Nick Nolte gehörte zu den Wilden in Hollywood. Er drehte großartige Filme, erlebte aber auch künstlerische und persönliche Abstürze. Heute steht der Schauspieler wieder fest auf den Beinen. Nun feiert er seinen 85. Geburtstag.
Nach einem Leben auf der ÜberholspurWas macht eigentlich Nick Nolte?

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Der große Schauspieler Nick Nolte feiert am 8. Februar seinen 85. Geburtstag. (Bild: Getty Images)

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Nick Nolte blieb trotz persönlicher und beruflicher Rückschläge produktiv. Zuletzt sah man den Schauspieler in Lynne Ramsays Drama „Die My Love“. (Bild: Amy Sussman/Getty Images)
Dass er langweilig ist, das kann man von ihm wirklich nicht sagen. Nick Nolte ist als Schauspieler so vielseitig, wie man es nur sein kann, und auch als Mensch hat er die Welt, in seinen jüngeren Jahren zumindest, mal verzaubert, mal in Atem gehalten, immer aber fasziniert in seiner Nichtangepasstheit und Wildheit. Auch damit - oder trotzdem? - hat er es weit gebracht, dieser Hollywood-Star von Weltformat. Am 8. Februar feiert Nolte nun seinen 85. Geburtstag.
Seine Karriere als Filmschauspieler begann Nolte während der kurzen New-Hollywood-Phase, doch es war eine Fernsehserie, „Im wilden Westen“, bei der er zum ersten Mal vor der Kamera stand. Erfahrung hatte er da schon als Bühnendarsteller gesammelt. Beim Fernsehen blieb er erstmal. 1974 war er in einer Folge von „Die Straßen von San Francisco“ zu sehen, in jener Serie, die Michael Douglas eine Anstellung in der Traumfabrik ermöglichte.

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Einer der größten Erfolge von Nick Nolte und Eddie Murphy: In Walter Hills Action-Komödie „Nur 48 Stunden“ spielten die beiden einen Poliisten (Nolte) und einen Ex-Knacki, die Jagd auf einen skrupellosen Gangster machen. (Bild: kabel eins / Paramount Pictures)
Wollte man den Film ausmachen, mit dem Nolte seinen eigenen Durchbruch hatte, dann wäre das „Dreckige Hunde“ (1977), ein genauso schonungsloser wie spannender Antikriegsfilm von Karel Reisz (“Samstagnacht bis Sonntagmorgen“), dem zwar kein finanzieller Erfolg beschieden war, der aber den Machern und vor allem dem Hauptdarsteller Nolte viel Kritikerlob einbrachte. „Herausragend“, hieß es, sei Nolte gewesen in der Rolle eines Vietnam-Veteranen, der sich als Drogenschmuggler hergibt.
Viele glänzende Rollen

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In Barbra Streisands (Bild) spielte Nick Nolte eine seiner differenziertesten Rollen. Für seine Leistung als traumatisierter Football-Trainer erhielt er seine erste von drei Oscar-Nominierungen. (Bild: Columbia TriStar Pictures)
Noltes Aufstieg war rasant, und in den 1980-ern half er sogar mit, ein Genre aus der Taufe zu heben. Mit Walter Hill als Regisseur und Eddie Murphy als Kollege drehte er 1982 „Nur 48 Stunden“, in dem Action, Komödie und das immer effektvolle Buddy-Motiv gemischt waren. Danach sah man sie immer wieder im Kino: Hitzköpfe, die widerwillig im Kampf gegen das Böse zusammenarbeiten und am Ende doch Buddys werden. Hill war Meister in diesem Fach, 1988 drehte er mit Arnold Schwarzenegger und James Belushi „Red Heat“ und zwei Jahre später noch einmal mit Nolte und Murphy „Und wieder 48 Stunden“.

