Haing S. Ngor hatte die Hölle durchlebt. Seine Ermordung erschüttert Hollywood bis ins Mark.
Hollywood-SchockOscar-Gewinner überlebt Foltercamp – und wird ermordet

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Christopher Atkins, Haing S. Ngor (m) und Brooke Shields bei den Golden Globes, bei denen der Schauspieler ebenfalls ausgezeichnet wurde. (Archivbild)
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Glanz, Glamour, goldene Statuetten – doch selbst ein Oscar schützt nicht vor Gewalt. Immer wieder erschüttern tragische Verbrechen die Traumfabrik Hollywood.
Einer der schockierendsten Fälle: Ein gefeierter Oscar-Preisträger wird kaltblütig vor seinem eigenen Haus getötet. Ein Verbrechen, das bis heute Fragen aufwirft.
Haing S. Ngor wird vor seinem eigenen Haus ermordet
1996 endet das Leben von Haing S. Ngor auf brutale Weise. Der Schauspieler hatte erst wenige Jahre zuvor den Oscar als bester Nebendarsteller für seine erschütternde Rolle im Drama „The Killing Fields“ gewonnen.
Seine Lebensgeschichte ist selbst filmreif: Unter der Terrorherrschaft der Roten Khmer (1975–1979) wird der ausgebildete Arzt in Arbeits- und Umerziehungslager verschleppt.
Millionen Menschen müssen Zwangsarbeit leisten, leiden unter Hunger, Krankheiten und brutalen Misshandlungen. Zwischen 1,7 und 2 Millionen Kambodschaner sterben im Genozid. Historiker sprechen von Arbeitslagern und Tötungsstätten – wie im berüchtigten Gefängnis Tuol Sleng in Phnom Penh.
Horror der Roten Khmer: Oscar-Preisträger erlebt Folter und Hunger im Arbeitslager
Während der Haft muss Haing S. Ngor seine Identität als Gynäkologe verbergen, weil Intellektuelle und Ärzte als Feinde des Regimes gelten und hingerichtet werden. 1978 bekommt seine Frau in einem Arbeitslager schwere Geburtskomplikationen.
Ngor könnte helfen, doch er wagt es nicht, seine Ausbildung preiszugeben – das würde ihn vermutlich das Leben kosten. Es gibt keine Medikamente, keine sterile Versorgung, keine ärztliche Hilfe. Seine Frau und das Kind sterben. Später beschreibt Ngor diese Ohnmacht als größten Schmerz seines Lebens.
Flucht in die USA – Oscargewinn bringt Film- und TV-Ruhm
Nach dem Sturz der Roten Khmer flieht Haing S. Ngor in die USA und lässt sich in Kalifornien nieder, wo er als Arzt arbeitet und über den Genozid spricht. Ohne Schauspielausbildung wird er für „The Killing Fields“ engagiert, weil seine eigene Lebensgeschichte der Filmhandlung entspricht.

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Beklemmende Szene mit Haing S. Ngor aus dem Oscar-prämierten Drama „The Killing Fields“, das die Schrecken der Roten Khmer eindringlich zeigt. (Archivbild)
1985 gewinnt er den Oscar als bester Nebendarsteller und erlangt internationale Bekanntheit. In den folgenden Jahren übernimmt er weitere Rollen in Film und Fernsehen, darunter Auftritte in „Miami Vice“ und „Ein Engel auf Erden“. Auch im Kinodrama „Zwischen Himmel und Hölle“ steht er neben Tommy Lee Jones vor der Kamera. Zudem ist er in allen vier Teilen der „Vanishing Son“-Reihe zu sehen.
Schüsse vor Wohnhaus: Mord erschüttert Hollywood
Am 25. Februar 1996 wird Haing S. Ngor vor seinem Wohnhaus in Los Angeles von mehreren Tätern abgepasst. Die Männer fordern Geld und Wertgegenstände. Ngor händigt Bargeld aus, weigert sich jedoch, ein Medaillon mit dem Foto seiner verstorbenen Frau herauszugeben. Daraufhin fallen die Schüsse. Der Oscar-Preisträger stirbt noch am Tatort.
Die Ermittler gehen von einem Raubmord aus. Drei Mitglieder einer Straßengang werden später verurteilt, der Fall gilt juristisch als aufgeklärt. Dennoch hielten sich über Jahre Spekulationen über ein mögliches politisches Motiv – auch weil Ngor sich öffentlich gegen die Verbrechen der Roten Khmer engagierte.
Der Fall erschütterte Hollywood nachhaltig. Ein Mann, der Terror und Völkermord überlebt hatte, stirbt nicht im Krieg, sondern im vermeintlich sicheren Amerika. Sein Tod zählt bis heute zu den düstersten Kapiteln der Oscar-Geschichte – und zeigt, wie zerbrechlich selbst größter Ruhm sein kann. Die Dokumentation „Das Rätsel um Haing Ngor“ auf TLC erinnert an den Oscar-Preisträger und beleuchtet die Hintergründe seines gewaltsamen Todes.


