Zeigt das Erfolgs-Biopic „Michael“ das Leben des „King of Pop“ in einem allzu unkritischen Licht? Nun hat sich Oscar-Preisträger Spike Lee in die Debatte um den Michael-Jackson-Film eingeschaltet.
Missbrauchsvorwürfe ausgeblendet? Regie-Ikone verteidigt Michael-Jackson-Biopic gegen Kritik

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Jafaar Jackson, der Neffe von Michael Jackson, schlüpft in „Michael“ in die Rolle des größten Popstars aller Zeiten. (Bild: Lionsgate/Glen Wilson)
Es ist der Kino-Kassenschlager der Stunde, aber auch einer, an dem sich viel Kritik entzündet. Das Biopic „Michael“ erzählt den Werdegang von Pop-Superstar Michael Jackson als Heldengeschichte. In der Hauptrolle glänzt Jaafar Jeremiah Jackson. Der 29-Jährige ist der Sohn von Jermaine Jackson, einem Bruder des 2009 gestorbenen „King of Pop“.
Was der von Antoine Fuqua inszenierte Film jedoch gänzlich ausspart, sind die dunklen Kapitel im Leben des Michael Jackson. Kein Wort, keine Szene zu den Missbrauchsvorwürfen, die das Ansehen des Sängers in seinen letzten Karriere-Jahren schwer belasteten. Nun hat Oscar-Preisträger Spike Lee zu der vor allem in den USA kontrovers geführten Debatte Stellung bezogen. Der Star-Regisseur (“Malcolm X“) verteidigte „Michael“ vehement.

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Anders als viele Landsleute und Kritiker hat US-Regisseur Spike Lee kein Problem mit dem Biopic „Michael“. (Bild: 2026 Getty Images/Anna Webber)
Gegenüber dem Sender CNN verwies Lee darauf, dass die Filmhandlung im Jahr 1988 ende. Die Vorwürfe des Kindesmissbrauchs seien erst später laut geworden. „Man kritisiert den Film für etwas, das man in ihm vermisst, das aber nicht auf seine Zeitachse passt“, sagte der 69-Jährige. Zudem spreche die Publikumsresonanz für sich: „Auf der ganzen Welt sind die Leute ins Kino gegangen und haben ihre Liebe gezeigt.“ Er selbst, so Lee weiter, habe mit Michael Jackson zusammengearbeitet. Er bezeichnete ihn als „Bruder“ und „wunderbaren Menschen“.
„Michael“ hat schon über 400 Millionen US-Dollar eingespielt
Mit einem vorläufigen Einspielergebnis von über 400 Millionen US-Dollar weltweit ist „Michael“ in der Tat der erhoffte Kassenschlager geworden. Ursprünglich hätte der Film schon 2025 in die Kinos kommen sollen. In der zunächst geplanten Fassung hätte die Handlung erst im Jahr 1993 geendet. In jenem Jahr hatte der damals 13-jährige Junge Jordan Chandler gegenüber Ermittlern seinen angeblichen Missbrauchserfahrungen beschrieben. Die Untersuchung wurde nach einem außergerichtlichen Vergleich und einer Abfindungszahlung eingestellt.
Aufgrund der zwischen den Parteien vereinbarten Bedingungen des damaligen Vergleichs mussten die entsprechenden Szenen jedoch entfernt und der Film in Teilen neu gedreht werden. In seiner Darstellung kritischer wäre „Michael“ jedoch auch in der Ursprungsversion wohl nicht gewesen. Laut Berichten des US-News-Portals „Puck“ war vorgesehen, den Sänger als naives Opfer einer geldgierigen Familie darzustellen. (tsch)
