Abo

Körper spielt verrücktJede achte Frau ist von der Hormonstörung PCOS betroffen

Weibliche reproduktives System aus Blumen

Copyright: Christin Klose/dpa-tmn

Bei einem PCO-Syndrom bleibt der Eisprung aufgrund eines hormonellen Ungleichgewichts aus.

Körper im Chaos, Seele im Stress? Das steckt oft hinter dem Frauenleiden PCOS.

Ein Empfinden, das unzählige Frauen teilen: Der eigene Organismus scheint im Ungleichgewicht zu sein. Die Monatsblutung fehlt, die Haut zeigt Unreinheiten und das Gewicht steigt, obwohl man auf die Ernährung achtet.

Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) kann die Ursache für all diese Probleme sein. Wie die dpa meldet, ist dies eine verbreitete hormonelle Erkrankung bei Frauen, die oft erst mit Verspätung diagnostiziert wird. Hier gibt es Aufklärung zu den zentralen Fragen.

Eine junge Frau lehnt nachdenklich an einer Glaswand

Copyright: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Was ist mit meinem Körper los? Die Symptome von PCOS können sich von Frau zu Frau stark unterscheiden.

Hormon-Chaos: Was ist PCOS genau?

«PCOS betrifft etwa eine von acht Frauen», sagt Nicole Reisch, Leiterin des Bereichs Endokrinologie des LMU Klinikums in München. Es handelt sich somit um die am weitesten verbreitete hormonelle Störung bei Frauen, die schwanger werden können.

Die Bezeichnung Polyzystisches Ovarialsyndrom lässt vermuten, dass die Krankheit mit zahlreichen Zysten an den Eierstöcken verbunden ist. «Das ist etwas irreführend, da nicht zwingend viele Zysten vorhanden sein müssen, um die Diagnose zu stellen», erklärt Sita Arjune. Sie ist als Medizinerin an der Poliklinik für Endokrinologie, Diabetologie und Präventivmedizin der Uniklinik Köln tätig.

Ausschlaggebend für die Feststellung von PCOS ist stattdessen ein Durcheinander bei den Sexualhormonen. Im Speziellen stellt eine übermäßige Produktion von Androgenen, also von männlichen Hormonen, das Hauptproblem dar.

Eine Frau legt eine Paprika auf eine Ansammlung an Gemüse

Copyright: Fabian Sommer/dpa/dpa-tmn

PCOS erfolgreich managen - dazu gehört oft auch eine Ernährungsumstellung.

Diese Symptome deuten auf PCOS hin

Die Anzeichen von PCOS sind äußerst facettenreich und nicht in jedem Fall klar. «Sie können von Frau zu Frau unterschiedlich stark ausgeprägt sein», sagt Sita Arjune. «Insbesondere leiden Frauen unter einer unregelmäßigen oder gar ausbleibenden Menstruation.»

Das Zuviel an Androgenen kann einen verstärkten Haarwuchs zur Folge haben, beispielsweise im Gesicht, auf der Brust oder am Bauch. Hinzukommen können Akne oder der Verlust von Kopfhaar. Zahlreiche Patientinnen legen außerdem unfreiwillig an Gewicht zu.

«Gleichzeitig bestehen Veränderungen im Stoffwechsel, so etwa oft eine begleitende Insulinresistenz und somit ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2», sagt Sita Arjune.

Gene und Lebensstil als Ursachen-Mix

PCOS kann durch eine Mixtur aus Faktoren ausgelöst werden: Erbanlagen, Umwelt und die persönliche Lebensweise spielen hier eine Rolle.

«Da die Erkrankung in Familien gehäuft auftritt, spricht vieles für eine genetische Veranlagung», sagt Nicole Reisch. Welche Gene exakt involviert sind, ist noch Gegenstand der Forschung.

«Dabei spielen vor allem Stoffwechselfaktoren wie Insulinresistenz und erhöhte Insulinspiegel eine wichtige Rolle.» Diese begünstigen die Herstellung von Androgenen und können auf diese Weise Zyklusprobleme intensivieren.

«Auch Körpergewicht und insbesondere eine vermehrte Fettansammlung am Bauch können Symptome verschlimmern, wobei PCOS auch bei Normalgewicht vorkommt», sagt Reisch.

Ergänzend werden auch Aspekte der Lebensführung wie mangelnde Bewegung, Ernährungsgewohnheiten, Schlaf und Stress als potenzielle Auslöser in Betracht gezogen.

Eine junge Frau macht Yoga zuhause

Copyright: Christin Klose/dpa-tmn

Ein aktives Leben: Regelmäßige Bewegungseinheiten helfen dabei, die Insulinsensitivität zu verbessern.

So stellt der Arzt die Diagnose

Die Feststellung geschieht üblicherweise in der gynäkologischen Praxis mittels der sogenannten Rotterdam-Kriterien. «Um PCOS festzustellen, müssen mindestens zwei von drei Kriterien erfüllt sein, nachdem andere mögliche Ursachen ausgeschlossen wurden», sagt Sita Arjune.

Die Rotterdam-Kriterien beinhalten:

In aktuellen Richtlinien wird die Messung des sogenannten Anti-Müller-Hormons als gleichwertig zur Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke angesehen. «Das bedeutet für die Patientinnen, dass nicht unbedingt ein Ultraschall notwendig ist, sondern eine Blutabnahme ausreicht», erklärt Sita Arjune.

Flyer über Schwangerschaft und Kinderwunsch

Copyright: Jan Woitas/dpa/dpa-tmn

PCOS kann eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege zwar erschweren. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass der Kinderwunsch von Betroffenen unerfüllt bleibt.

Was gegen die Beschwerden hilft

Bei der Therapie von PCOS steht im Vordergrund, die Symptome zu lindern und Langzeitrisiken – wie die Entwicklung von Diabetes – möglichst gering zu halten.

«Vielen Betroffenen hilft es, PCOS aktiv zu managen, indem sie sich gut informieren, realistische Ziele setzen und gemeinsam mit dem Behandlungsteam einen individuellen Plan erstellen», sagt Nicole Reisch.

Das Ziel der Behandlung ist es, das Gewicht zu senken, die Insulinresistenz zu verbessern und den Zyklus zu normalisieren. «Dazu sollte einmal und zuallererst natürlich eine Lebensstiländerung erfolgen», sagt Nicole Reisch. «Dazu zählen eine kalorienreduzierte, ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität.» Um den Lebenswandel anzupassen, kann auch psychologische Begleitung sinnvoll sein.

Ebenso werden diverse Medikamente bei der Therapie von PCOS genutzt. Zur Stabilisierung des Zyklus ist die Antibabypille die erste Option, so Nicole Reisch. Gegen den verstärkten Haarwuchs können zum Beispiel Cremes verwendet werden.

Schwanger werden mit PCOS: Geht das?

Betroffene Frauen müssen ihren Wunsch nach einem Kind nicht zwangsweise aufgeben. «Bei Frauen mit PCOS kann häufig eine Schwangerschaft entweder auf natürlichem Weg oder mit Unterstützung erfolgreich erreicht werden», sagt Nicole Reisch.

Der initiale Schritt sei stets die Gewichtsabnahme. «Übergewicht hat negative Auswirkungen auf die Schwangerschaftschancen sowie auf Probleme, die während der Schwangerschaft auftreten.» (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Ein Mann sitzt mit einem Teller Salat vor dem Sportcenter Kautz in Köln-Klettenberg.

Fit in den Frühling mit Kautz

Sonne auf dem Teller – unser raffiniertes Rezept für einen leckeren Fitnesssalat