Weltstar, Ausnahmestimme, „Pretty Woman“-Star: Roy Orbison schrieb Musikgeschichte - und erlebte zugleich eine Reihe persönlicher Tragödien.
„Pretty Woman“-SängerDiese unglaublichen Schicksalsschläge musste Roy Orbison verkraften

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In den frühen 60er-Jahren zählte Roy Orbison zu den größten Stars im Musikbusiness. (Bild: Moore/Fox Photos/Getty Images)

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Ein seltener Anblick: Bereits in den frühen 60er-Jahren wurde die schwarze Sonnenbrille zu einem Markenzeichen von Roy Orbison. (Bild: Hulton Archive/Getty Images)
Am 23. April wäre er 90 Jahre alt geworden: „Only The Lonely“ und „Pretty Woman“ wurden zu Welthits - auch dank seiner einzigartigen Stimme. Wenn Roy Orbison sang, schien jede Note von ganz tief unten zu kommen. Hinter der schwarzen Sonnenbrille, die bereits früh in seiner Karriere zu seinem Markenzeichen wurde, verbarg sich ein Künstler, dessen Leben von Verlust und tragischen Schicksalsschlägen geprägt war.
Als Sohn einer Krankenschwester und eines Automechanikers wuchs der am 23. April 1936 geborene Orbison in Texas auf, bekam mit sechs Jahren seine erste Gitarre und wurde von seinem Vater unterrichtet. Bereits als Kind schrieb er eigene Songs, gewann 1945 einen Talentwettbewerb bei einem lokalen Radiosender und erhielt eine eigene Sendung. In den frühen 1950er-Jahren stand er mit seiner ersten Band auf der Bühne, später studierte er kurzzeitig Geologie, bevor er sich ganz der Musik widmete.

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Ein Familienglück, das nicht lange hielt: Roy Orbisons Ehefrau Claudette starb 1966 bei einem Motorradunfall, zwei seiner Söhne zwei Jahre später bei einem Brand seines Hauses. (Bild: Moore/Fox Photos/Getty Images)
Die ersten Schritte des Sängers im Musikgeschäft verliefen jedoch nicht geradlinig. Mit „Ooby Dooby“ landete Orbison zwar einen ersten kleineren Hit bei Sun Records, doch weitere Erfolge bleiben, auch nach einem Wechsel zum Majorlabel RCA, zunächst aus. Zwischenzeitlich arbeitete er hauptsächlich als Songschreiber für andere Künstler.
Zwei Schicksalschläge im Zeitraum von zwei Jahren

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Roy Orbisons große Hits werden immer noch gespielt. Selbst Fans wissen von seinem bewegten Leben aber nur wenig. (Bild: ARTE/Roy Orbison Estate)
Mit dem Wechsel zu Monument Records 1959 und der Unterstützung von Produzent Fred Foster begann sich seine Karriere nachhaltig zu stabilisieren. Mit „Only The Lonely“ gelang ihm 1960 sein erster großer Hit, es folgten „Crying“, „In Dreams“ und 1964 sein größter Erfolg: „Pretty Woman“. Die Inspiration für den Evergreen - wie für viele seiner Songs - lieferte seine Ehefrau Claudette, die er 1957 zum ersten Mal und 1965 - nach einer ersten Scheidung - erneut geheiratet hatte. Mit einem seiner ersten veröffentlichten Songs, dem von den Everly Brothers eingespielten „Claudette“, setzte er ihr bereits früh ein musikalisches Denkmal.

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Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratete Roy Orbison 1969 die Deutsche Barbara Jakobs. (Bild: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images)
Ihr zweites Eheglück währte jedoch nicht lange: Am 6. Juni 1966 fuhr das Paar auf einer Landstraße in Tennessee gemeinsam Motorrad. Sekunden später war alles vorbei: Ein Lastwagen nahm Claudette die Vorfahrt, Orbison musste mit ansehen, wie seine Frau tödlich verunglückt. Der Verlust traf ihn hart: Claudette war nicht nur seine Ehefrau, sondern auch die Mutter seiner drei Söhne.
Zwei Jahre später folgte der nächste unfassbare Schicksalsschlag: Orbison war im September 1968 auf Tournee in England, als ihn eine Nachricht erreichte, die alles in den Schatten stellte, was zuvor geschehen ist. In seinem Haus in Hendersonville, Tennessee, war ein Feuer ausgebrochen. Zwei seiner Söhne starben in den Flammen, nur der jüngste konnte gerettet werden.
Langjährige Freundschaft: Johnny Cash stand Orbison bei

