Die Kölner Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf gibt Tipps gegen Mobbing in der Schule und im Netz.
Kölner ExpertinWas tun, wenn mein Kind gemobbt wird?

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Elisabeth Raffauf rät Kindern, nicht lockerzulassen, wenn ihnen keiner hilft. Unter der Nummer gegen Kummer (116 111) kann man kostenfrei, ohne seinen Namen zu nennen, sein Herz ausschütten und um Hilfe bitten.

Mirjam wird wegen ihrer neuen Sandalen ausgelacht. Tim wegen seiner abstehenden Ohren. Kopftuchträgerin Marusha wird auf der Toilette eingesperrt. Und Kim im Netz einfach aus dem Klassenfoto „herausgeschnitten“. Mehr als ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen geben laut einer aktuellen Studie an, in der Schule schon mal gemobbt worden zu sein, ein Sechstel berichtet von gezielten Schikanen im Internet. Wann und wie sollten Eltern eingreifen?
Mobbing beginnt erst im Teenie-Alter? Von wegen! Auffällig sei, dass Mobbing nicht etwa in weiterführenden Schulen, sondern vor allem in Grundschulen stattfinde, weiß die Kölner Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf, die das Buch „Stark gegen Mobbing“ (FischerSauerländer, 16 Euro) geschrieben hat. Sie sagt: „Die Folgen können immens sein, sowohl seelisch als auch körperlich – etwa Depressionen oder Essproblematiken.“
Bei Mobbing nicht direkt die Eltern des Übeltäters anrufen
Sie rät Eltern, bei Veränderungen im Verhalten immer aufmerksam zu sein. „Viele Kinder sagen nicht direkt, dass sie gemobbt werden, weil sie denken, dass es an ihnen liegt und sie sich schämen.“ Stattdessen würden sie vielleicht über Bauchschmerzen klagen, schlechter essen und schlafen, sich zurückziehen oder aggressiv werden. „Dann ist es wichtig, die Kinder anzusprechen und zuzuhören – ohne sie zu verurteilen oder sie aufzufordern, sich einfach mal durchzusetzen, sondern gemeinsam zu überlegen, wie man vorgehen will.“ Dem Kind müsse bewusst gemacht werden: „Du hast keine Schuld. Es gibt niemals einen Grund, andere herunterzumachen.“

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Die Kölner Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf hat einen Mobbing-Ratgeber für Kinder geschrieben. Er soll ihnen Mut machen, Schutz und Hilfe zu suchen.
Der erste Impuls vieler Eltern sei, sofort die Eltern des Mobbers anzurufen, ist Raffaufs Erfahrung. Doch davon rät sie ab. „Keine gute Idee. Dann entsteht oft eine Dynamik in der Elternschaft und es bilden sich zwei Lager.“ Wichtig sei es hingegen immer (selbst wenn das Kind es nicht wolle), Kontakt mit den Lehrern aufzunehmen. „Aber nicht hinter dem Rücken des Kindes. Man muss ihm vielmehr erklären, dass das immer so weitergehe und vermutlich immer schlimmer werde, wenn niemand eingreife.
Sollten Lehrer wenig empfänglich für das Thema sein oder es als harmlose Hänselei abtun, sei es trotzdem wichtig, dranzubleiben. „Vielleicht gibt es ja einen Vertrauenslehrer, einen Rektor oder eine Rektorin, mit denen sich Maßnahmen besprechen lassen – etwa für eine Zeit lang eine Begleitung auf dem Schulweg, wenn das Kind dort regelmäßig angegriffen wird – oder jemand, der auf dem Pausenhof zur Seite steht. In vielen Schulen gibt es für die Neuen ja auch Patenschaften durch die Älteren oder Streitschlichter, an die man sich wenden kann.“
Welche Kinder und Jugendlichen werden überhaupt gemobbt?
Da gebe es keine Regel, sagt die Expertin. Kinder, die anders aussehen, aus einem anderen Land kommen oder eine körperliche Beeinträchtigung hätten, seien natürlich eher gefährdet. Aber jeder könne Opfer werden – das Kind, das ständig neue Klamotten anhabe, ebenso wie das, das täglich das Gleiche anziehe. Sie rate Kindern und Jugendlichen, auf Verbalattacken, falls möglich, mit einem lockeren Spruch zu reagieren, Motto: „Erzähl das deinen Goldfischen.“ Wenn die Täter verstehen, dass man es möglicherweise als nicht so schlimm empfinde, würden sie meist eher das Interesse verlieren. Im Falle von Cybermobbing sollten Eltern Kindern zeigen, wie sie Personen blockieren können.
Tipp: Immer Screenshots machen, um sie Lehrern oder schlimmstenfalls auch der Polizei zeigen zu können. Wichtig findet Elisabeth Raffauf es, dass Eltern in dieser Zeit die Tür aufmachen für Freunde. „Wenn ich Freunde habe, bin ich schon mal stärker. kann mit denen darüber reden, sie können mir beistehen und ich bin nicht so allein.“
Hilfe – MEIN Kind ist der Mobber!
Und wenn der eigene Nachwuchs der Aggressor ist? Eine Vorstellung, die viele Eltern oft ebenso entsetzt. Da helfe nur, anzusprechen, was eigentlich los sei. Ist das Kind vielleicht selbst gemobbt worden? Wolle deshalb andere klein machen, um sich groß zu machen? Das beste „Gegengift“ sei, Mitgefühl zu wecken: „Was denkst du, wie es dem anderen Kind geht?“
Gilt vor allem, wenn es um Cybermobbing gehe, weil man da nicht sehe, wie der oder die andere nach einem doofen Spruch weine. Wichtig sei auch, mit gutem Beispiel voranzugehen: „Respektvoller Umgang muss auch zu Hause ein wirklicher Wert sein.“
