Vergesslich & unruhig? Dahinter könnte ADHS stecken.
Vergesslich und fahrigOft steckt eine unerkannte ADHS-Störung dahinter

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Ein anderer Blick aufs Leben: Viele erleben nach einer späten ADHS-Diagnose große Erleichterung, weil sie ihre Symptome neu einordnen können.
Jahrelang vergesslich, sprunghaft, schnell überfordert – und immer das Gefühl, sich doppelt so sehr anstrengen zu müssen wie alle anderen. Viele Menschen schieben das auf ihren Charakter oder auf Stress. Dass dahinter eine neurologische Besonderheit stecken könnte, die einen das ganze Leben begleitet, kommt ihnen oft nicht in den Sinn.
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) bringen die meisten noch immer nur mit Kindern in Verbindung. Dabei sind nach Schätzungen von Fachleuten mindestens zwei Millionen Erwachsene in Deutschland betroffen. Gerade für Menschen ab 40 ist die Diagnose oft eine besondere Hürde. Doch sie kann das Leben komplett verändern.
Wie zeigt sich ADHS bei Erwachsenen?
ADHS hängt mit einem gestörten Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn zusammen und besteht in der Regel seit der Kindheit. Man kann es also nicht plötzlich als Erwachsener bekommen. Die Anzeichen sind bei Erwachsenen aber oft subtiler als bei Kindern und Jugendlichen, so das Portal „gesundheitsinformation.de“.
Erwachsene mit ADHS haben häufig Probleme, ihren Alltag oder ihre Arbeit zu organisieren, Termine einzuhalten und sich länger auf Aufgaben zu konzentrieren – außer, es sind Dinge, die sie brennend interessieren. „Das Schwierigste bei ADHS ist diese Prokrastination“, sagt Astrid Neuy-Lobkowicz, Fachärztin für Psychotherapie und Psychosomatik. „Ich weiß, was ich tun soll, aber ich kann den ersten Schritt nicht machen. Ich kann nicht anfangen.“ Auch Vergesslichkeit, innere Unruhe und Gedankenspringen können typisch sein.
Dazu komme „eine enorme emotionale Auslenkbarkeit“, so die ADHS-Expertin. „Ich bin schnell gekränkt, reagiere heftig, fühle mich rasch angegriffen.“ Wenn solche Belastungen das Leben dauerhaft beeinträchtigen, ist eine fachärztliche Abklärung ratsam.
Warum wird ADHS im Alter so selten diagnostiziert?
Lange Zeit hatte man beim Thema ADHS nur Kinder im Blick, erklärt Neuy-Lobkowicz. Das wirkt bis heute nach und sorgt für eine große Versorgungslücke. Zwar zeigt eine Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, dass die Zahl der Erstdiagnosen bei Erwachsenen steigt, doch Fachleute gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.
Ein Problem: Viele Betroffene haben seelische Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. Oft werden nur diese behandelt, nicht aber die eigentliche Ursache. Manchmal werden die Symptome auch mit anderen Krankheiten verwechselt. Wenn Menschen mit Anfang 50 vergesslicher werden und sich ausgebrannt fühlen, liegt der Gedanke an eine beginnende Demenz nahe. „Aber viele von ihnen haben eine ADHS, die man gut behandeln kann“, sagt Neuy-Lobkowicz.
Wie merke ich mit über 40, dass ich betroffen sein könnte?
„Das ist schwierig, weil ADHS keine erworbene Störung ist – man kommt damit zur Welt und hat keinen Vergleich, weil man sich ja nie anders erlebt hat“, räumt Astrid Neuy-Lobkowicz ein. Sie empfiehlt, sich gezielt bestimmte Fragen zu stellen:
Wenn ihr das Gefühl habt, das könnte zutreffen, rät die Fachärztin: „Erst lesen – aber bitte nicht nur im Internet, wo 50 Prozent der Inhalte über ADHS falsch sind.“ Besser seien Bücher oder geprüfte Quellen wie das Portal adhs.info vom Zentralen ADHS-Netz.
Was kann sich nach der Diagnose verändern?
Eine späte Diagnose ändert nichts an der Vergangenheit. Aber sie verändert den Blick darauf. „Viele Patienten sind allein schon mit dem Wissen unglaublich entlastet“, sagt Neuy-Lobkowicz. Nicht jeder braucht dann eine Therapie, aber wo der Leidensdruck groß ist, kann eine Kombination aus Verhaltenstherapie und Medikamenten helfen.
„Wenn die Diagnose stimmt und die Medikation passt, können wir Menschen auch mit 60 oder 70 noch einmal neu auf die Beine stellen“, so die Expertin. „So mancher Patient steht dann wieder wie Phönix aus der Asche auf und findet wieder eine neue Lebensqualität und Lebensmut.“ Auch im familiären Umfeld kann sich vieles lösen. Angehörige verstehen plötzlich, warum Dinge vergessen oder überhört wurden. Und Betroffene können, so Neuy-Lobkowicz, „jetzt lernen, anderen eine Art Gebrauchsanweisung zu geben“. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
