"Solarpunk" im Test: Ein Survival-Game zum Entschleunigen.
Warnung vor Millionen-HitWas das gehypte Survival-Game „Solarpunk“ wirklich kann

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Manchmal langsamer als gewollt: Wer in «Solarpunk» vorankommen will, muss beim Anbau von Pflanzen geduldig sein.
Nur drei Tage vor der Veröffentlichung verfassten die Macher des Survival-Games «Solarpunk» eine Nachricht, die man in der Gaming-Welt so gut wie nie zu sehen bekommt: eine klare Warnung.
„Wir wissen, dass manche Spieler auf die Wishlist-Zahl schauen und ein riesiges Survival-Spiel erwarten könnten, das von Dutzenden oder Hunderten Entwicklern gemacht wurde“, schrieb das deutsche Zwei-Personen-Studio Cyberwave auf Steam.
„Aber das ist Solarpunk nicht.“
Mehr als 1,2 Millionen Spieler hatten den Titel auf ihre Steam-Wunschliste gepackt, die Testversion wurde über eine halbe Million Mal gezockt – und Cyberwave wollte gewährleisten, dass niemand «Solarpunk» mit falschen Vorstellungen erwirbt.
Es sei kein Game, in dem Spieler gegeneinander antreten, und auch keine umfangreiche Geschichte oder ein Titel mit hunderten Stunden an Inhalt, sondern stattdessen „eine ruhige, cozy und fokussierte Survival Craft Sandbox, gemacht von einem winzigen Team mit viel Liebe.“
Eine solche Ehrlichkeit ist außergewöhnlich – und sie passt zu einem Game, das unbeirrt seine eigene Richtung verfolgt.
Allein über den Wolken – hier ist Geduld eine Tugend
Das Abenteuer in «Solarpunk» startet einsam auf einem winzigen Eiland im Himmel: ohne einen Gefährten, ohne gesprochene Dialoge, ohne Handlung.
Eine Überlebensanleitung und einige simple Aufträge bilden den Anfang: Zweige einsammeln, Felsen zerkleinern, einen Arbeitstisch errichten.
Danach ist man sich selbst überlassen.
Das Anfangseiland ist winzig und lässt sich binnen zehn Minuten komplett erforschen. Nach verborgenen Grotten oder Mysterien sucht man hier ohne Erfolg.
Man findet Holz, Gestein, ein wenig Ton und Eisenerz – das ist alles. Das Game hebt sich seine spannenden Momente für einen späteren Zeitpunkt auf.
Wer an dieser Stelle umgehend Tiefgang oder Vielfalt erwartet, wird wohl ernüchtert sein. Der Beginn erfordert Ausdauer.
Die Einführung ist zwar nützlich, erscheint aber an manchen Stellen recht kurz geraten. Eine sympathische computergesteuerte Figur, die einem ab und zu hilft, wäre für den unpersönlichen Start eine Bereicherung gewesen.
Im Einklang mit der Umwelt: Grün statt Grau
Das grundlegende Konzept von «Solarpunk» ist seine umweltfreundliche Ausrichtung. Wer Gehölze rodet, muss im Gegenzug neue Setzlinge einpflanzen.
Die Stromversorgung basiert anfangs auf Holz, später dann auf Solarenergie und Windkraft.
Die Witterung wirkt sich unmittelbar auf die Stromerzeugung aus: Bei bewölktem Himmel produzieren Solarmodule weniger Energie, während Unwetter die Windräder antreiben oder die Ackerflächen verwüsten können.
Wer seine expandierende Ortschaft produktiv versorgen möchte, sollte daher stets das Wettergeschehen beobachten.
Ein mit Solarenergie betriebener Bohrer löst irgendwann die Spitzhacke ab, funktioniert jedoch ausschließlich am Tag und erfordert wiederkehrende Touren mit dem Luftschiff zum Sammeln von Ressourcen.
Unerwarteter Tiefgang – und erzwungene Pausen
Lieferdrohnen und kabellose Energienetze erweitern die Automatisierungsfunktionen und offenbaren, dass hinter der entspannten Fassade mehr Komplexität verborgen ist, als man anfangs meint.
Wer gerne Fertigungsprozesse verbessert, bekommt hier reichlich Gelegenheit zum Experimentieren.
Wer jedoch zügig Fortschritte machen möchte, trifft auf eine spürbare Hürde: Die Konstruktion des Luftschiffs benötigt Rohstoffe wie Baumwolle. Diese ist auf dem Anfangseiland aber Mangelware.
Sind die spärlichen, natürlich vorkommenden Pflanzen abgeerntet, muss man geduldig ausharren, bis aus einem Samen zwei und dann drei werden. Dies wirkt nicht wie Entspannung, sondern wie eine aufgezwungene Wartezeit – der wohl größte Makel von «Solarpunk».
Das Luftschiff als Highlight und der Drang zur Erkundung
Das Luftschiff bildet den Kern des Spiels – und ist einer der brillantesten Einfälle. Die Handhabung ist zunächst anspruchsvoll, lässt sich aber mittels Bildschirmanleitungen gut aneignen.
