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„Tatort“ in Münster „Es lebe der König“: Wer hat den Ritter ermordet? 

Axel Prahl und Jan Losef Liefers beugen sich in einer „Tatort“-Szene nach vorne.

Kommissar Thiel (Axel Prahl, links) und Professor Boerne (Jan Losef Liefers) staunen nicht schlecht, als sie einen „Ritter“ im Burggraben finden.

Ende 2020 feierte der erste Post-Lockdown-„Tatort“ mit Boerne und Thiel Premiere. Dass Corona hier erstmals den Ton angab, wird nicht alleine durch die dünne Personaldecke und den Applaus vom Band deutlich.

Kreativität ist gefragt in Zeiten der Pandemie. Das gilt nicht zuletzt auch für die „Tatort“-Macher. Wie groß die Herausforderung vor allem zu Beginn der Coronakrise war, ließ sich Ende 2020 ganz gut sich bemessen. Damals wurde der erste „Tatort“ gesendet, der im Juni nach dem Corona-Lockdown vollständig unter Pandemie-Bedingungen gedreht wurde.

„Es lebe der König!“, heißt er, und wer den Münsteraner Publikumslieblingen Professor Boerne (Jan Josef Liefers) und Kommissar Thiel (Axel Prahl) in der ARD-Wiederholung dieses unfreiwilligen Zeitzeugnisses etwas genauer auf die Finger sieht, stellt fest: Hier wurde getrickst und improvisiert, dass sich die Burgbalken biegen.

„Tatort“: Dünne Personaldecke und Applaus vom Band

Ohne nachgezählt zu haben, drängt sich der Eindruck auf, mit dem schauspielernden Personal könne man nicht mal eine Fußballmannschaft regelkonform bestücken. Und wenn das kurzfristig angepasste Drehbuch (Benjamin Hessler) behauptet, dass Hunderte Gäste einer Theateraufführung beiwohnen, behilft sich die Regie (Buket Alakus) mit dem Bild eines ausgelasteten Parkplatzbereichs und Applaus vom Band.

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Immerhin ließ sich die epidemiologisch motivierte Devise „Raus aus der Stadt!“ mit szenischem Schauwert umsetzen. Gedreht wurde hauptsächlich auf einer mittelalterlichen Wasserburg, die im Film „Haus Lüdecke“ heißt (und in Wahrheit das Schloss Hülchrath im niederrheinischen Grevenbroich ist). Hier liegt eingangs der Burgherr tot im Wassergraben, natürlich in Ritterkluft, so viel Spaß am Mord muss in Münster immer sein.

Der Burgherr, so stellt sich heraus, war mal einschlägig als „Kirmeskönig“ der Region bekannt und hatte nach dem erst kurz zurückliegenden Burgerwerb der Geldnot geschuldete Pläne vorangetrieben, die geschichtsträchtige Immobilie in einen Freizeitpark umzuwandeln.

Tatsächlich war jener Manfred Radtke jedoch nicht nur pleite, sondern auch dement, eine denkbar schlechte Kombination. Als mordverdächtig gelten in Ermangelung weiterer handlungsrelevanter Figuren seine junge Witwe (Violetta Schurawlow), seine geschäftstüchtige Tochter (Sandra Borgmann) sowie deren gutmütiger Bruder (Marek Harloff).

„Tatort“: Professor Boerne macht den Moonwalk

Mit den Mitteln der Geschichtstravestie wird noch das Kapitel der Wiedertäufer gestreift, die im Münster des 16. Jahrhunderts blutige Spuren hinterließen. Hängen bleiben wird neben rudimentärem Mittelalterwissen aber vor allem Professor Boernes völlig unmotivierter und umso verblüffenderer Michael-Jackson-Moonwalk in Ritterkluft. Viel ist das freilich nicht.

Als Krimi funktioniert das alles auch nur bedingt gut. Als Zeitdokument – und das ist der „Tatort“ ja nicht zuletzt – ist das alles aber von unschätzbarem Wert. Allein der Anblick des doch arg zugewachsenen Kommissars kann künftige Generationen mahnen: Längerfristige Schließungen von Friseurbetrieben sollte eine Gesellschaft unter allen Umständen vermeiden.

Den Quoten haben die widrigen Produktionsumstände übrigens nicht geschadet: Mit 13,6 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern war „Es lebe der König!“ die meistgesehene Sendung des Jahres 2020. (tsch)

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