Krankes Doppelleben Reporter-Ikone Werner Hansch packt aus

Foto vom Buchcover Einmal Hölle und zurück!

Reporter-Legende Werner Hansch hat ein Buch über seine Spielsucht geschrieben.

Ein Buch als Therapie. Reporter-Legende Werner Hansch arbeitet seine Spielsucht in einer Biographie auf. EXPRESS.de veröffentlicht vorab Kapitel daraus. Der heutige Teil ist besonders bitter.

Dortmund. Es ist eine schonungslose Abrechnung mit sich selbst. In einem Kapitel „Einmal Hölle und zurück“ beschreibt der einstige Fußball-Kommentator und Sieger von Promi Big Brother, Werner Hansch (83), wie er die Kontrolle über sein Spielverhalten komplett verlor. EXPRESS.de veröffentlicht es vorab. 

Werner Hansch, der sprachgewandte Mann am Mikro, schweigt. Wem soll er auch erzählen, dass er nun täglich zur Zockerbude nach Recklinghausen fährt, auf Rennpferde setzt und meistens auf die falschen. Dass er nun Tag für Tag Geld vom Konto der Commerzbank abhebt? Am Anfang sind es 100 Euro, dann mehr und mehr und später bis zu 5000 Euro auf einen Schlag; alles kein Problem, noch ist sein Konto ja prall gefüllt.

Und wen geht es etwas an, dass er Nacht für Nacht heimlich stundenlang Rennpläne studiert? Immer wieder aufs Neue, und immer ist er felsenfest davon überzeugt, dass am nächsten Nachmittag die Pechsträhne endet, enden muss.

Spielsucht: Werner Hansch verzockte Unsummen: „Heute 2000 Euro auf Sunshine!“

Alles andere zählt nicht mehr, selbst große Familientreffen lässt er sausen. Fast zehn Jahre lang sind ihm nur noch zwei Termine wichtig: Wann öffnet die Buchmacherbude, wann starten, wann gewinnen seine Favoriten? Da muss er pünktlich in Recklinghausen sein, rechtzeitig seinen Wetteinsatz zahlen.

Als WDR-Reporter bei „Tore, Punkte, Meisterschaft“, dem Hörfunk-Klassiker am Samstagnachmittag, hat er gelernt, auf den Punkt genau zur Stelle, auf Sendung zu sein. Nie hat er seinen Einsatz bei der Konferenzschaltung verpasst. Er kann sich auf sich verlassen. Warum sollte das jetzt anders sein?

„Hallo, Werner Hansch, bitte melden …“, hieß es aus dem Studio in Köln, und schon gab er Vollgas mit seiner markanten Stimme und seinen flotten Sprüchen wie „Alles andere ist Schnulli-Bulli“ oder „Wer hinten so offensteht, der kann nicht ganz dicht sein“.

Werner Hansch stellte im September sein neues Buch vor und weinte.

Werner Hansch beim Kölntalk Loss mer schwade am 9.9. im Wirtshaus am Markt in Pulheim

Einer wie er wird alles im Griff haben, seine Stärken sind doch Disziplin, Zuverlässigkeit, Souveränität und Seriosität. Also Schluss mit den Selbstzweifeln.

„Nur noch drei Minuten bis zum Start“, hört er aus den Lautsprechern in der Wettbude, es wird Zeit für seinen nächsten Einsatz. Bitte 2000 Euro auf Sunshine: Heute, da ist er sich sicher, ist das Glück auf seiner Seite.
Natürlich fühlt er, dass die bei der Bank gerne wüssten, was er mit den Summen macht, die er sich nun jeden Tag auszahlen lässt. Er spürt, dass ihn die nette Angestellte hinter dem Schalter des Buchmachers zuweilen irgendwie mitleidig anschaut, wenn er ihr schon wieder große Scheine hinüberschiebt. Es ist eine Einbahnstraße des Glücks; fast immer gewinnt der Buchmacher.

Doppelleben: Hansch interviewte den früheren Suchtkranken Borowka und war selbst spielsüchtig

Es ist auch nicht zu übersehen, dass die Mitstreiter beim Buchmacher ihn verstohlen beobachten, wenn er gebannt aus dem Hintergrund, mit dem Rücken zur Wand, auf den Bildschirm starrt und nach dem Rennen den zerknüllten, wertlosen Wettschein möglichst unauffällig in der Hosen-tasche versteckt, weil keiner mitbekommen soll, dass sein favorisierter Traber wieder einmal ins Ziel gesprungen ist. Und selbstverständlich fühlen sie, dass seine Leichtigkeit, seine Lässigkeit schwindet.

Symbolbild: Rennen in Weidenpesch im Juni 2011.

Durch Wetten auf Pferderennen verzockte Werner Hansch Hunderttausende Euro. Unser Symbolfoto zeigt ein Pferderennen auf der Rennbahn in Köln-Weidenpesch im Juni 2011.

Werner ist verkrampft, er schaut weder nach links noch nach rechts. Er sieht nur noch nach vorne, sieht die Bildschirme – als würde er Scheuklappen tragen, so wie aufgeregte Pferde in der Startmaschine.
Aus. Ende. Disqualifikation. Aber egal. Gleich im nächsten Rennen startet ja wieder einer, der ganz sicher die Nase vorn haben wird …

Termine als Talkgast, als Moderator oder als Laudator hält er ein. Sie bringen Geld, das er nötiger denn je gebraucht. Gut, dass die Auftraggeber nicht in bar bezahlen. Dann würde er das Honorar schon am nächsten Tag verwetten.


Er versucht, sich auf der Bühne nichts anmerken zu lassen, souverän wie früher aufzutreten, mit einem Lächeln im Gesicht und mit der für ihm typischen Bescheidenheit, wenn er für seine Auftritte gelobt wird. Doch wie muss er sich fühlen, wenn er beim Brunch, den die Kanzlei von Anwalt Alfons Becker jedes Jahr in Dortmund für mehr als 200 Gäste ausrichtet, Uli Borowka über dessen Alkoholsucht befragt.

Spürt er da schon, dass sie im Grunde suchtkranke Leidensgenossen sind und eins gemeinsam haben: Auch der Fußballnationalspieler und Publikumsliebling des SV Werder Bremen hielt seine krankhafte Sucht so lange wie möglich geheim. Fußballprofi und Reporter wissen um die fatalen Folgen.

Werner Hansch: Vergleiche mit Uli Hoeneß im Kopf

Was geht Werner durch den Kopf, als die Medien über die wohl krankhafte Börsenzockerei von Uli Hoeneß berichten, über seinen Prozess und über sein Leben in Haft? Sicherlich liest er, dass Susanne Hoeneß ihren Mann nicht im Stich lässt, obwohl sie seine Geldaktionen gehasst hat. Sie lässt keinen Verhandlungstag im Gericht aus, aber Fotos zeigen, wie sie leidet. Wie wird seine Moni reagieren, wenn der ganze Schwindel auffliegt?

Das Buch können Sie bestellen über www.wernerhansch-buch.de

Haben die Schlagzeilen Werner nicht nachdenklich gemacht? Hat er bisher nie einen Gedanken daran verschwendet, ob seine Spielleidenschaft nicht doch mehr als nur ein glühendes Verlangen nach dem Nervenkitzel ist? Ob er nicht längst von der Sucht befallen ist, die unbedingt therapiert werden muss? Werner setzt sich in den Wagen und fährt los. Ein Navi braucht er nicht. Er kennt den Weg nach Recklinghausen.

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