Sie findet rasch eine gute Balance: Man kommt sich weder wie ein Flug-Ass vor, noch fühlt man sich komplett überfordert. Die Reise zwischen den Eilanden nimmt einige Minuten in Anspruch, und das Anlegen an den Stationen verlangt Präzision.
Die Eilande selbst bieten eine überraschende Vielfalt. Einige dienen als Handelsplätze, auf denen ein Roboter-Verkäufer Missionen anbietet und mit frischen Bauanleitungen entlohnt.
Andere Inseln sind schlichte Materialquellen, die man wiederholt ansteuert. Weitere wiederum besitzen eine ganz individuelle Ausstrahlung.
«Solarpunk» stellt dabei unmissverständlich fest: Wer Fortschritt erzielen möchte, muss losziehen. Das Erkunden ist keine Wahlmöglichkeit, sondern eine Bedingung.
Von der Hütte zum Anwesen – doch die Spielfigur bleibt blass
Im Laufe der Zeit wandelt sich der eigene Stützpunkt von einer simplen Holzhütte in ein ausgeklügeltes Anwesen. Frische Baustoffe, Fenster, Ziergegenstände, Mobiliar und weitere Etagen vergrößern die kreativen Optionen.
Das Sortiment an Möbelstücken ist beeindruckend. Wer gerne dekoriert, entdeckt hier eine wahre Spielwiese.
Der Ackerbau funktioniert nach vergleichbaren Regeln: Unterschiedliche Gewächse stellen verschiedene Anforderungen. Himbeeren sind zum Beispiel sehr zu empfehlen, da ihre Beeren Hunger und Durst stillen.
Im Zusammenspiel mit bis zu vier Personen entfaltet «Solarpunk» seine wahre Kraft: Aufträge lassen sich aufteilen, der Hof gedeiht zügiger und das gemeinsame Errichten erhält eine gemeinschaftliche Dynamik, die dem Game guttut.
Was dem Miteinander jedoch noch mangelt, sind Elemente wie Gesten oder austauschbare Outfits. Insgesamt wirkt die Anpassungsfähigkeit der eigenen Spielfigur noch verbesserungswürdig.
Die Stimmung als Highlight: Eine Welt zum Wohlfühlen
Was «Solarpunk» von vergleichbaren Spielen unterscheidet, ist seine Stimmung. Das satte Grün der Wiesen, der blaue Himmel, das leise Brummen der Solarmodule und das Wehen des Windes erzeugen eine Umgebung, die zum Bleiben animiert.
Der visuelle Stil löst ein, was die Werbebilder andeuteten: keine aufpolierte Fassade, sondern eine harmonische, mit Liebe zum Detail gestaltete Spielumgebung.
Umso deutlicher wird dadurch, was noch mangelhaft ist. Das Gefühl bei simplen Handlungen ist kaum zufriedenstellend: Wer einen Strauch mit dem Beil bearbeitet, erhält wenig optische Rückmeldung – es gibt keine Partikel und keine sichtbaren Spuren am Objekt.
Fehlende Hilfen und Grafik-Optionen – aber es gibt Hoffnung
Infotexte zu Gegenständen sind oft nicht vorhanden, weshalb man mitunter nicht weiß, welchen Gegenstand man gerade betrachtet. Am Computer mangelt es außerdem an feinen Einstellungsmöglichkeiten für die Grafik.
Anstelle von separaten Reglern existiert lediglich eine pauschale Qualitätsstufe. Wer bestimmte visuelle Aspekte justieren will, hat das Nachsehen.
Diese Defizite existieren, sind aber keine unüberwindbaren Hürden. Cyberwave bewies schon mit dem vorherigen Titel «A Game About Digging A Hole», dass das Team auf Rückmeldungen der Spielerschaft eingeht.
Die ehrliche Art, mit der die Macher vor der Veröffentlichung die Limitierungen ihres Games kommunizierten, gibt Anlass zur Hoffnung, dass sie auch weiterhin ein offenes Ohr haben werden.
Fazit: Für alle, die über den Wolken entspannen wollen
«Solarpunk» ist kein Game, das es allen recht machen möchte. Es ist eine beschauliche, stimmungsvolle Survival-Erfahrung für jeden, der Entschleunigung als etwas Positives begreift – ob solo oder mit anderen.
Mit «Solarpunk» erhält man etwa 20 Stunden an Kerninhalten, eine harmonische Welt und eine Grundlage, die noch Potenzial für Erweiterungen bietet.
Wer ein gewaltiges Survival-Epos erwartet, sollte sich anderweitig umsehen. Wer jedoch gewillt ist, sich hoch in der Luft einfach fallen zu lassen, könnte eine Erfahrung machen, die länger im Gedächtnis bleibt als gedacht.
«Solarpunk» kann für PC, Xbox Series X/S und Nintendo Switch 2 (für jeweils circa 23 Euro) sowie für die Playstation 5 (für circa 25 Euro) erworben werden. Das Spiel hat keine Altersfreigabe (USK 0). (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