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In den 70er-Jahren begann der Stern von Roy Orbison zu sinken. (Bild: Paul Fievez/BIPs/Getty Images)

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Mit den Traveling Wilburys - von links Bob Dylan, Jeff Lynne, Tom Petty, Roy Orbison und George Harrison - feierte Orbison kurz vor seinem Tod späte Erfolge. (Bild: Warner Music)
In dieser Phase wurde ein Nachbar zur wichtigen Stütze: Johnny Cash. Seit ihren Sun-Records-Zeiten waren die beiden Musiker befreundet, lebten in Hendersonville sogar nur wenige Häuser voneinander entfernt. Als Claudette starb, nahm der Country-Star Anteil, später kaufte Cash das Grundstück, auf dem einst Orbisons Haus stand, und pflanzte dort einen Obstbaum zum Gedenken an dessen Söhne.
Privat wagte Orbison noch einmal einen Neuanfang. 1969 heiratete er die Deutsche Barbara Jakobs. Mit ihr bekam er zwei weitere Söhne. Und auch seine Musikkarriere setzt er fort, doch Ende der 60er-Jahre war sein Stern bereits am Sinken. Nach „Pretty Woman“ blieben die ganz großen Hits aus. In den 70er-Jahren musste Orbison oft genug - 1976 sogar bei einem Konzert anlässlich seines 40. Geburtstags - vor fast leeren Rängen spielen.

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Roy Orbison starb am 6. Dezember 1988 an einem Herzinfarkt, er wurde 52 Jahre alt. (Bild: ARTE/Roy Orbison Estate)
Auch seine Gesundheit gab Anlass zur Sorge: Nachdem er sich zuvor nicht wohlgefühlt hatte, wurde er im Januar 1978 in Hawaii in ein Krankenhaus eingeliefert, wo Untersuchungen ergaben, dass seine Herzkranzgefäße stark verengt waren. Eine Notfall-Bypass-Operation rettete ihm das Leben.
Viele seiner späten Erfolge sollte Orbison nicht mehr miterleben
In den 1980er-Jahren erlebte Orbison eine späte Renaissance. Dank Regisseur David Lynch, der „In Dreams“ in seinem düsteren Meisterwerk „Blue Velvet“ (1986) als einen der zentralen Songs einsetzte, und einer Neuaufnahme seiner größten Hits für eine Compilation erfuhr Orbisons Werk neue Aufmerksamkeit - und die längst überfällige Würdigung. Als er 1987 in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen wurde, wurde er von Bruce Springsteen eingeführt, der seine Rede mit einem Verweis auf sein eigenes Album „Born To Run“ beendete: „Ich wollte eine Platte mit Texten wie bei Bob Dylan, die klang wie bei Phil Spector - aber vor allem wollte ich singen wie Roy Orbison. Nur weiß ja jeder, dass niemand so singt wie Roy Orbison.“
Doch nicht nur mit seinen Klassikern erreichte er auf einmal wieder ein großes Publikum. Als Teil der Supergroup Traveling Wilburys - an der Seite von Bob Dylan, George Harrison, Jeff Lynne und Tom Petty - sorgte Orbison 1988 für Aufsehen: Die Debütsingle „Handle With Care“ wurde zum Hit, das im Oktober 1988 veröffentlichte Album „Vol. 1“ schaffte es auf Platz drei der US-Albumcharts. Parallel dazu entstand mit seinem neuen Bandkollegen Lynne als einem der Produzenten, mit Tom Petty und seinen Heartbreakers als Band und mit Songs unter anderem von Elvis Costello und Bono und The Edge von U2 ein neues Soloalbum, das im November 1988 fertiggestellt war.
Dass er den Erfolg der Single „You Got It“ aus dem Album „Mystery Girl“ (1989), den anhaltenden Erfolg der Travelling Wilburys und die Wiederentdeckung von „Pretty Woman“ durch den gleichnamigen Film nicht mehr selbst erleben durfte, wurde zur letzten tragischen Episode in seinem Leben. Schon im November hatte er seinem Freund Johnny Cash anvertraut, dass er unter anhaltenden Brustschmerzen leide. Am 6. Dezember 1988 erlitt Orbison einen Herzinfarkt. Er wurde 52 Jahre alt. (tsch)
