Verrückte KI-Obst-Clips: Der Hype und seine Schattenseite
„Warum halte ich eine Banane?“Neuer KI-Trend auf Tiktok mit fragwürdigen Frucht-Videos

Copyright: Katharina Kausche/dpa
KI-generierte Fruchtvideos tauchen momentan bei Social Media auf. (Symbolbild)
Die Story ist total verrückt. Eine Erdbeer-Dame fängt im Job eine verbotene Romanze mit ihrem Vorgesetzten an, einem Bananen-Mann im weißen Oberhemd. Als sie ein Kind bekommt, fliegt die Sache auf: Ihr Erdbeer-Gatte ist geschockt, denn das Baby ist eine Mini-Banane. „Warum halte ich eine Banane?“. Das Beziehungs-Chaos ist perfekt.
Derzeit erscheinen auf TikTok und Instagram ständig solche mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellten Clips, wie die dpa berichtet. Manchmal werden sie tausendfach geklickt und weitergeleitet. Die Filmchen präsentieren Obst, Gemüse und andere Nahrungsmittel mit menschlichen Leibern, die etwa über ihre Partnerschaft zanken, untreu sind oder Vergeltung üben, begleitet von theatralischer Musik und banalen Gesprächen. Oft sind damit Vorurteile oder sogar sexistische und rassistische Erzählungen verknüpft. Was hat es damit auf sich?
Auf Portalen wie TikTok sind durch KI geschaffene Bilder und Filmchen längst zur Normalität geworden. In den sozialen Netzwerken überschwemmen sie die Feeds der User. Ein viraler Erfolg waren beispielsweise schon als «Italian Brainrot» bekannte, skurrile KI-Geschöpfe, wie ein Hai mit Turnschuhen namens «Tralalero Tralala».
Watermelina und Bananito bei «Fruit Love Island»
Jetzt sind also überall diese KI-Obst-Clips zu sehen. Ein echter Renner: Eine Art Persiflage der Kuppel-Sendung «Love Island» unter dem Namen «Fruit Love Island». Dort baggern KI-Früchte in bunten Hemden und wenig Stoff, wie der Bananen-Mann Bananito oder die Melonen-Dame Watermelina, miteinander. Die etwa ein bis drei Minuten langen Folgen auf TikTok haben eine simple, aber fesselnde Handlung.
«Durch generative KI ist die Möglichkeit gegeben, relativ unkompliziert unwahrscheinliche, absurde und oft gerade deshalb faszinierende Szenarien herzustellen. Sie haben erst mal einen hohen Unterhaltungswert», bewertet die Expertin für Medienethik Jessica Heesen von der Universität Tübingen diesen Trend.
Forscherin: Bei Fruchtvideos kommt sexuelle Komponente dazu
Die Professorin befasst sich unter anderem mit ethischen und philosophischen Diskussionen im Feld der Medien und Digitalisierung. Man müsse zwar ein wenig Ahnung haben, doch mit der korrekten Software für generative KI und ein bisschen Praxis sei die Erstellung dieser Filmchen heute sehr einfach. Eigens für die KI-Obst-Videos sind mittlerweile sogar spezielle Programme verfügbar.
Bei diesen kommt laut Heesen eine erotische Note und die «mediale Attraktivität von Grenzüberschreitungen» hinzu. «Im Gewand von niedlichen Früchten können dann sexistische Stereotype bedient werden», meint die Wissenschaftlerin. Spezifisch bei «Fruit Love Island» sehe man, dass das Trash-TV-Format «Love Island» übertrieben und als Karikatur dargestellt werde, was sowohl für Anhänger als auch für Kritiker der Sendung amüsant ist.
Eine wichtige Funktion haben dabei die Plattformlogiken von Instagram und Tiktok, wie Heesen darlegt. Diese steuern die Reichweite anhand von Kriterien wie Gefühlsausbrüchen, Sensationsgier und Konflikten, statt nach journalistisch geprüften Standards.
Bei dem momentanen Hype um die Obst-Clips ist für die Wissenschaftlerin unklar, ob die enormen Abrufzahlen teilweise durch KI-Bots erzeugt werden. «Die erwarteten zumindest kurzzeitig hohen Zugriffszahlen sind sicher auch die Motivation zur Erstellung der Videos, mit denen auf diese Weise viel Geld verdient werden kann».
Jugendschutz.net: Videos oft moralisch fragwürdig
Nach Angaben der Plattform Jugendschutz.net ist die KI bei derartigen Filmchen nicht schöpferisch tätig, sondern ahmt soziale Vorurteile nach, die schon im Internet kursieren. Gemäß den Beobachtungen der Organisation tauchen die Clips für deutsche User seit Beginn des Jahres auf, verstärkt seit Februar und März.
Vor Kurzem hat die Organisation eine Warnung zu den viralen Obst-Geschichten auf ihrer Homepage publiziert. Dort steht: «Was wie ein harmloser Trend wirkt, entpuppt sich oft als moralisch fragwürdig, sexistisch oder rassistisch. Auch Inhalte, die blutige Gewaltszenen gegen Frauen zeigen, finden sich darunter». Die Plattform mahnt, dass bei Heranwachsenden eine Gewöhnung und ein Wertewandel eintreten könnten, wenn sie diese Inhalte ohne Nachdenken als reine Unterhaltung aufnehmen.
Die häufige Zurschaustellung von bedenklichen Verhaltensmustern könnte bewirken, dass sich die Auffassung davon verschiebt, was in einer Partnerschaft oder im Umgang der Geschlechter als «normal» angesehen werden sollte, teilt sie auf Nachfrage mit. In einem Clip ist beispielsweise zu sehen, wie ein Bananen-Mann seine Birnen-Partnerin mit heftigen Worten zum Abnehmen drängt. Danach ist er ihr mit einer schlanken Erdbeere untreu.
Forscherin: Wissen nichts über Motive, sich diese Videos anzusehen
Forscherin Heesen unterstreicht im Hinblick auf den Effekt dieser Inhalte jedoch auch: «Auch wenn ein Unterhaltungsformat eine gewisse Anziehung hat, heißt das noch nicht, dass diese Verhaltensweisen übernommen werden. So einfach funktioniert Medienwirkung nicht». Man habe keine Kenntnis über die Beweggründe, sich diese Filmchen anzusehen. «Den meisten Nutzerinnen und Nutzern wird klar sein, dass die dominanten Bananenmänner und die anschmiegsamen Erdbeerfrauen kein Rollenmodell für ihren Alltag sind.» (dpa/bearbeitet durch Gemini 2.5 Pro)
Dennoch könnten Vorbilder selbstverständlich durch erfundene Geschichten und Unterhaltungssendungen geformt werden, so die Expertin. Dies gelte für Musikshows, Kriminalfilme und genauso für KI-Clips. «Der Unterschied ist jedoch, dass fiktionale KI-Inhalte in weit höherem Maße extrem und grenzüberschreitend sein können.»
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
