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TV-TippDieses Meisterwerk eines Star-Regissseurs entlarvt uns alle als Dreckschweine

Nancy (Kate Winslet) ist mit ihren Nerven völlig am Ende. (Bild: ZDF/ARD Degeto/Constantin Film)

Copyright: ZDF/ARD Degeto/Constantin Film

Nancy (Kate Winslet) ist mit ihren Nerven völlig am Ende. (Bild: ZDF/ARD Degeto/Constantin Film)

Roman Polanski beobachtet in einem meisterlichen Kammerspiel, wie „Der Gott des Gemetzels“ unsere sogenannte Zivilisation auffrisst. Und das ist zum Brüllen komisch.

Wir sind ja alle kultiviert hier: Die Longstreets (John C. Reilly, links, Jodie Foster) und die Cowans (Christoph Waltz, Kate Winslet, rechts) wollen über die Rauferei ihrer Kinder reden. (Bild: ZDF/ARD Degeto/Constantin Film)

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Wir sind ja alle kultiviert hier: Die Longstreets (John C. Reilly, links, Jodie Foster) und die Cowans (Christoph Waltz, Kate Winslet, rechts) wollen über die Rauferei ihrer Kinder reden. (Bild: ZDF/ARD Degeto/Constantin Film)

Vier Menschen, eine Wohnung, 75 Minuten Konversation: Roman Polanski gestaltete seine Adaption von Yasmina Rezas erfolgreichem Theaterstück „Der Gott des Gemetzels“ als Schauspielerparadies, in dem die Höllenfeuer lodern. Das Überraschende dabei: Einen unterhaltsameren Film hat es im Jahr 2011 nicht gegeben. Einen sinnigeren auch nicht. Wer nicht zu den gut 800.000 Besuchern zählte, die das Kammerspiel in den deutschen Kinos sahen, sollte sich das Meisterwerk, welches ZDFneo am Dienstag, 27. Oktober, um 22.35 Uhr wiederholt, nicht entgehen lassen.

Die Longstreets (John C. Reilly, links, Jodie Foster) und die Cowans (Christoph Waltz, Kate Winslet, rechts) wollen ein Problem aus der Welt schaffen. Das gestaltet sich schwieriger als gedacht. (Bild: ZDF/ARD Degeto/Constantin Film)

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Die Longstreets (John C. Reilly, links, Jodie Foster) und die Cowans (Christoph Waltz, Kate Winslet, rechts) wollen ein Problem aus der Welt schaffen. Das gestaltet sich schwieriger als gedacht. (Bild: ZDF/ARD Degeto/Constantin Film)

Ausgangspunkt ist eine Rauferei unter Kindern. Der Sohn von Nancy (Kate Winslet) und Alan Cowan (Christoph Waltz) hat den Sohn von Penelope (Jodie Foster) und Michael Longstreet (John C. Reilly) auf einem New Yorker Spielplatz mit einem Stock im Gesicht verletzt. Die Eltern treffen sich, um die Probleme ihrer Kinder aus der Welt zu räumen. Man ist schließlich zivilisiert, man hat „Gemeinschaftssinn“, man ist an einem Stammtisch der Kultivierten auf einer Wellenlänge. Nur nicht allzu lange.

„Wir versuchen nachzuholen, was die Schulen versäumen.“ - „Gewalt geht uns alle an.“ - „Kunst und Kultur bedeuten Zivilisation.“ - Es werden ein paar gebildete Plattitüden ausgetauscht, bevor das Quartett die Hüllen fallen lässt, bevor sich die vier Zivilisationshüter die Masken vom Gesicht reißen, bevor sie anfangen sich zu beschimpfen, zu kotzen und zu saufen. Aus zwei netten Paaren werden erbitterte Gegner, die sich mit pointierten Dialogen, mit ironischen Spitzen die Augen auskratzen.

Spitzzüngig und bitterböse

Wenn Mrs. Longstreet Kuchen backt, ist er leicht und bekömmlich? Nancy (Kate Winslet) und Alan Cowan (Christoph Waltz) kriegen ihn trotzdem kaum runter. (Bild: ZDF/ARD Degeto/Constantin Film)

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Wenn Mrs. Longstreet Kuchen backt, ist er leicht und bekömmlich? Nancy (Kate Winslet) und Alan Cowan (Christoph Waltz) kriegen ihn trotzdem kaum runter. (Bild: ZDF/ARD Degeto/Constantin Film)

Penelope Longstreet (Jodie Foster, links) und Nancy Cowan (Kate Winslet) schmieden eine Allianz gegen ihre Männer, nur um sich wenig später wieder zu zerstreiten. (Bild: ZDF/ARD Degeto/Constantin Film)

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Penelope Longstreet (Jodie Foster, links) und Nancy Cowan (Kate Winslet) schmieden eine Allianz gegen ihre Männer, nur um sich wenig später wieder zu zerstreiten. (Bild: ZDF/ARD Degeto/Constantin Film)

Roman Polanskis Film zieht die Spannung aus den Allianzen, die geschmiedet und wieder aufgelöst werden. Hier kämpfen die Paare zunächst gegeneinander, dann die Männer gegen die Frauen, dann jeder für sich, und irgendwann weiß niemand mehr, auf wessen Seite er eigentlich steht. Sie alle streicheln sich ihre Egos und können doch nicht verhindern, zu arroganten Dreckschweinen und falschen Schlangen zu werden.

Eigentlich ein glückliches Ehepaar: Penelope (Jodie Foster) und Michael Longstreet (John C. Reilly). (Bild: ZDF/ARD Degeto/Constantin Film)

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Eigentlich ein glückliches Ehepaar: Penelope (Jodie Foster) und Michael Longstreet (John C. Reilly). (Bild: ZDF/ARD Degeto/Constantin Film)

Polanski hat das Drehbuch zusammen mit Yasmina Reza, der Autorin des Bühnenstücks, verfasst. Spitzzüngig und bitterböse ist das Skript, zum Brüllen komisch und zum Heulen wahr. Jeder Satz, jedes Wort hat eine Bedeutung und führt das Gespräch auf eine neue Ebene. Die beiden haben den Darstellern ein ziemlich enges Korsett geschnürt, dennoch haben die Schauspieler viel Freiraum - und nutzen ihn. Sie alle spielen sich in einen Rausch.

John C. Reilly entwickelt sich vom kumpelhaften Vermittler zwischen den Fronten zum manierenlosen Kloverkäufer, Jodie Foster ist eine herrliche Gutmenschen-Nervensäge und Kate Winslet ein schlummernder Vulkan der Tugendhaftigkeit, dessen Ausbruch ein atemberaubendes Spektakel ist. Primus inter pares, der Erste unter Gleichen, ist jedoch Christoph Waltz. Was nicht nur daran liegt, dass er die dankbarste von vier dankbaren Rollen spielt: Anwalt Alan ist der Einzige, der sich nicht verstellt, der cool bleibt.

Für ihn ist das Leben ohnehin nichts anderes als ein Spiel. Er ist es, und Waltz bringt das mit unvergleichlicher Süffisanz auf den Punkt, der den „Gott des Gemetzels“ in uns allen sieht und akzeptiert. Er weiß, dass er ein Dreckschwein und damit nicht allein ist. Wer hier lacht, lacht sich selbst aus. (tsch)