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Marie Reim Nach schlimmer Gewalterfahrung: Schlagerstar will Betroffenen Mut machen

13.08.2022, xlakx, Entertainment Musik, SchlagerHammer-Tour 2022 in Oranienburg emspor, v.l.Marie Reim im Schlosspark Oranienburg bei der SchlagerHammer-Tour 2022. Oranienburg

Marie Reim (hier am 13. August 2022 bei der „SchlagerHammer“-Tour in Oranienburg. 

Sängerin Marie Reim ist gerade mal 22 – und schon seit Jahren im Schlager-Geschäft. Gerade hat sie ein neues Album herausgebracht, EXPRESS.de traf sie zum großen Interview.

Ihre Eltern Michelle (50) und Matthias Reim (64) sind erfolgreich im Schlager-Business. Kein Wunder, dass Marie Reim (22) da auch gelandet ist – mit Erfolg.

Doch der Weg dahin war mit privaten Verwundungen gespickt: Ihre Mutter spannte ihr eine große Liebe aus, in einer Beziehung erlebte sie Gewalt. Dennoch geht Marie ihren Weg. Wir haben eine starke, kluge, selbstbewusste und sehr musikalische junge Frau getroffen. 

Marie Reim: Corona erwischte sie mitten im Album-Stress

Ihr neues Album ist frisch auf dem Markt und schon in den Charts durchgestartet. Was ist das für ein Gefühl?

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Marie Reim: Ich empfinde so viel Dankbarkeit. Es ist ein echter Meilenstein für mich. Davon konnte ich vorher nur träumen – und plötzlich ist es wahr geworden!

Kurz vor der Veröffentlichung, mitten im Endspurt, wurden Sie noch von Corona erwischt. Alles gut überstanden?

Marie Reim: Ja, zum Glück ist das vorbei. Aber vorher – und auch wieder nachher – gab es unglaublich viele Auftritte. Dieses Tourleben war und ist toll: Von der Bühne direkt ins Auto, im Auto umziehen, schminken und weiter geht’s zum nächsten Auftritt. Schön sind die Gespräche mit den Fans – viele erzählen ihre persönlichen Geschichten und weshalb sie sich mit meinen Songs identifizieren können. Das berührt mich.

Sängerin Marie Reim und EXPRESS-Reporter Horst Stellmacher beim Sonntags-Talk im Juli 2022 in Köln.

Marie Reim im Gespräch mit EXPRESS-Reporter Horst Stellmacher

„Bist du dafür bereit?“ – ungewöhnlicher Titel für ein Schlager-Album. Was bedeutet er?

Marie ReimDass ich bereit bin, über Themen zu sprechen, über die ich vor zwei, drei Jahren noch nicht gesprochen hätte. Das ist das Besondere auf dem Album: Ich erzähle nur das, was ich selbst erlebt habe. Es sind keine Songs, die sich andere für mich ausgedacht und geschrieben haben. Das sind viele fröhliche, aber auch einige ernste, ungewöhnliche Geschichten.

Ungewöhnlich ernst ist der Song „Durch den Regen“, in dem es um Gewalt in einer Beziehung geht. Haben Sie so etwas mal erlebt?

Marie Reim: Ja, das ist mir nicht fremd. Aber das habe ich alles beim Schreiben des Songs verarbeiten können. Jetzt möchte ich anderen Betroffenen mit diesem Lied Mut machen!

Marie Reim: „Ich habe gespürt, achtsamer zu sein“

Sie schneiden auch andere schwere Themen an. Wenn wir jetzt darüber sprechen, klingt es fast so, als seien Sie nicht 22, sondern hätten schon ein langes Leben hinter sich…

Ja, und vieles davon hätte ich gern nicht erlebt. Dennoch bin ich froh, dass ich das hinter mir habe. Besser jetzt, als 20 Jahre später, wenn ich vielleicht glücklich verheiratet bin, eine tolle Familie habe, und dann alles zerbricht – weil ich betrogen werde oder weil das Unglück auf mich wartet. Ich bin froh, dass ich diese Tritte in den Hintern schon gespürt habe. Ich habe schon früh im Leben gespürt, achtsamer zu sein.

Ihre Eltern Matthias Reim und Michelle sind in ihren Karrieren unterschiedliche Wege gegangen. Welchen Weg davon wollen Sie gehen?

Marie Reim: Keinen davon. Ich möchte nicht in anderer Leute Fußstapfen treten, sondern meine eigenen hinterlassen. Ich will meinen eigenen Weg gehen.

Fluch oder Segen, prominente Eltern zu haben, die im Schlager-Geschäft mitmischen?

Marie Reim: Es kommt drauf an. Die Fans finden das gut, die meisten mögen die beiden. In der Branche ist das aber schon mal ein Problem, da wird man gern mal auf die Probe gestellt und guckt besonders kritisch. Ein normaler Newcomer erlebt das nicht, der darf sein Ding machen.