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Nick Nolte und Robert Redford (rechts) in „Picknick mit Bären“. (Bild: ARD Degeto / Broad Green Pictures)
In den 1990-ern liegt der Höhepunkt von Noltes Karriere, keine Frage. Große Filme drehte er in dieser Zeit mit großen Regisseuren. Mit Martin Scorsese den Psycho-Thriller „Kap der Angst“ (1991), mit Robert Altman die Hollywood-Satire „The Player“ (1992), mit George Miller das Drama „Lorenzos Öl“ (1992), mit James Ivory die Filmbiografie „Jefferson in Paris“ (1995), mit Oliver Stone den Thriller „U-Turn - Kein Weg zurück“ (1997), mit Terrence Malick das Kriegsepos „Der schmale Grad“ (1998).
Zu seinem wohl differenziertesten Spiel verhalf ihm allerdings eine Frau. In Barbra Streisands hochgelobter Regiearbeit „Herr der Gezeiten“ (1991) erspielte sich Nolte mit der Rolle eines traumatisierten Football-Trainers, der sich in seiner Psychotherapeutin verliebt, seine erste von drei Oscar-Nominierungen. In dem Jahr hatte er mit Robert De Niro (“Kap der Angst“), Anthony Hopkins (“Das Schweigen der Lämmer“) und Warren Beatty (“Bugsy“) um den Preis konkurriert. Der Filmkritiker Michael Althen war sicher: Die drei hätten gegen Nolte „keine Chance“. Am Ende setzte sich aber doch Hopkins durch.
Schattenseiten des „sexiest Man“

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Anders als das Original „Honig im Kopf“ war das englischsprachige Remake „Honey in the Head“ ein Flop. In der Tragikomödie spielt Nick Nolte einen dementen Großvater. (Bild: Warner Bros. Entertainment)
In jener Zeit blühte Nolte auch als Mann ganz auf, er galt gar als Sexsymbol, was ihm das Magazin „People“ 1992 mit dem Titel „sexiest man alive“ attestierte. Doch die Zeit hat seither tiefe Spuren auf seinem Körper hinterlassen - und Nolte half mit seinem Lebenswandel kräftig mit. Indem er ein Leben auf der Überholspur führte und vor allem: indem er viel rauchte und noch mehr trank. Zu viel trank. Spätestens 2002, als er wegen Autofahrens unter Betäubungsmittel-Einfluss verhaftet wurde, war nicht mehr zu übersehen, dass er ein Alkohol- und Drogenproblem hatte.
„Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich noch lebe“, sagte Nolte 2021 der „Bild“-Zeitung. Wunder ist zu viel gesagt, es schmälert die Eigenleistung. Denn Nolte hatte sich entschieden, die Notbremse zu ziehen, und die Geburt seiner Tochter Sophie 2007, seines zweiten Kindes, war der Anstoß dafür. „Ich muss diesen Kampf jetzt gewinnen. Es ist mein Herzenswunsch, Sophie aufwachsen zu sehen und immer für sie da zu sein“, sagte er laut der US-Zeitung „National Enquirer“. Den Kampf gegen die Sucht will Nolte schließlich gewonnen haben, auch dank eines Entzugs in einer Privatklinik im Schwarzwald.
„Ich stehe noch auf meinen eigenen zwei Beinen - das ist Jubel genug für mich“, sagte er vor fünf Jahren der „Bild“. Jubeln dürfen auch seine Fans, denn auch als Schauspieler steht Nolte wieder fest auf beden Beinen. Auch wenn die Tiefpunkte und der Einschnitt im Leben sich kaum in seiner Arbeit geäußert hatten. Nolte blieb produktiv und ist es bis heute. Am auffälligsten war er zuletzt unter anderem mit „Picknick mit Bären“ (2015), als dementer Großvater in „Head Full Of Honey“ (2018), dem englischsprachigen Remake von „Honig im Kopf“, und zuletzt mit dem Amour-fou-Drama „Die My Love“ (2025) von Lynne Ramsay. Der Oscar aber, der blieb ihm bis heute verwehrt. Vielleicht ist das die Quittung, die Unangepassten hatten es nie leicht in der Traumschmiede Hollywood. (tsch)

