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Mit einem Kreuz fing's anWarum hat man mehr als 100 Tattoos, Dustin?

Ein glatzköpfiger Mann, der über und über mit Tätowierungen bedeckt ist

Copyright: Dustin Sallustio

Das Zeichnen während des Schulunterrichts wurde schlussendlich zu seiner Berufung. Als Dustin Amor tätowiert Dustin Sallustio (37) nun seit über zehn Jahren.

Dustin Sallustio hat eine unübersehbare Vorliebe für Tattoos – auch im Gesicht. Hier sagt er, warum das so und ist gibt Tipps zur Wahl des richtigen Studios.

Obwohl Dustin Sallustio, (37; Künstlername Dustin Amor), über 100 Tattoos auf der Haut trägt, war er weder bei der Marine noch im Gefängnis. Seit 2020 ist Dustin als Tätowierer an angemieteten Plätzen in verschiedenen Studios tätig. Er plant, in Zukunft sein eigenes Studio zu eröffnen. Hinter seiner optisch „harten“ Fassade steckt kein Krimineller, sondern ein reflektierter Mann, der eine klare Botschaft an die Welt hat: Die Gesellschaft muss lockerer werden – und toleranter bei allem, was „anders“ ist.

Dustins Kindheit ist nicht leicht. Gebürtig aus Magdeburg zieht er mit seiner Mutter nach Westdeutschland. Sein Familienleben war zuvor geprägt von Konflikten. In seiner neuen Schule findet er schwer Anschluss, wird als Außenseiter oft ausgelacht. „Ich habe irgendwann aus Trotz in der Schule nur noch gezeichnet “, erinnert er sich. Aus Trotz entsteht seine Berufung. 2015 kommt die Anfrage eines Studios, er soll das Handwerk des Tätowierens professionell erlernen. Es beginnt mit einem Jahrespraktikum, Dustin findet später seinen Weg in die Selbstständigkeit.

Mit einem Kreuz fing alles an

Mit 13 Jahren überredet Dustin seine gläubige Mutter, ihm ein Tattoo zu erlauben. Ein Freund seines großen Bruders sticht ihm ein Kreuz auf den Rücken. Nur wegen dieses religiösen Symbols hatte die Mutter zugestimmt. „Ab dem Moment, als ich gespürt habe, dass es nicht so wehtut, wusste ich: Das wird nicht mein letztes Tattoo sein. Nur meine Mutter wusste das damals noch nicht“, erzählt er uns lachend. „Ich hätte es damals wohl auch gemacht, wenn sie es mir verboten hätte.“ Dustin verspricht seiner Mutter, dass es mit den Tattoos „nicht eskaliert“.

Heute sind rund 80 bis 90 Prozent seines Körpers tätowiert. Schätzungsweise 30000 bis 40000 Euro und mehrere Wochen reine Sitzungszeit hat Dustin in seine Haut investiert. 2012 fängt er an, sich das Gesicht tätowieren zu lassen, das sei damals eine „rebellische Trotzphase“ nach familiären Konflikten gewesen, durch die der Kontakt zu seiner Mutter für längere Zeit abriss. Inzwischen haben sich die beiden wieder angenähert. Heute geht seine Mutter offener mit den Tattoos ihres Sohnes um. Zwar kam das erhoffte „Ich bin stolz auf dich“ bis heute noch nicht über ihre Lippen, aber das anfängliche „Mach die Ärmel runter wegen der Nachbarn“, das sei längst Vergangenheit.

Im Alltag erlebt Dustin die gesamte Bandbreite an Vorurteilen. Die Leute starren ihn im Restaurant an, tuscheln hinter seinem Rücken oder wechseln die Straßenseite. Er nimmt es mittlerweile mit Humor: „Wenn eine ältere Dame an der Kasse nach ihrer Handtasche greift und mich vorlässt, bedanke ich mich höflich. Ich nutze ihre unbegründete Angst positiv für mich.“ Besonders extrem sei der Kontrast, wenn er einen Anzug trage. „Als ich im Anzug an der Tankstelle Zigaretten holte, waren die Leute plötzlich extrem nett zu mir. Es ist dieses Ying-Yang-Spiel mit den Erwartungen der Menschen, das mich fasziniert.“

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Dustin entspricht keinem Klischee, er trinkt keinen Alkohol, nimmt keine Drogen, lebt sein ganz normales Leben, nimmt seinen Job ernst, ist hilfsbereit und freundlich. Durch diesen Kontrast zwischen „hartem“ Aussehen und weichem Kern kam auch sein Erfolg in den sozialen Medien (über 131.000 Fans auf TikTok, 24.000 auf Instagram). Anstatt nur stumme Videos vom Tätowieren hochzuladen, fing er an, die Fragen der User direkt und ehrlich zu beantworten. Seine Videos – millionenfach geklickt.

Tattoo-Influencer klärt auf: Das solltet ihr bei der Wahl des Studios beachten

Was viele Menschen nicht wissen: In Deutschland ist der Beruf des Tätowierers nicht geschützt. Es gibt keine Meisterprüfung, jeder kann sich Maschine und Farbe im Internet bestellen und im Wohnzimmer loslegen. „Es gibt nur Seminare, das ist eigentlich sehr leichtsinnig“, warnt Dustin. Umso wichtiger sei es ihm, Aufklärung zu betreiben. Dustin beschreibt sich selbst in Sachen Erfolg wie die „Raupe Nimmersatt“: Er will immer weiter, mehr Menschen erreichen, als Anreiz dienen, dass man trotz eines außergewöhnlichen Äußeren ein gutes, erfolgreiches Leben führen kann. Er will der Gesellschaft zeigen, dass voll-tätowierte Menschen empathisch, lustig und sympathisch sind – und nicht automatisch die „Bösen“.

Hygiene im Studio checken: Werden Handschuhe und Mundschutz getragen? Ist der Laden sauber und einladend?

Beratung einfordern: Wenn man vom Tätowierer mehr Infos bekommt als erhofft, ist das ein gutes Zeichen.

Gesundheit geht immer vor: Allergien (z. B. gegen Latex oder Pflaster) müssen vorab besprochen werden. Wer Medikamente nimmt, muss das medizinisch abklären lassen insbesondere bei Blutverdünner-Einnahme.

Bei Tattoos im Ausland: Tätowieren in Deutschland und der EU ist wegen der REACH-Verordnung (strenge Kontrollen von Nickel- und Farbstoffen) sicherer ist als in anderen Urlaubsländern, wo möglicherweise nicht auf Vorschriften geachtet wird.

Klein starten & weise planen: Motive sollten nicht zu nah aneinander gestochen werden und eine Mindestgröße haben, da die Haut arbeitet und altert und Abstände sich so verändern.

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