Was ist bei Ihnen anders?

Marie Reim: Ich muss mich als Tochter bei einigen erst mal beweisen. Manchmal gehen Türen zu, weil man denkt, ich sei nur durch Beziehungen ins Geschäft gekommen. Dann muss ich viel Kraft und Energie aufwenden, um die wieder zu öffnen, damit ich durchgehen und auch bleiben kann.

Schlagersängerin Michelle (links) und ihre Tochter Marie Reim 2018

Marie mit Mama Michelle 2018 bei den Echo-Awards. Das Verhältnis zur Mutter ist heute wieder gut, und aus „Die-Tochter-von...“ ist eine selbstbewusste, kreative junge Künstlerin geworden.

Ihre Eltern haben nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen erlebt. Schiss, dass es Ihnen auch so ergehen könnte?

Marie Reim: Wenn man Angst hat, ist man in dieser Branche falsch. Aber natürlich habe ich aus dem, was meinen Eltern passiert ist, meine Lehren und mein Wissen gezogen. Zum Beispiel werde ich keine Sachen kaufen, die total unnötig sind oder mein Geld aus dem Fenster schmeißen. Ich habe vor, mein Geld klug anzulegen. Ich möchte irgendwann mal eine Familie gründen und weiß, dass man dafür erst mal gelebt und gearbeitet haben muss.

Sie werden als neue deutsche Schlagerprinzessin bezeichnet. Sind Sie auf dem Weg zur Schlager-Queen?

Marie Reim: Dieser Titel gebührt Helene Fischer – zu Recht. Aber natürlich habe ich auch große Wünsche, da gibt es keine Grenzen. Ich träume davon, die Riesen-Arenen zu füllen – aber jeder fängt klein an. Ich möchte Treppen steigen, nicht Etagen.

In der Schlager-Welt geht es oft nicht nur um Songs und Stimme, sondern auch darum, wie man sich bewegt, was man anhat oder auch nicht. Gibt’s für Sie Grenzen?

Marie Reim: Ich habe ja schon gemerkt, welches Aufsehen ein ganz normales Strandfoto erregen kann. Was da für ein Aufriss gemacht wird, wenn man mal eine Frau im Bikini sieht! Doch ich zeige mich so, wie ich mich wohlfühle. Ich lasse zwar nirgends bestimmte Körperteile raus blitzen, aber ich verstecke mich auch nicht.

Gibt es einen Plan B fürs Leben?

Marie Reim: Ich bin ausgebildete Fitness-Trainerin, könnte in dem Job, wenn es sein müsste, jederzeit einsteigen. Aber ich glaube ganz fest daran, dass es mit der Musik klappt. Denn dafür gebe ich alles an Energie und Liebe. Und weil ich sehr spirituell bin, weiß ich: Wenn ich fest an was glaube, wird es so werden.

Scheint, als würde sich bei Ihnen alles um die Musik drehen. Welche Rolle spielt da Ihr Freund und Lebenspartner, der aus der Gastro-Szene stammt?

Marie Reim: Vinzenz ist mein Fels in der Brandung. Er ist immer für mich da. Er hört mir zu, steht mir bei, bei ihm erhole ich mich.

Muss er dann immer Ihre Musik hören?

Marie Reim: Nein. Es gibt ja auch Zeiten, in denen ich froh bin, wenn ich keine Musik höre und nicht drüber sprechen muss. In unserem Leben gibt es noch viel anderes: Wir machen mit unseren Freunden immer gern lockere Spiele-Abende, verbringen romantische Abende miteinander, gehen lange mit dem Hund spazieren, planen Reisen. Da gibt es viele schöne Dinge, die wir gemeinsam erleben – auch ohne Musik.

Marie Reim: Karriere-Start bei Florian Silbereisen, große Liebe mit Düsseldorfer

Marie Reim wurde am 8. Mai 2000 in Köln geboren. Sie ist die Tochter von Schlagersängerin Michelle (50) und Schlagersänger Matthias Reim (64). Sie heißt eigentlich Marie-Louise Oberloher, denn Mutter Michelle trug bei Maries Geburt noch den Namen ihres Ex-Mannes, dem „Wind“-Sänger Albert Oberloher (60). Marie ist ausgebildete Fitnesstrainerin.

2012 absolvierte sie ihren ersten TV-Auftritt bei Florian Silbereisens „Herbstfest der Überraschungen“ mit „Gib nicht auf“. 2016 dann ein umjubelter Auftritt mit Mutter Michelle in der Lanxess-Arena. 2020 brachte sie ihre erste Single „SOS“ auf den Markt – ihr erstes Album hieß „14 Phasen“. Sie lebt mit dem Düsseldorfer Gastronomen Vinzenz Steidle zusammen. Anfang August erschien ihr neues Album „Bist du dafür bereit?“.

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