Abo

Schon wieder alles zu vielPsychiater erklärt die Angst vor Neuem und was wirklich hilft

Ein junger Mann gestresst in einem Wohnzimmer

Copyright: Christin Klose/dpa-tmn

Überfordert von ungewohnten Situationen? Mini-Schritte statt Rückzug: Veränderungen dosiert üben und stabile Routinen behalten – so lässt sich der Kreislauf durchbrechen.

Folgen

Jede Veränderung ist Stress? Ein Experte erklärt, warum.

Ein neuer Job, ein Umzug oder nur ein anderer Termin – was für die einen ein Abenteuer ist, bedeutet für andere puren Stress. Jede noch so kleine Veränderung kann sie komplett aus der Bahn werfen und verunsichern.

Die Folge: Man ist innerlich total angespannt, schnell gereizt, findet kaum Schlaf und kann sich auf nichts mehr fokussieren. Selbst alltägliche Dinge wie der Gang zum Supermarkt oder das Abendessen kochen werden plötzlich zu einer riesigen Aufgabe.

„Keineswegs ein Zeichen von Schwäche“

Erkennen Sie sich bei diesen Anzeichen wieder? Damit stehen Sie nicht alleine da. Der Psychiater Steffen Häfner stellt klar: „Das ist keineswegs ein Zeichen von Schwäche.“

Er erklärt, dass es handfeste Ursachen gibt, warum manche Leute mit Neuem viel mehr zu kämpfen haben. Wer früher oft mit Unsicherheit, fehlender Stabilität und dem Gefühl von Kontrollverlust konfrontiert war, reagiert empfindlicher auf Wandel. Auch wenig Selbstbewusstsein, ein fehlendes Netz aus Freunden und Familie oder aufgezwungene Lebensumstände können diese Furcht noch schlimmer machen.

Vorerkrankungen können alles verschlimmern

Auch die gesundheitliche Vorgeschichte ist ein wichtiger Punkt. „Besonders häufig beobachten wir diese Überforderung bei Menschen mit Angst- oder Zwangsstörung, Depressionen oder mit traumatischen Erfahrungen“, erklärt Häfner. „Auch jene mit Hochsensibilität, ADHS oder der Autismus-Spektrum-Störung leiden oft stärker unter Abweichungen vom Gewohnten als andere.“

Die gefährliche Falle: Rückzug und Vermeidung

Um die Kontrolle zu wahren und allem Neuen aus dem Weg zu gehen, ziehen sich viele Betroffene komplett zurück. Das verschafft zwar für den Moment eine gewisse Erleichterung, führt aber auf Dauer geradewegs in die Isolation. Wichtige Gelegenheiten und Erlebnisse im Leben bleiben so auf der Strecke.

Häfner beschreibt den Teufelskreis so: „Die Symptome führen zu vermehrtem Rückzug, wodurch wiederum weniger positive Erfahrungen mit Veränderungen gemacht werden, was den Wunsch nach Vermeidung weiter verstärkt.“

So durchbrechen Sie den Teufelskreis der Angst

Um aus diesem Kreislauf auszubrechen, sind kleine Erfolgserlebnisse entscheidend. Tasten Sie sich ganz langsam und Schritt für Schritt an Veränderungen heran. So spüren Sie, dass Sie die Lage im Griff haben können.

Laut Häfner wird es leichter, wenn man in anderen Bereichen an festen Gewohnheiten festhält, die einem Halt geben – zum Beispiel geregelte Schlafenszeiten, feste Mahlzeiten oder Sport. Aber Vorsicht: „Kontraproduktiv wird es hingegen, wenn Routinen dazu dienen, Neues komplett zu umgehen“, mahnt der Mediziner.

Setzen Sie sich realistische Ziele und gönnen Sie sich ausreichend Pausen zur Erholung. Suchen Sie sich Unterstützung: Bitten Sie einen guten Freund oder eine Freundin, Sie in einer ungewohnten Lage zu begleiten. Reden Sie frühzeitig über Ihre Ängste. Entspannungsübungen können ebenfalls dabei helfen, sich sicherer zu fühlen. Wenn der Druck unerträglich wird, ist professionelle Hilfe durch eine Psychotherapie ein mutiger und richtiger Schritt. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Eine abgebrannte Zigarette in einem Aschenbecher
Sechs Versuche bis zum Ziel
Suchtmediziner erklärt, warum Scheitern beim Rauchstopp normal ist