Schwere Messer-Attacke Günter Wallraff erschüttert – er hatte Salman Rushdie 1993 in Köln versteckt

Salman Rushdie wird nach einer Messer-Attacke versorgt.

Salman Rushdie wird nach einer Messer-Attacke versorgt.

Der Weltbestseller-Autor Salman Rushdie wurde bei einem Messerangriff schwer verletzt. Ein Mann war während einer Veranstaltung auf die Bühne gesprungen und stach Rushdie in den Hals.

Der Autor Salman Rushdie ist bei einem Angriff im US-Bundesstaat New York Polizeiangaben zufolge am Hals verletzt worden.

Um 11.00 Uhr vormittags (Ortszeit, 17.00 Uhr MESZ) „rannte der männliche Verdächtige auf die Bühne und griff Rushdie und einen Interviewer an“, hieß es.

Salman Rushdie nach Messer-Attacke mit Hubschrauber in Krankenhaus

Der 75-jährige Schriftsteller sei mit einem Hubschrauber in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht worden. „Über seinen Zustand ist nichts bekannt.“ Der Interviewer habe eine Kopfverletzung.

Alles zum Thema Polizeimeldungen

Der Täter sei am Freitag in der Veranstaltungshalle im Ort Chautauqua festgenommen worden, teilte die New Yorker Polizei mit.

Die „New York Times“ zitierte eine Zeugin: „Es gab nur einen Angreifer“. Und weiter: „Er war schwarz gekleidet. Er hatte ein loses schwarzes Kleidungsstück an. Er rannte blitzschnell auf ihn zu.“

Polizei und medizinische Einsatzkräfte seien zu dem Veranstaltungshaus im Ort Chautauqua gerufen worden, bestätigte die Polizei der Deutschen Presse-Agentur am Freitag.

Günter Wallraff erschüttert über Anschlag auf Salman Rushdie

Günter Wallraff hat sich erschüttert über den Anschlag auf den Schriftsteller Salman Rushdie geäußert. „Die Nachricht war natürlich ein Schlag für mich“, sagte der Autor und Enthüllungsjournalist am Freitagabend der Deutschen Presse-Agentur in Köln. „Jetzt hoffe ich nur, dass die Verletzung nicht lebensgefährlich ist.“

Der vor mehr als 30 Jahren per Fatwa zum Tode verurteilte Rushdie war am Freitag bei einem Auftritt im US-Bundesstaat New York von einem Mann angegriffen und am Hals verletzt worden.

Wallraff (79) hatte Rushdie 1993 in seinem Haus in Köln-Ehrenfeld versteckt. „Damals gab es rund um die Uhr Bewachung, gepanzerte Wagen standen vor der Tür.“

In den vergangenen Jahren hätte Rushdie Personenschutz aber abgelehnt. „Wir haben uns vor einigen Jahren noch in Dänemark bei einer Veranstaltung getroffen. Da wurde sehr auf seinen Schutz geachtet, was er aber gar nicht verlangt hatte. Er wollte ein normales Leben führen.“

Angriff auf Salman Rushdie – New Yorker Gouverneurin meldet sich auf Twitter

Die New Yorker Gouverneurin Kathy Hochul hat den Angriff auf Autor Salman Rushdie als „schreckliches Ereignis“ bezeichnet.

„Unsere Gedanken sind nach diesem schrecklichen Ereignis bei Salman und seinen Lieben. Ich habe die Staatspolizei angewiesen, bei den Ermittlungen weiter zu helfen, wenn dies erforderlich ist“, schrieb Hochul am Freitag auf Twitter. Sie dankte den Einsatzkräften für ihre schnelle Reaktion.

Salman Rushdie wegen „Die satanischen Verse“ zur Tötung aufgefordert

Wegen seines Werks „Die satanischen Verse“ (1988) war Rushdie einst mit einer Fatwa belegt worden, die zu seiner Tötung aufforderte. Einige Muslime fühlten sich durch das Werk in ihrem religiösen Empfinden verletzt.

Irans Revolutionsführer Ajatollah Khomeini erließ ein islamisches Rechtsgutachten, das zur Tötung Rushdies und all derer aufrief, die an der Verbreitung des Buches beteiligt waren. Ein japanischer Übersetzer wurde später tatsächlich getötet. Rushdie musste untertauchen, erhielt Polizeischutz.

Salman Rushdie: Jahre der Fatwa waren eigentlich vorbei

Geboren wurde Rushdie im Jahr der indischen Unabhängigkeit 1947 in der Metropole Mumbai (damals Bombay). Er studierte später Geschichte am King's College in Cambridge. Seinen Durchbruch als Autor hatte er mit dem Buch „Mitternachtskinder“ („Midnight's Children“), das 1981 mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet wurde.

Nach Angaben seines Verlags aus dem vergangenen Jahr hätte die Fatwa des Ajatollahs für Rushdie inzwischen aber längst keine Bedeutung mehr. Er sei nicht mehr eingeschränkt in seiner Bewegungsfreiheit und brauche auch keine Bodyguards mehr.

Die Jahre des Versteckens gingen jedoch nicht spurlos an ihm vorüber. Er verarbeitete diese Zeit in der nach seinem Aliasnamen benannten Autobiografie „Joseph Anton“ aus dem Jahr 2012. (dpa/jv)

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