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Schräges HobbyNa dann, Prost! Schlager-Star braut Gurkenbier

Ein junger Mann in weißem Hemd mit blauer Trachtenweste lacht freundlich in die Kamera.

Markenzeichen gute Laune! Sänger Vincent Gross kommt vor allem bei den Damen gut an. Die müssen aber stark sein: Er ist in festen Händen! Das Foto wurde am 18. September 2025 beim „HeidiFest“ auf dem Münchner Oktoberfest aufgenommen.

Schlager-Shootingstar Vincent Gross hat mit uns über sein neues Album, seine Schüchternheit als Kind, über Gurkenbier und Heiratspläne sowie Branchen-Urgestein Olaf der Flipper gesprochen.

Er ist (etwas) anders als die anderen und das tut dem deutschen Schlager gut: Vincent Gross (29), setzt sich über vieles Fest- und Eingefahrenes weg und macht das, was ihm sein Bauch rät. Mit Erfolg: So landete er im Herbst mit dem 50 Jahre älteren Schlager-Oldie Olaf der Flipper sogar in den englischen Hitlisten.

Er veröffentlichte das Album „Prost!“, eine gesungene Getränkekarte, das die Kritiker ent-, die Fans aber begeistert. Und er trinkt selbstgebrautes Bier mit ganz besonderem Geschmack. Viele Gründe für ein fröhliches Gespräch mit EXPRESS.de

Vincent Gross: Verherrlicht er Alkohol?

Wenn wir aufs Schlagerjahr zurückblicken: Sie haben mit Ihrem Album „Prost!“ für Gesprächsstoff gesorgt ein Album voller Getränke-Lieder, fast eine gesungene Getränkekarte. Wer hat Sie auf die Idee gebracht?

Vincent Gross: Eigentlich das Publikum. Ich hatte den Song Ouzo im Programm, ich wollte ihn erst nur auf der Bühne haben, um Sirtaki tanzen zu können. Doch der ging dann durch die Decke, und immer mehr fragten, ob ich nicht was über ihr Lieblingsgetränk machen könne. Und so kam es zum Album mit einem Song über Aperol Spritz, über Rum, Eierlikör – und es gibt passend zurzeit auch einen Glühwein-Song.

Bei aller Liebe – Alkohol ist ja nicht gerade gesundheitsfördernd …

Vincent Gross: Einspruch, EXPRESS! Es geht mir nicht um den Alkohol, nicht ums Gesaufe, das Ganze ist augenzwinkernd gemeint. Mir geht es um das Gemeinsam-Sein, um den gemeinsamen Spaß. Wir sind in einer schweren Zeit, da sind Lieder zum Mitsingen wichtig.

Weiterer Gesprächsstoff war Ihr Auftritt mit Olaf der Flipper im September beim BBC-Festival „Radio 2 in the Park“ nahe London. Deutscher Schlager im Pop-Land England vor 20.000 begeisterten Fans – was für ein Gefühl war das?

Vincent Gross: Es war unglaublich! Olaf und ich wurden als Überraschungsgäste eingeflogen, wir wussten nicht, was uns erwartete. Wir haben „Drinking Wine, Feeling Fine“ gesungen, alle kannten den Song und haben mitgemacht. Es war krass, für uns ein Auftritt für die Ewigkeit: Dass Engländer deutsche Musik so abfeiern, haben wir uns nie träumen lassen.

Drei Männer stehen auf einer Bühne und singen - einer davon trägt einen weißen Anzug, die beiden anderen je ein knallrotes Pailettenjackett.

Ein Duo, das 50 Jahre trennt und die Sakko-Farbe eint: Vincent Gross mit Olaf der Flipper beim Auftritt im August bei Giovanni Zarrella (rechts) in dessen Show.

Wie kam es eigentlich dazu?

Vincent Gross: Reiner Zufall. Ein englischer BBC-Moderator hat den Song über Social Media entdeckt und war so begeistert, dass er ihn immer wieder im Radio spielte, vor allem, wenn das Wetter gut war und die Sonne schien. So wurde er vom kleinen Insider-Hit zu einem Sommer-Hit in Großbritannien.

War es ein einmaliger Auftritt?

Vincent Gross: Wer weiß? Ich bin in Kontakt mit dem englischen Team. Vielleicht kommt noch was. Lustig wäre es schon, wenn der deutsche Schlager in England weiterhin gehört würde. Schlager lebt aber auch zum Teil von der deutschen Sprache, und das müsste erhalten bleiben, sonst wird es nicht gehen.

Wie ist es, mit 29 Jahren mit Schlager-Hardcore-Sänger Olaf aufzutreten, der fast 80 ist, und aus einer anderen Schlagerwelt kommt?

Vincent Gross: Tatsächlich merke ich nichts von den 50 Jahren, die uns trennen. Olaf ist cool, wir verstehen uns blind. Er hat die Power, die Erfahrung und ist bei jedem Auftritt mit Freude und Energie auf der Bühne. Davon kann man nur lernen und hoffen, dass man das auch selbst mal erreicht. Ich glaube auch nicht, dass wir uns jetzt in einer ganz anderen Schlagerwelt als früher bewegen.

Es hieß und heißt manchmal, die Schlagerbranche ähnele einem Haifischbecken – einer gönnt dem anderen nichts, und gute Freunde sind selten. Stimmt das?

Vincent Gross: Nicht mehr als anderswo auch – in jeder Branche gibt es Haifische. Ich versuche, sie nicht an mich rankommen zu lassen und verlasse mich auf meine Menschenkenntnis. Ich suche mir Leute aus, mit denen ich gut kann und bei denen ich ein gutes Gefühl habe. Aber stimmt: Wenn du Erfolg hast, klopft dir jeder auf deine Schulter und gibt dir Recht. Aber die wahren Freunde sind die, die dableiben, wenn der Applaus ausbleibt.

