„Bedeutender Image-Schaden“Dramatische Lage in Urlaubsregion: Einschränkungen auch für Reisende

Spanien leidet seit Monaten unter anhaltender Dürre, die Wasserreserven gehen immer weiter zurück. Das bedeutet in einigen Urlaubsregionen deutliche Einschränkungen für Einheimische und Reisende.

von Béla Csányi (bc)

Knackige Temperaturen über 30 Grad, strahlender Sonnenschein über Monate und eine Regenfrei-Garantie: Was für Millionen Deutsche nach perfekten Eckdaten für den Sommerurlaub klingt, wird in Spanien für immer mehr Regionen zum gewaltigen Problem.

Auch wenn die Costa del Sol, Spaniens Sonnenküste, das gute Wetter schon im Namen trägt, wünschen sich die Einheimischen inzwischen nichts sehnlicher als Regen. Nur das könnte die aktuell dramatische Lage in Andalusien verbessern.

Wasserknappheit in Andalusien immer schlimmer

Regen gab es im Süden der Iberischen Halbinsel seit Wochen nicht mehr, Spanien ächzt unter einer Dürreperiode, die beängstigende Ausmaße angenommen hat. Das kontinuierliche Absinken der Wasserstände in den Stauseen hat inzwischen dazu geführt, dass in ganzen Landstrichen Nacht für Nacht das Wasser abgestellt wird. Was zunächst mit wenigen Stunden in der tiefsten Nacht begann, hat sich inzwischen auf deutlich längere Zeiträume ausgeweitet.

Die Ferienhochburg Torre del Mar etwa, 30 Kilometer östlich von Málaga, ist aktuell zwischen 22.30 Uhr am Abend und 8.30 Uhr am Folgetag von der Wasserversorgung abgeschnitten. Ähnlich sieht es in vielen umliegenden Ortschaften aus. Tag für Tag informieren die Behörden via Social Media über die anstehenden Einschränkungen.

Im Hinterland ist die Versorgung in einigen Gemeinden noch dramatischer, teils tropft hier schon ab 18 Uhr bis zum nächsten Morgen kein Wasserhahn mehr. Das sorgt nicht nur in den Haushalten für Probleme, sondern auch in Geschäften und der Gastronomie.

Dank der strengen Maßnahmen sollen die Wasserspeicher nachts aufgefüllt werden, um Unterbrechungen im Tagesverlauf zu verhindern. Auch in der Öffentlichkeit ist die Lage spürbar: Die Duschen an den Stränden sind schon seit Wochen nicht mehr in Betrieb. Obwohl die Einsparungen im Gesamtvergleich kaum eine Rolle spielen, soll die symbolische Maßnahme zumindest das Bewusstsein für die Wasser-Krise schärfen.

Andalusien sorgt sich wegen Wasserknappheit um den Tourismus

Weil der Tourismus in Andalusien für die Wirtschaft eine enorme Rolle spielt, steigen die Sorgen, dass fehlendes Wasser sich auf die Attraktivität der Region auswirken könne. Über 30 Millionen Reisende hatte es 2022 nach Andalusien verschlagen, sie stehen einer Bevölkerung von nur 8,5 Millionen gegenüber.

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„Diese ständigen Einschränkungen sorgen für einen bedeutenden Image-Schaden und verschlechterten den Eindruck, den die Touristen von hier haben“ beklagt sich in der Lokalzeitung „Málaga Hoy“ Alex Aria, der in Torre del Mar eine Eisdiele betreibt.

Doch nicht nur in der Öffentlichkeit spüren Touristinnen und Touristen die Mangellage, auch Ferienwohnungen und Campingplätze bleiben von den Unterbrechungen bei der Wasserversorgung nicht verschont. Wer früh aufsteht, könnte in der Hoffnung auf eine morgendliche Dusche eine böse Überraschung erleben. Wer nachts öfter auf Toilette muss, sollte am Abend Wasser für alle Fälle abfüllen.

Allzu viel Hoffnung auf langfristige Besserung kann Javier Portero, Geschäftsführer beim örtlichen Wasserversorger Aqualia, nicht machen. Er befürchtet: „Das Problem, das wir mit dem Wasser haben, ist gekommen, um zu bleiben, falls sich die klimatischen Bedingungen nicht ändern.“ Hoffnung darauf machen die Entwicklungen der vergangenen Jahre allerdings nicht – im Gegenteil: zuletzt verschlechterte sich die Lage zunehmend.