Beim Wasserfasten jubelt nach Karneval nicht nur die Leber. Was ist vom radikalen Trend zu halten?
Radikaler TrendWie gesund ist Wasserfasten wirklich?
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Zwei Wochen nur Wasser und Kräutertees trinken – kann das wirklich gesund sein? Es ist gerade DAS Thema. Aber entzieht man dem Körper nicht massenhaft Nährstoffe? Prof. Dr. Peter Schwarz, Präsident des Internationalen Diabetes-Verbandes, war früher selbst skeptisch, was Fastenkuren anging. Doch nach intensiven Studien stellte er fest, dass Wasserfasten „tatsächlich die beste und einzige Fastenform ist, um Fett in der Leber zu reduzieren.“
Die Nulldiät könne „Diabetes und andere entzündliche Krankheiten in nur 14 Tagen besiegen“, erklärt der Mediziner in seinem aktuellen Ratgeber „Wasserfasten“ (DuMont, 24 Euro). Fette in der Leber entstehen durch ungesundes Essen und Bewegungsmangel, auch durch Alkohol. Deshalb ist die Nulldiät natürlich ideal für alle Jecken, die der Leber in der fünften Jahreszeit verdammt viel aufgebürdet haben. Mit viel Bewegung ist es oft leider nicht getan: Schon rund 100 Gramm Fett in der Leber reichen aus, dass der Stoffwechsel sich verlangsamt und der Körper trotz aller guten Vorsätze nicht mehr so auf Bewegung anspreche.
Wie stelle ich das Fasten am besten an? Wasserfasten sei leicht, Vorbereitungstage im Prinzip nicht nötig, so der Experte. „Einfach nichts mehr essen, rund vier Liter Wasser oder Tee am Tag trinken, ab und an eine Prise kaliumreiches Salz zu sich nehmen; am ersten Tag am besten den Darm mit Glaubersalz entleeren.“ Wichtig während der gesamten Zeit: Rund 10.000 Schritte pro Tag gehen, um dem Muskelschwund entgegenzuwirken. Sein Tipp (für Berufstätige): „Starten Sie am besten an einem Donnerstag, um sich durch die Arbeit abzulenken. Am Wochenende können dann leichte Kopfschmerzen auftreten. Ab Montag ist man in der Ketose, alles wird deutlich leichter.“
Was ist im Gegensatz zu anderen Fastenkuren tabu? Beim Wasserfasten trinkt man Wasser und Kräutertee, aber keinen Früchtetee, weil der die Magensäure stimuliere (Bauchschmerzen und Hungergefühl wären die Folge). Ebenfalls tabu: Gemüsebrühe, die die Ketose (Fettumwandlung in Ketonkörper, die dann als Energiequelle statt Zucker genutzt werden) störe. Studien belegen: Beim Wasserfasten steigen die Ketonkörper um das 20-fache, bei Buchinger z. B. nur zweifach. Pankreas und Leber werden so viel schneller vom Fett befreit.

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Extrem gute Leberwerte eines adipösen Patienten nach dem Wasserfasten bewogen Prof. Peter Schwarz, Präsident des Internationalen Diabetes-Verbandes, intensiv nachzuforschen.
Für wen eignet sich diese Nulldiät? Grundsätzlich für jeden. Wer jedoch wegen Krankheiten oder psychischen Problemen Medikamente nehmen muss, sollte sich am besten mit seinem Arzt besprechen. Vorsicht auch bei Schwangeren und Menschen mit hohem Harnsäurespiegel. Prof. Schwarz habe mittlerweile allerdings 1500 Patienten begleitet „und noch keinen Gichtanfall erlebt“, so der Mediziner.
Und was sagen Fastende selbst? Beim DuMont-Buchverlag haben einige das Wasserfasten gleich ausprobiert. In der Bildergalerie oben schildern sie ihre Erfahrungen.


