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Ikonische ZeitmesserLuxusuhren, die keinem auf den Wecker gehen

Luxusuhren kommen nie aus der Mode, sind Wertanlage und Statussymbol. Wir gehen der U(h)rsache der Faszination mal nach. 

Die Welt der Luxus-Uhren tickt anders. Während die meisten für die Uhrzeit nur noch aufs Handy starren oder eine Smartwatch am Arm tragen, gibt es andere „Zeitgenossen“, die sich nach höchster Handwerkskunst, edlen Materialien und über Jahrhunderte entwickeltem technischem Verständnis sehnen, wenn sie die Zeit im Blick haben. Für sie gedacht (und für alle jene, die schöne Dinge mögen) ist ein neuer Bildband, der die Zeit stillstehen lässt.

Kleiner „Downer“ zu Beginn: Die meisten von uns werden sich keine der Uhren, die in der Bildergalerie oben abgebildet sind, in ihrem Leben jemals leisten können. Oder es auch nur können wollen. Es ist verdammt viel Geld für eine Uhr, die man dann auch nur unter größten Vorsichtsmaßnahmen tragen könnte. Sie alle sind aber Wunderwerke der Uhrmacherkunst, viele von ihnen gar Unikate. Sie wirken ein bisschen wie aus der Zeit gefallen mit ihren mechanischen Uhrwerken, den vielen Zahnrädern, die perfekt ineinander greifen.

Zeit in ihrer opulentesten Form

In einer digitalen Welt sind Luxusuhren eigentlich überholt – und doch faszinieren sie weiterhin. Weil sie Kunstwerke sind, aber tragbare, die auch die Persönlichkeit des Sammlers reflektieren. In dem opulenten (und ebenfalls bei einem stolzen Preis von 250 Euro nur für wenige erschwinglichen) Bildband „Ultimate Collector Watches“ des Kölner Taschen-Verlags sagen die beiden Autoren Charlotte und Peter Fiell so schön im Vorwort: „Sammleruhren sind so besonders, weil sie uns – im Gegensatz zu Bildern oder Skulpturen – überall hin begleiten können, in Büroräume, zu Abendessen, sogar ins Bett.“

Berühmte Uhrmacher

  1. Schweizer dominieren die Uhr-Welt. Warum? Einst suchten Bauern in der französischsprachigen Westschweiz, die dort im Winter nichts zu tun hatten, eine Beschäftigung, die sie daheim erledigen konnten. Sie montierten Uhren, die sich durch ihre Qualität auszeichneten. Berühmte Manufakturen der Eidgenossen sind Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet, Omega, Vacheron Constantin, Jaeger-LeCoultre, Breitling, Hublot, Richard Mille, TAG Heuer, IWC Schaffhausen und Longines.
  2. Ein weiterer großer Name ist Cartier (Design aus Frankreich/Uhrwerk Schweiz).
  3. Bei deutschen Herstellern sind A. Lange & Söhne, Glashütte und Junghans bekannt. Es gab auch immer „Einzelkämpfer“, die sich einen Namen machten, darunter Louis Cottier (Schweiz) oder der Brite George Daniels.

Technisch gesehen sind diese Uhren Meisterwerke. Einfach mal drüber nachdenken, wie kompliziert es sein muss, mechanisch genau das richtige Datum in einem „Ewigen Kalender“ angezeigt zu bekommen. Ein mechanisches Gedächtnis muss konstruiert werden, das genau weiß, welcher Monat 30 Tage hat und welcher 31 – und dass der Februar dieses Jahr 28 Tage hat, 2028 aber 29. Es ist kompliziert, geht aber.

Das Cover eines großen Bildbandes über Uhren

Copyright: Taschen Verlag

Fetter Wälzer: „Ultimate Collector Watches“ von Charlotte und Peter Fiell in zwei Bänden. Das super-informative Buch wiegt stolze 9,24 Kilo, hat 960 Seiten und kostet stolze 250 Euro (Taschen-Verlag).

Sammler sind bereit, Millionen für nur eine einzige Uhr zu bezahlen. Sammler wie der französische Unternehmer Patrick Getreide (70), ihm gehört die OAK Collection (steht für „One of a Kind“ = einzigartig), eine der wertvollsten privaten Uhrensammlungen der Welt. Im Bildband verrät er, dass er seinen ersten Zeitmesser mit zwölf Jahren kaufte. Er stammt aus sehr wohlhabendem Hause, aber so viel Geld hatte er als kleiner Junge nicht zur Verfügung. „Es war eine Omega, ich ging über 50 Mal in dieses Geschäft im Ort. Der Inhaber sagte: ‚Was willst du von mir?‘ Ich antwortete: ‚Eine Uhr kaufen! Aber ich habe nur zehn Franc Taschengeld, ich kann Ihnen zehn Franc pro Woche zahlen!‘“ So ging er jede Woche in den Laden, zahlte zehn Franc. Irgendwann zahlte Papa den Rest – und eine unbändige Uhrenliebe war geboren.

Wichtige Begriffe rund um die Uhren

  1. Chronograph: Uhr mit zuschaltbarer Stoppuhr.
  2. Chronometer: Präzisionsuhr, die von amtlicher Prüfstelle zertifiziert wird.
  3. Mondphasenanzeige: Erscheinungsformen des Mondes werden mit einer Scheibe auf dem Zifferblatt dargestellt.
  4. GMT: Uhren, bei denen eine zweite Zeitzone ablesbar ist. Sind Städtenamen mit angegeben, ist es eine Weltzeituhr.
  5. Tourbillon: Technik, die die Auswirkung der Schwerkraft auf die Funktion der Uhr reduziert. Teile werden in einem Käfig untergebracht, der sich einmal pro Minute um 360 Grad dreht.

Wenn Uhren-Liebhaber Patrick Getreide bei einer Katastrophe nur eine einzige seiner über 600 Uhren retten könnte, welche wäre es? „Die blau-emaillierte Patek 2523 Two Crown World Time. Es gibt nicht Besseres. Ich habe sie vor vielen Jahren für 800.000 Euro gekauft, damals war es ein Weltrekord beim Preis – und alle lachten über mich. Heute ist sie sechs oder sieben Mal das Geld von damals wert.“

Mechanische Uhren zu sammeln, ist eine Passion in der Nische. Die meisten setzen heute im Alltag, wenn überhaupt auf eine Uhr, dann auf Smartwatches. Allein die Apple Watch wird jedes Jahr 30 Millionen mal verkauft. Alle Handwerksmanufakturen aus der Schweiz verkaufen zusammen pro Jahr nur knapp 25 Millionen Uhren. Und trotzdem ist die Zeit für sie nicht abgelaufen. Wir zeigen in der Bildergalerie oben aus dem Taschen-Bildband einige der wichtigsten (und schönsten) Uhren, die je gemacht wurden. Nur eine kleine Auswahl, denn es gibt so viele.

Reines Wasser wird in ein Wasserglas aus einem Krug gegossen.

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