„Gib der Oma schön Küsschen“ Wieso Eltern Kinder nicht zum Küssen zwingen sollten

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„Gib der Oma mal ein Küsschen!“ Man sollte Kinder niemals nötigen, Verwandte und Freunde zu umarmen oder zu küssen. (Symbolbild)

Köln – „Gib der Tante mal ein Küsschen“ – das Kind ziert sich. „Jetzt sei lieb, und gib der Tante ein Küsschen.“ Widerwillig drückt das Kind der Tante ein Küsschen auf die Wange, die Tante umarmt es, „Jetzt sei lieb und drück die Tante.“ Die hält es im Klammergriff fest – das Kind verzieht das Gesicht.

So oder so ähnlich haben viele Kinder diese Szene schon erlebt. Von ihnen wird erwartet, dass sie höflich und brav sind, was in diesem Fall bedeutet, Verwandte und Freunde der Eltern so zu begrüßen, wie die es gerne hätten. Dabei lernen Kinder auf diese Weise nicht, sich abzugrenzen.

In Zeiten der #metoo-Debatte noch aktueller

Wie wichtig es jedoch ist, dass schon Kinder lernen, selbst zu bestimmen und auszudrücken, was mit ihrem Körper passiert  – wer sie drücken, küssen und anfassen darf –, das wird im Zuge der diesjährigen #metoo-Debatte umso deutlicher. Der Skandal um Hollywood-Mogul Harvey Weinstein und die vielen ähnlichen Fälle, die danach ans Licht kamen, zeigt, wie furchtbar körperlicher Missbrauch ist – und wie schwierig es für viele Frauen ist, darüber zu sprechen und sich zu wehren.

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„Ich bin fünf. Mein Körper gehört mir“

Ein Post, der bereits im letzten Jahr groß durchs Netz ging, ist auch heute noch aktuell und besonders akut, wenn während der Feiertage der Besuch etlicher Verwandter ansteht. Das Meme zeigt ein Mädchen, das folgendermaßen zitiert wird: „Ich bin fünf. Mein Körper gehört mir. Nötigt mich nicht, jemanden zu küssen oder zu umarmen. Ich lerne noch, was Einverständnis bedeutet – und eure Unterstützung würde mein Leben sicherer machen."

Der Beitrag wurde damals von dem Spielzeughersteller „A mighty girl“, der nach eigenen Angaben Spielsachen für „starke Mädchen“ herstellt, und der Kinderrechtsseite Caps Hauraki verbreitet.

Die Diskussion losgetreten hatte eine CNN-Reporterin, auf deren Artikel sich der Post bezieht. Darin richtet sich Katia Hetter an ihre siebenjährige Tochter: „Ich würde es gut finden, wenn du Oma umarmen würdest. Aber ich werde dich nicht nötigen, es zu tun.“ Denn, so schreibt Hetter, der Körper ihrer Tochter gehöre ihr selbst. „Er gehört weder ihren Eltern, Onkeln, Tanten, Lehrern oder Fußballtrainern.“

„Verwundbarer für sexuellen Missbrauch“

Zwar müsse ihre Tochter andere Menschen mit Respekt behandeln, aber sie müsse ihnen keinen Körperkontakt anbieten, um ihnen zu gefallen, findet Hetter – und untermauert ihre Meinung mit den Einschätzungen diverser Experten. Die  Medizinerin Ursula Wagner aus dem Team „Family Works“ der Nonprofit-Organisation Heartland Alliance erklärt in dem CNN-Artikel etwa: „Für die Kinder sendet das die Botschaft aus, dass es Situationen gibt, in denen es nicht ihre Sache ist, was mit ihrem Körper passiert“, so Wagner. Wenn sie genötigt würden, auch dann zärtlich zu sein, wenn sie es nicht möchten, mache sie das später verwundbarer für sexuellen Missbrauch.

„Man darf erwarten, dass Kinder die Besucher begrüßen“

Auch der Familientherapeut Dr. Björn Enno Hermans erklärt im Interview mit dieser Zeitung: „Eltern sollten ein Kind nicht dazu zwingen, Verwandte oder enge Freunde zu umarmen oder zu küssen. Man darf aber erwarten, dass Kinder die Besucher begrüßen und sich ihnen gegenüber respektvoll verhalten, indem sie ihnen etwa die Hand geben. Die eigenen körperlichen Grenzen des Kindes sollten aber nicht überschritten werden." Wenn das Kind also die Oma oder die Tante nicht umarmen will, dann müsse es das auch nicht tun.

Allerdings fordern auch manche Eltern vor versammelter Mannschaft unterm Weihnachtsbaum ständig Liebesbekundungen von ihren Kindern ein. „Bekommt die Mama ein Küsschen?“, fragen sie dann. Wenn das Kind nicht will, heißt es oft: „Nein? Dann bin ich aber traurig.“ Ist das verwerflich?

„Dann bin ich aber traurig, wenn du das nicht machst“

„Natürlich dürfen Eltern auch Bedürfnisse haben und das Kind fragen, ob es kuscheln möchte oder Ähnliches", so der Familientherapeut. "Wenn es das aber nicht möchte, muss das auch in Ordnung sein. Eltern sollten dann eben nicht sagen: 'Dann bin ich aber traurig, wenn du das nicht machst.' Das wäre manipulativ. Kinder sollten immer eine Wahlmöglichkeit haben."

(rer)

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