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Captain Picard auf „Raumschiff Enterprise“Schauspiel-Star Patrick Stewart (†86) gestorben

Patrick Stewart auf einer Veranstaltung.

Copyright: Paul Zinken/dpa

Patrick Stewart ist im Alter von 86 Jahren gestorben.

Aktualisiert:

Als Kind entdeckte Patrick Stewart seine Leidenschaft fürs Theater. Weltberühmt wurde der Schauspieler dann als Captain Picard auf dem „Raumschiff Enterprise“. Jetzt ist Stewart gestorben.

Im hohen Alter kehrte Sir Patrick Stewart auf die Kommandobrücke eines Raumschiffs zurück. 18 Jahre nach seinem letzten Einsatz als Captain Jean-Luc Picard im Kinofilm „Star Trek: Nemesis“ war der britische Schauspieler wieder in der Rolle seines Lebens zu sehen.

Mit Ende 70 spielte er in der TV-Serie „Star Trek: Picard“ noch einmal den aufrichtigen, zuverlässigen und manchmal etwas steifen Kultkapitän. Dabei hatte er eigentlich längst mit Picard abgeschlossen. Nun ist Stewart im Alter von 86 Jahren gestorben, wie seine Sprecherin Kelly Bush Novak mitteilte.

Das „Raumschiff Enterprise“ machte Stewart weltberühmt

Die TV-Serie „Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert“ („Star Trek: The Next Generation“) machte den bodenständigen Darsteller, dessen Karriere im Theater begonnen hatte, Mitte der 80er Jahre weltberühmt. Dabei hätte Stewart, der am 13. Juli 1940 im englischen Dorf Mirfield in West Yorkshire geboren wurde, die Rolle beinahe abgelehnt. Der Brite war so skeptisch, was den Erfolg der Serie anging, dass er in Los Angeles zunächst aus dem Koffer lebte.

Dass er die Rolle überhaupt bekommen hatte, war einem Zufall zu verdanken: Stewart half einem befreundeten Professor in den USA bei einem öffentlichen Vortrag, indem er Passagen von Shakespeare vorlas. Im Publikum saß an diesem Tag einer der „Star Trek“-Co-Produzenten, Robert Justman – der daraufhin sofort „Star Trek“-Schöpfer Gene Roddenberry informierte, dass er einen Captain gefunden habe. Als der Brite für die Rolle vorsprach, überzeugte er mit seiner Präsenz, tiefen Stimme und Ausdrucksweise auch Roddenberry.

„Science-Fiction hat mich überhaupt nicht interessiert“, sagte Stewart einmal der „Los Angeles Times“. „Was ich interessant fand, war, dass es vor der Kamera und in Kalifornien stattfand.“ Außerdem hob es ihn in eine neue Gehaltsklasse. „Ich konnte nicht glauben, was mein Gehalt pro Folge sein sollte – unvorstellbar. Ich konnte mir das nicht ausmalen, und ehrlich gesagt, hatte ich das auch nie angestrebt. Ich habe einfach die Arbeit geliebt, in Werken von Shakespeare und anderen großen Dramatikern zu spielen.“

Als die USS Enterprise NCC-1701-D im September 1987 erstmals über die Fernsehbildschirme flog, war der damals 47-Jährige den meisten Zuschauern in den USA kein Begriff. Nur zwei Auftritte in namhaften Kinofilmen hatte er bis dato im Lebenslauf – er spielte Nebenfiguren in John Boormans Fantasyfilm „Excalibur“ (1981) und in David Lynchs Science-Fiction-Epos „Dune – Der Wüstenplanet“ (1984). Zudem hatte er in der langjährigen britischen Seifenoper „Coronation Street“, die bis heute fortgesetzt wird, einen Feuermann gespielt.

Lehrer begeisterte Stewart für das Theater

Hauptberuflich stand er damals auf der Theaterbühne. Von 1966 bis 1982 war er Mitglied der Royal Shakespeare Company. Die Liebe fürs Theater hatte sein Lehrer geweckt, als Stewart elf oder zwölf Jahre alt war. „Ohne diesen Mann wäre nichts davon passiert“, erzählte Sir Patrick dankbar, als er 2010 von Königin Elizabeth II. zum Ritter geschlagen wurde. „Er hat mir ein Exemplar von Shakespeare in die Hand gedrückt und gesagt: ‚Jetzt stell dich hin und trag es vor.‘“

Auch nach seiner Zeit in der Royal Shakespeare Company trat Stewart am Theater auf – unter anderem übernahm er immer mal wieder in einer Soloaufführung von Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte („A Christmas Carol“) sämtliche Rollen. Am Londoner West End brillierte er auf der Bühne gemeinsam mit seinem engen Freund Sir Ian McKellen in Harold Pinters „No Man’s Land“.

Auf die Rolle von Captain Picard festgelegt

Die Beliebtheit Picards hatte allerdings eine Kehrseite: Stewart war auf der Leinwand auf die Rolle festgelegt. Andere Angebote waren selten. Bis er 2000 in der Marvel-Comic-Verfilmung „X-Men“ Professor Charles Xavier spielte – eine integre Respektsperson mit Ähnlichkeit zu Picard. Nach drei Fortsetzungen und drei daran anknüpfenden „Wolverine“-Filmen verabschiedete er sich 2017 von Professor X.

Das Kapitel Picard war hingegen noch nicht beendet, obwohl Stewart jahrelang erklärt hatte, er habe kein Interesse daran, die Figur wiederzubeleben. Trotzdem stimmte er nach anfänglichem Zögern einem Comeback zu, weil ihm der moderne Ansatz von „Star Trek: Picard“ gefiel. Die Welt der alten TV-Show sei „zu perfekt und zu beschützt gewesen“, meinte Stewart im „Variety“-Interview, „es war eine heile Welt voller Respekt, Kommunikation und Fürsorge – und manchmal Spaß.“ Dagegen wurde „Star Trek: Picard“ grimmiger und pessimistischer, was nicht allen Fans gefiel. Für Stewart hingegen machte es absolut Sinn. „Das war meine Antwort auf die Welt von Brexit und Trump“, sagte er.

Privat lebte Sir Patrick im New Yorker Stadtteil Brooklyn in dritter Ehe mit der 38 Jahre jüngeren Musikerin Sunny Ozell zusammen. Sein enger Freund und „X-Men“-Co-Star Ian McKellen war 2013 Trauzeuge. Sir Ian sagte einmal über seinen langjährigen Kumpel und Kollegen: „Er sieht verlässlich aus. Er ist der Typ, den man in einer schwierigen Situation dabei haben will. Captain Picard ist hier, also keine Sorge.“