Maßnahme gegen Alkohol am Steuer Neuerung bald in jedem Neuwagen Pflicht – doch der ADAC warnt

Ein Polizist der Polizei Hildesheim winkt Autofahrer zu einer Kontrolle raus.

Polizei-Kontrollaktionen zu Drogen und Alkohol, wie hier in Niedersachsen am 5. Mai 2022, werden aufgrund der vielen Verkehrstoten immer wieder durchgeführt. Bald soll das Fahren unter Alkoholeinfluss durch ein modernes Sicherheitssystem in der EU verhindert werden.

Die EU-Komission hat allgemeine Sicherheitsvorschriften erlassen, die das Fahren unter Alkoholeinfluss verhindern sollen. Bereits ab Juli soll eine besondere Sicherheitstechnologie zur Pflicht werden.

Um Fußgänger und Radfahrer besser zu schützen, hat die EU-Kommission allgemeine Sicherheitsvorschriften erlassen. Denn: Laut dem Statistischen Bundesamt sterben jährlich immer noch tausende Menschen im Straßenverkehr.

Bald sollen bestimmte Technologien, die der Sicherheit dienen, zur Standardausstattung gehören. Dazu gehört auch eine sogenannte Alkohol-Wegfahrsperre, wie „RTL News“ berichtet.

Moderne Sicherheitstechnologien bei Neufahrzeugen 

23.000 Menschen: So viele Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer wurden laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2019 in der EU getötet. 3000 davon starben allein in Deutschland – das macht durchschnittlich neun Verkehrstote pro Tag.

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Über 450 der tödlichen Unfälle wurden in Nordrhein-Westfalen verzeichnet. Aktuelle Statistiken zeigen außerdem, dass vor allem in städtischen Gebieten rund 70 Prozent aller Unfalltoten ungeschützte Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer sind.

EU-Komission führt Maßnahmen ein: Alkohol-Wegfahrsperre soll kommen

Nun hat die EU-Kommission ein umfangreiches Maßnahmenpaket erlassen, um die Gesamtzahl an Verkehrstoten drastisch zu reduzieren. Besonders eine Maßnahme sorgt dabei für Aufregung: Die Alkohol-Wegfahrsperre. Die Maßnahmen umfassen im Detail:

  • Spurwechselassistent
  • Müdigkeitswarner
  • Notbremslicht
  • Intelligente Geschwindigkeitsassistent
  • Reifendrucküberwachungssystem
  • Rückfahrassistent
  • Vorrichtung für den Einbau einer Alkohol-Wegfahrsperre.

Besonders die Alkohol-Wegfahrsperre soll für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Bereits ab dem 6. Juli 2022 müsse bei neuen Fahrzeugtypen eine Schnittstelle für die sogenannten Alkohol-Interlock-Systeme eingeplant werden. „Demnach muss die Vorrichtung zum Einbau einer alkoholempfindlichen Wegfahrsperre den Einbau oder die Nachrüstung einer alkoholempfindlichen Wegfahrsperre ermöglichen. Die Anforderungen an die Schnittstelle sind EU-weit geregelt“, erklärt eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums im Interview mit „RTL“.

Bei einer Alkohol-Wegfahrsperre handele es sich um ein Kontrollsystem, welches das Fahren unter Alkoholeinfluss verhindern soll. Dafür pustet die Fahrerin oder der Fahrer wie bei einer Polizei-Kontrolle in ein Gerät, das den Promillewert ermitteln soll. In der Theorie bedeutet dies: Bei einer Überschreitung des zulässigen Promillewertes kann die alkoholisierte Person den Motor des Fahrzeugs nicht mehr starten – und der Verkehr wird durch ihn nicht gefährdet.

Alkohol-Wegfahrsperre: ADAC ist skeptisch

Spätestens ab dem 7. Juli 2024 werde es ernst. Denn dann müssen alle neu zugelassenen Fahrzeuge über eine solche Schnittstelle verfügen. Doch der ADAC ist von der Idee nicht überzeugt. Bislang gebe es nicht einmal Pilotprojekte, um den Nutzen von Alkohol-Wegfahrsperre zur Reduzierung der Rückfallquote alkoholauffälliger Fahrerinnen und Fahrer  zu erforschen.

„Ein verpflichtender Einsatz von Alkohol-Wegfahrsperren, anstelle oder sogar trotz erfolgreicher MPU, würde nicht nur zu einer Verschärfung der bisherigen Rechtsfolgen einer Trunkenheitsfahrt führen, sondern auch die generelle Berechtigung und den Wert dieses seit Jahrzehnten bewährten Prognoseinstruments in Zweifel ziehen“, erklärte ein Sprecher des ADAC gegenüber „RTL“.

Außerdem seien technische und rechtliche Maßnahme nötig, um Missbrauch oder Manipulation zu verhindern, so das Bundesverkehrsministerium. Für Autofahrerinnen und Autofahrer bedeute dies im Klartext: Die verpflichtende Nutzung einer Alkohol-Wegfahrsperre werde so schnell nicht kommen, auch wenn bereits jetzt die ersten Schnittstellen bei Neuwagen geplant werden. (mn)

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