Vincent Gross über Heiratspläne mit Freundin Sara

Lassen Sie uns bitte mal zurückblicken: Wann hat man Sie erstmals mit Ihrer Musik hören können bei Familienfeiern?

Vincent Gross: Nein, da war ich viel zu schüchtern. Ich hatte mich nicht getraut, vor meinen Eltern oder Geschwistern zu singen oder mich sogar auf eine Bühne zu stellen. Ich habe mit Videos angefangen, die ich allein aufgenommen und dann bei YouTube eingestellt habe. Da gab es zwar keinen Applaus, dafür aber Kommentare aus der ganzen Welt: „Voll cool!“, „Mach weiter!“ oder „Klingt gut!“ Bis ich es eines Tages leid war, immer allein vor der Kamera zu stehen und zu singen. Und so stand ich dann mit 14 erstmals auf einer Bühne – und es gefiel mir.

Sie machten Karriere in der Schweiz, doch es dauerte nicht lange, und Sie standen bei Florian Silbereisen vor der TV-Show-Kamera. Ein gutes Gefühl?

Vincent Gross: Was war ich da nervös! Ich war ja bis dahin noch niemals in Deutschland aufgetreten, kein Mensch kannte mich, und dann gleich der Flori. Es war der Abend, an dem Helene Fischer ihr neues Album vorstellte und die Kelly Family ihr Comeback feierte, und ich war irgendwie dazwischen. Ich hatte riesige Angst: „Was passiert, wenn ich auf der Bühne stolpere oder wenn mein Lied keiner hören will?“

Seit eineinhalb Jahren leben Sie mit Ihrer Freundin Sara in einer festen Beziehung. Wie kommt Sara damit klar, dass Sie einer der Womanizer der Schlager-Branche sind?

Vincent Gross: Das ist für sie kein Problem. Sie ist eine starke Frau – wenn ich sie nur irgendwie missachtete, wäre sie sicher nicht mehr bei mir. Aber mir ist bewusst, dass so etwas nicht selbstverständlich ist.

Hin und wieder hören wir Gerüchte – wird 2026 geheiratet?

Vincent Gross: Es gibt noch keinen konkreten Plan. Alles Step by Step. Nichts überstürzen.

Ein Mann mittleren Alterns in chwarzem Glitzerjackett gestikuliert, neben ihm ein junger Mann mit pausbäckigem Gesicht, gescheiteltem Haar und einem freundlichen Lächeln.

Das war anno 2017: Vincent Gross, damals ein Newcomer, mit Florian Silbereisen in dessen Show „Schlagerchampions - Das große Fest der Besten“.

Was man kaum von Ihnen weiß: Sie sind auch Miteigentümer einer Brauerei in Basel. Wie kam es dazu?

Vincent Gross: Es ist ein Hobby, das ich mit Freunden zusammen habe. Unser Bier heißt Bier und wird unter anderem in unserer Kneipe, der BBB „BrauBudeBasel“ ausgeschenkt. Wir brauen jährlich 12.000 Liter. Es macht wahnsinnig Spaß, weil es auch sehr kreativ ist. Wir brauen ganz unterschiedliche Sorten, die es dann in kleinen Auflagen gibt – wir sind in der Schweiz ja nicht ans Reinheits-Gebot gebunden.

Welches davon trinken Sie selbst am liebsten?

Vincent Gross: Unser wunderbares Gurkenbier.

Gurkenbier? Das klingt nicht gerade nach gemütlichen Kneipenabenden ...

Vincent Gross: Da kann man sich täuschen! Es schmeckt etwas nach Wassermelone und ist wahnsinnig erfrischend. Hat auch einen normalen Alkoholgehalt.

Haben Sie auch schon mal lecker Kölsch gebraut?

Vincent Gross: Nein, das dürfen wir leider nicht. Das darf man ja nur Kölsch nennen, wenn es tatsächlich in Köln gebraut worden ist. Aber wenn ich in Köln bin, trinke ich es sehr gern.

Dazu haben Sie am 27. Februar Gelegenheit, wenn Sie in Köln in der „Kantine“ auftreten. Was passiert da?

Vincent Gross: Es ist ein Auftritt im Rahmen unserer Getränkekarte-Tour. Es wird eine ganz besondere, über zwei Stunden lange Show mit meiner Band, den Ouzos. Da ist alles dabei – von den Partysongs bis hin zu den Balladennummern. Aber es gibt auch eine geile Schlagersession, in der wir die größten Hits aus Rap und Rock verschlagern. Und wenn alles vorbei ist, werde ich mit meinen Fans ein lecker Kölsch trinken. Oder auch mehrere.

Vincent Gross: Psychologie-Studium und Taekwondo-Meister

Vincent Valentin Gross (geb. 23.8.1996 in Basel, Sohn norddeutscher Eltern) . Sportgymnasium, Zivildienst, drei Semester Psychologie an der Uni Basel. Nebenbei 13 Jahre Taekwondo, 2012 Schweizer Meister. Ab 2012 unter Pseudonym auf YouTube. 2014: Zweiter Platz beim „Swiss Talent Award“. 2016: Dritter Platz Schweizer Vorentscheid ESC. Erster Plattenvertrag bei Ariola/Sony.

2021–2023: Moderation „Das große Musikquiz“ in „Immer wieder sonntags“. Im Oktober 2025 erschien sein fünftes Studioalbum „Prost!“ mit dem Song „Drinking Wine, Feeling Fine“ mit Olaf der Flipper. Die Single landete in Großbritannien in den Billboard-Charts auf Platz 10. Am 27. Februar 2026 tritt er mit „Getränkekarte on Tour“ in der Kölner Kantine auf.