Am Sonntag feiert Rosalie Thomass ihren Einstand als Hauptkommissarin im Franken-“Tatort: Gottesgarten“. Im Interview spricht die Schauspielerin über den großen Wert von Empathie und Toleranz und fordert mehr Zivilcourage in der Gesellschaft.
Rosalie Thomass„Was Zivilcourage ist, das könnten wir wieder mehr kultivieren“

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Am Sonntag feiert Schauspielerin Rosalie Thomass ihren Einstand als Hauptkommissarin Emilia Rathgeber im Nürnberger „Tatort“. (Bild: BR/Markus Konvalin)

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Neben dem neuen „Tatort: Gottesgarten“ ist Rosalie Thomass aktuell im Kino in „Lügen über meine Mutter“ zu sehen. (Bild: 2025 Getty Images/Hannes Magerstaedt)
Im „Tatort: Gottesgarten“ (Sonntag, 25. Oktober, 20.15 Uhr, ARD) ermittelt Rosalie Thomass zum ersten Mal als Hauptkommissarin Emilia Rathgeber an der Seite von Fabian Hinrichs alias Felix Voss. In ihrem ersten Fall spielen die Themen Empathie und Toleranz gegenüber selbstbestimmten Lebensweisen eine tragende Rolle. Denn bei dem Mordopfer handelt es sich um einen queeren jungen Travestiekünstler, der von seinem familiären Umfeld nicht akzeptiert wurde. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur teleschau erklärte die Schauspielerin, warum ihr beides auch bei der Entwicklung ihrer eigenen Figur wichtig war: „Empathie ist in meinen Augen ein Wert, der uns nicht verloren gehen sollte. Und den wir scheinbar bewusst praktizieren müssen, weil er nicht mehr ganz selbstverständlich ist bei allen.“ Deswegen sei ihr ein Anliegen, auf einer „so präsenten Bühne“ wie dem „Tatort“ Figuren zu erzählen, „die empathisch sind und warm“.
Beim Thema Toleranz wiederum „müssen wir uns mit diesem sogenannten Toleranzparadoxon beschäftigen“, erklärte Thomass: „Die Toleranten dürfen den Intoleranten gegenüber nicht tolerant sein, sonst verlieren wir die Toleranz irgendwann. Und das ist, wie der Name sagt, paradox - ich beanspruche für mich einerseits, Toleranz als Wert zu leben, und gleichzeitig muss klar sein, wo sie aufhören muss.“
Keine Toleranz, wenn es an die Menschenwürde geht

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Rosalie Thomass ermittelt ab sofort neben Fabian Hinrichs im Franken-“Tatort“. (Bild: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden)
Wo die Toleranz ihrer Meinung nach aufhören muss? Da ist die 39-Jährige ganz klar: „Wenn es an die Menschenwürde geht, wenn jemand offen rassistisch und rechtsextrem ist oder zum Beispiel vom Verfassungsgericht bereits als rechtsextrem eingestuft wurde, dann muss ich in dem Moment intolerant sein dem gegenüber, denn hier will jemand die Toleranz an sich abschaffen. Mein Eindruck ist, dass wir das wirklich leider total verfehlt haben in den letzten Jahren.“
Deshalb halte sie bei Begegnungen mit entsprechenden Äußerungen auch immer dagegen, betont die Schauspielerin: „Mir ist dabei inzwischen bewusst, dass ich dabei nicht jeden überzeugen werde können. Das ist aber auch gar nicht mein Anspruch.“ Ihr sei wichtig, dass die Menschen erleben, dass „eine rassistische Äußerung zum Beispiel nicht unkommentiert stehen bleibt. Das ist, glaube ich, der erste Schritt, den wir jetzt alle auch machen müssen, dass wir das benennen und dass wir uns gemeint und zuständig fühlen. Das, was wir noch in der Schule gelernt haben, nämlich was Zivilcourage ist, das könnten wir wieder mehr kultivieren.“ (tsch)
