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Schauspielerin Oriana Schrage„Ist es von Belang, dass ich Jüdin bin?“

Schauspielerin Oriana Schrage auf einem undatierten Foto

Copyright: Anass Nessah

Oriana Schrage spielt die Hauptrolle im Film „Doitscha“ und kehrte zum Dreh nach Köln zurück, wo sie ihre Kindheit verbrachte.

Oriana Schrage („Doitscha“) lebt Traditionen, nicht den Glauben. Ihre Kindheit verbrachte sie in Köln.

„Sind Sie Jüdin? Das sieht man Ihnen überhaupt nicht an!“ Sätze wie diese hört Oriana Schrage (48) nicht nur als Titelfigur der großartigen Tragik-Komödie „Doitscha“ (4. November, ARD), sondern auch im wahren Leben. Nein, beim Casting sei ihr Glaube nicht von Belang gewesen, sagt sie . Und doch ist er in Interviews, selbst wenn es im Film um etwas ganz anderes gehe, immer ein Thema.

In „Doitscha“, nach dem Roman der Autorin Adriana Altaras, geht es um eben dieses Thema. Um ein Porträt deutsch-jüdischer Gegenwart. Oriana Schrage spielt eine jüdische Mutter, die zwischen ihrem katholisch-westfälischen Ehemann (Mark Waschke) und dem ältesten Sohn David (Yahli Yogev) bei religiösen Auseinandersetzungen vermitteln muss. Sie kämpft bei antisemitischen Parolen gegen die Gleichgültigkeit der Schulleitung an. Antisemitismus, den auch ihre Kinder im wahren Leben schon erlebt haben: „Da haben die Mitschüler wohl ungefiltert weitergegeben, was sie zu Hause gehört haben.“

Warum erwartet man von jüdischen Schauspielenden, Stellung zu Israel zu beziehen?

Natürlich haben sie und ihr Ex-Mann, der Schweizer Autor Micha Lewinsky, sich an die Schulleitung gewandt. Das ist ein Thema, das sie persönlich betrifft. Doch sie verstehe nicht, warum man von jüdischen Schauspielenden generell erwarte, Stellung zu Israel zu beziehen. „Ist es immer von Belang, dass ich Jüdin bin?“, fragt sie. Warum werde sie – das thematisiert auch der Film – immer wieder dazu aufgefordert, sich zu positionieren, fragt sich die Deutsch-Brasilianerin, die ihre Kindheit in Köln verbrachte („Beim Dreh in Köln war ich wieder ganz fasziniert von den grünen Papageien“).

Sie lebte nur kurz in Israel, ist schon lange mit ihrer Familie in der Schweiz beheimatet. „Ich kenne mich in der israelischen Innenpolitik nicht aus, spreche noch nicht einmal Hebräisch.“ Jeder habe ein Anrecht, Regierungen zu kritisieren, das gehöre zur Demokratie, aber sie könne sich da eher ein Urteil über die Schweiz als über Israel erlauben – oder über die Einhaltung der Menschenrechte.

Adriana (Oriana Schrage, l.) verabschiedet die Journalistin (Bettina Böttinger).

Copyright: © WDR/Storytelle/Andreas Dobslaf

Kleine Gastrolle für Bettina Böttinger. Sie spielt eine übergriffige Journalistin, die der Jüdin Adriana (Oriana Schrage) am liebsten eine Kippa fürs Foto aufsetzen würde.

Weiteres Beispiel, das sie immer wieder verwundert: Wenn der Verfasser eines neuen Romans Jude sei, lese man „der jüdische Autor“. Den „katholischen Autor“ suche man hingegen vergebens. „Das zeigt doch, wie unentspannt hierzulande mit dem Judentum nach wie vor umgegangen wird“, sagt sie. Sie selbst und ihre Familie würden, ähnlich wie viele Angehörige anderer Religionen, weniger religiös leben, sondern vielmehr jüdische Familientraditionen hochhalten. Essen, Gesänge, bestimmte Werte. Oriana Schrage: „Meine Mutter hat mich da sehr geprägt und uns immer gesagt, wie wichtig Bildung ist. Die könne uns keiner nehmen, wenn wir fliehen müssen und nichts mitnehmen können.“