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Neues Album von James BluntSo witzig geht er mit seinem Image um

Schmusesänger mit Hang zur Selbstironie: Niemand macht sich unterhaltsamer über James Blunt lustig als Blunt selbst. (Bild: 2026 Getty Images/Eamonn M. McCormack)

Copyright: 2026 Getty Images/Eamonn M. McCormack

Schmusesänger mit Hang zur Selbstironie: Niemand macht sich unterhaltsamer über James Blunt lustig als Blunt selbst. (Bild: 2026 Getty Images/Eamonn M. McCormack)

James Blunt hat Musikgeschichte als einer der bestverkauften Künstler der Nullerjahre geschrieben. Dass seine Musik dennoch nicht sonderlich gut ist, ist zu einem Running Gag geworden - auch wegen Blunts eigenem Talent für eine Selbstironie, die so gnadenlos wie witzig ist.

Von wem stammt das im Großbritannien der Nullerjahre meistverkaufte Musikalbum? Von Amy Winehouse vielleicht, die 2006 mit „Back To Black“ einen mehrfach Grammy-prämierten Soul-Klassiker veröffentlichte? Oder vielleicht von Coldplay, die im Verlauf der Dekade zu einer der größten Pop-Rock-Bands des Planeten aufstiegen? Oder was es vielleicht doch US-Rapstar Eminem, der am Anfang des Jahrzehnts die Erfolgswelle seiner „Marshall Mathers LP“ ritt?

Weit gefehlt. Der Titel ging weder an eine unter Kritikern, Fans und Musikern respektierte Ausnahmekünstlerin wie Winehouse noch an einen einflussreichen Rapper und kulturellen Monolithen wie Eminem. Und auch Coldplay, deren Ansehen heute zwar nicht mehr dasselbe ist, denen aber selbst von Kritikern zumindest nachgesagt wird, einmal gut gewesen zu sein, können diesen Triumph für sich reklamieren.

Stattdessen gelang dieses Kunststück jemandem, der seit jeher mehr als eine Art unfreiwilliger musikalischer Witz gilt, nämlich dem Schmusepop-Sänger James Blunt, dessen Hit „You're Beautiful“ 2005 derart allgegenwärtig war, dass er so manchem vom bloßen Lesen des Titels vermutlich schon wieder zum Hals raushängt. Dessen Album „Back To Bedlam“ gebührt der Ruhm - weltweit wurde die 2004 veröffentlichte Platte in den Nullerjahren über 12 Millionen Mal verkauft.

James Blunt ist sein eigener witzigster Kritiker

Gemessen an den Verkaufszahlen seiner Platten, ist James Blunt einer der größten UK-Popstars aller Zeiten. Die stehen jedoch in einem krassen Widerspruch zu seinem Ruf als Künstler. Kaum ein Kritiker überschlägt sich vor Lob, wenn der heute 52-Jährige ein neues Album veröffentlicht - das wird auch am Freitag, 6. November 2026, nicht anders sein, wenn er sein achtes Studioalbum „Airplane Mode“ veröffentlicht.

Trotzdem wäre es nur die halbe Wahrheit, würde man behaupten, dass der Künstler James Blunt einen schlechten Ruf genießt. Denn die zahlreichen, vor allem im Internet kursierenden Witze über die vermeintlich schlechte Qualität seiner Musik scheinen dem Sänger kaum etwas auszumachen. Im Gegenteil: Kaum jemand haut James Blunt so humorvoll in die Pfanne wie Blunt selbst.

Seine Fähigkeit zur Selbstironie hat sein Image von dem eines nichtssagenden Schnulzensängers zu dem eines der unterhaltsamsten Stars in den Sozialen Medien gewandelt. Schon in den 2010er-Jahren fing der Brite an, diese Seite von sich zu offenbaren. In den frühen Jahren von Twitter antwortete er regelmäßig auf Tweets von Usern, die seine Musik teils aufs Übelste beleidigten. „Wenn ein Mann für mich einen James-Blunt-Song rezitieren würde, müsste ich kotzen“, schrieb eine Frau etwa 2014. Blunts schlagfertige Replik: „Und ich wäre dazu bereit, dir dabei die Haare zurückzuhalten.“

Die schlagfertigen Twitter-Repliken des James Blunt

Ein anderer User fragte ungläubig: „Es gibt ein Best-of von James Blunt? Wirklich?“ „Jepp“, antwortete Blunt und fügte in Anspielung auf den einen Song von ihm, den jeder kennt, hinzu: „Es heißt 'Greatest Hit'.“ Und als jemand in einem Tweet laut überlegte, ob Bunt wohl „sein 'You're Beautiful'-Geld ausgegangen“ sei, antwortete der nur: „Hahahahahahahahahaha! Nein.“ Selbst diejenigen, die sich als seine Fans outen, sind vor Blunts selbstironischem Humor nicht sicher. „Warum tourt James Blunt nie in Schottland?“, beschwerte sich etwa eine Anhängerin. „Weil die Schotten Geschmack haben“, lautete dessen trockene Replik.

Auch in harten Zeiten ist Verlass auf Blunts typisch britischen Humor. Ende 2016, dem Jahr zahlloser Prominententode, des Brexit und der - ersten - Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, postete er: „Wenn ihr gedacht habt, 2016 war schlimm: Ich werde 2017 ein Album veröffentlichen.“ Und als während der Corona-Pandemie die Veranstaltungshallen dieser Welt leer blieben, verkündete er eine geradezu selbstlose Geste: „Andere Künstler geben während dem Lockdown Mini-Konzerte aus ihren Wohnzimmern. Ich dachte, ich tu euch allen einen Gefallen und lasse das sein.“ Als Spotify in Kritik stand, dem Podcaster Joe Rogan trotz Desinformation zum Thema Impfungen eine Plattform zu bieten, fiel Blunts Drohung besonders hart aus: „Wenn Spotify nicht sofort Joe Rogans Podcast entfernt, werde ich auf ihrer Plattform neue Musik veröffentlichen!“

Als praktischen Gag kann man indes eine Praxis bezeichnen, die in Blunts eigenem Pub angewandt wird. Wenn es Zeit wird, die letzten Gäste auf den Heimweg zu schicken, um endlich schließen zu können, sollen die Mitarbeiter zu einem Song greifen, der selbst den hartnäckigsten Trinker in die Schlucht schlägt: „You're Beautiful“. Auch wenn sich sein Humor nicht in seiner Musik übersetzt: Durch seinen witzigen Umgang mit dem eigenen Image hat sich James Blunt seine Stellung als Popstar im Social-Media-Zeitalter mehr als verdient. (tsch)