ehemalige Kloster. Es beherbergt ein Museum, das sich dem Wirken und Leben von Johann Amos Comenius widmet. Der 1592 in Mähren geborene Theologe und Pädagoge fand in Naarden seine letzte Ruhestätte. In Tschechien ziert sein Porträt den 200-Kronen-Schein – neben einer Skizze der Festung Naarden.

Naarden liegt nur gut 20 Kilometer von Amsterdam entfernt und ist ein idealer Tagesausflug, zum Beispiel mit der Bahn bis Naarden-Bussum. Der Eintritt ins Festungsmuseum kostet 13,50 Euro. Ähnlich beeindruckende Festungsstädte in den Niederlanden sind Brielle oder Bourtange. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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