Natur und Panorama pur! Alpenüberquerung auf einer neuen Route abseits der Massen im Vier-Länder-Eck.
Abseits der Touri-MassenAlpenüberquerung – zum Schwelgen schön

Copyright: Katrin Voss
Grenzgänger im Vier-Länder-Eck: Vom Kleinwalsertal wandern wir über den Koblatpass zum südlichsten Punkt Deutschlands.

Wer Alpenüberquerung hört, der denkt vielleicht an den karthagischen Feldherrn Hannibal und seine Elefanten. Aber auf jeden Fall an eine beschwerliche Kraxelei. Dass es auch komfortabel, aber trotzdem spektakulär geht, beweist der Südtiroler Wander-Spezialist Georg Pawlata (52) mit seiner Vier-Länder-Alpenüberquerung.
In nur einer Woche wanderten wir über leichte bis mittelschwere Wege von Österreich über den südlichsten Punkt Deutschlands und weiter in die Schweiz und nach Italien. Abseits des Massen-Tourismus und mit nur leichtem Gepäck erreichten wir gemütliche Hotels mit hervorragenden Restaurants. Genusswandern bei einer Alpenüberquerung – ein einzigartiges Erlebnis.
1. Etappe: Kleinwalsertal – Lech am Arlberg
Nach der Anreise über Oberstdorf übernachten wir im „Hotel Tradizio“ in Mittelberg, von wo wir uns am nächsten Morgen auf den Weg machen. Wir wandern durch das Gemsteltal hoch zur Alphütte von Matthias Fritz, wo wir uns eine Erfrischung und den herrlichen Blick auf Adler und Milane am Himmel gönnen.
Weiter geht’s über den felsigen Koblatpass zum südlichsten Punkt Deutschlands mit dem markanten Grenzstein Nummer 147. Von hier sehen wir schon die Lechtaler Alpen und den Arlberg, an dessen Fuß unser Etappenziel Lech liegt. Im „Hotel Tannbergerhof“ genießen wir Zürcher Geschnetzeltes und gemütliche Zimmer.
- Strecke: 11,5 Kilometer, Gehzeit: 5 Stunden
2. Etappe: Lech am Arlberg – Klostertal:
Vom „Hotel Tannbergerhof“ führt der Weg sanft am Lech entlang durch das schönste Hochtal Österreichs zum Zuger Wasserfall. Oben am Stierlochjoch fällt der Blick zum höchsten Berg des Lechquellengebirges, der Wildgrubenspitze (2753 Meter).
Von der Ravensburger Hütte aus erkennt man schon die Berge der Verwallgruppe und sieht bis zur Schweizer Grenze. Beim Spullersee beginnt der Abstieg ins Klostertal. Kurz vor dem Ziel staunen wir über die Wälditobelbrücke aus dem 19. Jahrhundert.
- Strecke: 14 Kilometer, Gehzeit: 5,5 Stunden
3. Etappe: Klostertal – Montafon
Die Sonnenkopfseilbahn bringt uns auf über 1800 Meter. Wir wandern zum Muttjöchle auf 2074 Meter und haben einen traumhaften Rundumblick zurück zum Arlberg, in die Verwallgruppe und die Silvretta sowie das Rätikon an der Grenze zur Schweiz.
Durch eine von der letzten Eiszeit geprägte Landschaft mit kleine Lacken und Gletscherschliffen wandern wir weiter Richtung Montafon. Das letzte Stück hinab können wir wieder mit einer kleinen Seilbahn zurücklegen – oder auf einem Fahrweg weiter ins Tal wandern.
- Strecke: 9,5 Kilometer, Gehzeit: 4 Stunden
4. Etappe: Montafon – Klosters
Der Weg war einst einer der bedeutendsten Schmugglerpfade zwischen Österreich und der Schweiz. Wir kommen an mehreren heute aber verlassenen Zollhütten beiderseits der Grenze vorbei.
Nach einem kurzen, aber steilen Anstieg zum Grenzpass, dem Schlappiner Joch auf 2202 Meter Seehöhe, öffnet sich der Blick nach Graubünden zu den Plessur- und Albula-Alpen mit ihren vergletscherten Dreitausendern. Danach beginnt der Abstieg in den bekannten Wintersportort Klosters.
- Strecke: 11,5 Kilometer, Gehzeit: 4,5 Stunden
5. Etappe: Klosters – Scuol
Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir das mittelalterliche, rätoromanische Dorf Guarda im Unterengadin. Durch seine Gassen mit bunten Steinhäusern und Dorfbrunnen wandern wir zum Dorf Bos-Cha und weiter oberhalb von Ardez über den Jakobsweg Graubünden zur Taberne-Ruine Chanoua.
Nach einer Pause geht’s weiter in Richtung Ftan, wo auf einem Hügel der Badesee Lai da Padnal eine Abkühlung bietet. Danach ist es nicht mehr weit zur Seilbahn, mit der wir das Bergrestaurant „Prümaran Prui“ erreichen, das zum Schlemmen und Sonnenbaden einlädt. Etappenziel ist Scuol, der Hauptort des Unterengadins, wo wir im „Hotel Belvedere“ die einzigartige Badelandschaft und das Drei-Gänge-Menü genießen.
- Strecke: 14,5 Kilometer, Gehzeit: 5 Stunden
6. Etappe: Scuol – Taufers im Münstertal
Wir fahren nach S-Charl, einem von vier mächtigen Bergen eingerahmten, ehemaligen Bergbaudorf. Sanft führt der Weg vorbei an mehreren Almen hinauf zur Cruschetta, dem auf knapp 2300 Meter gelegenen Übergang von der Schweiz nach Italien. Hier am Alpenhauptkamm befindet sich eine weitere Hauptwasserscheide der Alpen.
Während die Bäche beim Aufstieg ins Schwarze Meer fließen, gelangt der Valgarolabach, der uns beim Abstieg begleitet, über die Etsch in die Adria. Ab nun hat man immer einen direkten Blick zum vergletscherten Ortler, dem höchsten Berg Südtirols. In den schönen und gut erhaltenen Orten des Obervinschgaus feiern wir die erfolgreiche Vier-Länder-Alpenüberquerung bei einem guten Glas italienischem Wein.
- Strecke: 15 Kilometer, Gehzeit: 5,5 Stunden
Auf zur Alpenüberquerung! So komme ich zum Ausgangsort
Mit dem Auto dauert es von Köln aus 6,5 Stunden nach Oberstdorf, mit dem Zug über den Umsteigebahnhof Ulm nicht viel länger. Nach Mittelberg im Kleinwalsertal fährt direkt vom Bahnhof die Buslinie 1. Die einzelnen Etappen kann man auch oft mit Alternativrouten oder kurzen Busfahrten abkürzen.
