Comedian Markus Krebs hat über seinen schlimmsten Aushilfsjob, seine Zeit als Hooligan des MSV Duisburg und seine eigenen Regeln für Witze gesprochen.
Markus Krebs„Früher Hooligan – jetzt bringe ich Leute zum Lachen“

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Auf der Bühne erzählt Markus Krebs (hier auf einem undatierten Foto) „schlimme“ Flachwitze – umwoben von Geschichten „aus'm Leben“.

Flache Witze, Sonnenbrille, Wollmütze – und ne ordentliche Portion Ruhrpottschnauze: Markus Krebs startete mit 41 Jahren als Comedian durch – da half zunächst Meister Zufall. Der Rest ist erarbeitet.
15 Jahre nach seinem Durchbruch feiert der Duisburger Bühnengeburtstag im Rahmen des Cologne Comedy Festivals. Anlass genug für einen großen EXPRESS-Talk.
Markus Krebs: So kam er auf die Comedy-Bühne
Herr Krebs, Sie feiern im November 15-jähriges Bühnenjubiläum. Dass es dazu kommt, ist einem Zufall zu verdanken. Erzählen Sie.
Markus Krebs: Ich war beim Niederrheinischen Comedypreis in Dinslaken im „Ulcus“. Mein Bruder hatte eine Eventfirma, ich stand für ihn an der Kasse. Dann ist einer ausgefallen – und mein Bruder fragte mich, ob ich auf der Bühne nicht ein paar Witze erzählen könnte. Und dann habe ich am Ende das Ding gewonnen. Ich dachte: Wenn den Leuten das gefällt, mach ich das eben. Ich habe meine Mutter angerufen und ihr gesagt, ich würde jetzt Comedy machen. Sie: „Geil, dann können wir dich ja weiter finanziell unterstützen.“ Es hat sich letztlich zum Besseren gewandt und ich möchte nichts anderes mehr machen.
Ein Moment also, der alles veränderte …
Markus Krebs: Wichtiger war dann noch der Comedy Grand Prix bei RTL, den ich gewinnen konnte. Das Datum habe ich mir auch tätowieren lassen, den 18.11.2011. Es ist nicht alles positiv, was ich dann erlebt habe und ich würde einiges heute anders angehen. Ich wollte einfach Comedy machen und habe nicht nach links und rechts geguckt – und dann hast Du plötzlich Freunde, die du nicht brauchst.

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Prost! Auf der Bühne – und meist auch sonst – gibt's für Markus Krebs (hier 2023 in Dinslaken) aber alkoholfreies Bier.
Welche Regeln setzen Sie sich selbst in Bezug auf Witze?
Markus Krebs: Ich sage am Anfang immer: „Es gibt keine Botschaft. Ihr nehmt hier nix mit“. Ich mache keine religiösen und keine politischen Witze. Bei Politik hast du sowieso so viele Meinungen, ich mache meine mit mir selbst aus, und mit Kirche habe ich nicht viel mit anne Brause. Witze gehen natürlich unter die Gürtellinie, aber ich versuche, sie so charmant wie möglich rüberzubringen.
Was kommt beim Jubiläumsprogramm „15 Jahre Markus Krebs – Das Beste aus 6 Live-Programmen“ am 2. November im E-Werk in Köln auf die Zuschauer zu?
Markus Krebs: Ich möchte so viel wie möglich da reinbringen! Aktuell bin ich noch auf Tour, spiele etwa zwei Stunden fünfzehn. Dabei überfordere ich das Publikum auch manchmal, weil ich zu schnell rede und sie sich dadurch einen Witz nicht merken können. Was wiederum gut ist, weil sie dann wieder kommen, um das Programm noch einmal zu hören (lacht). Die Jubiläumsshow wird auch für RTL aufgezeichnet, darüber freue mich mehr sehr, weil bei RTL meine Anfänge waren. Ich muss jetzt zur Vorbereitung meine CDs hören. Und das kann ich ja gar nicht! Ich höre meine Stimme so ungern! Und ich kann mich auch im Fernsehen nicht gut sehen. Das ist für mich ganz schrecklich.
Der Jubiläums-Auftritt findet im Rahmen vom Cologne Comedy Festivals statt. Was verbinden Sie mit dem Festival?
Markus Krebs: Meine ersten Auftritte waren in diesem Rahmen. Das Festival ist 'ne super Sache, weil es in den letzten Jahren immer vielfältiger wurde und ich mich jedes Jahr auf das Wiedersehen mit allen Comedy-Kollegen freue. Jetzt gibt es hier ja sogar den weltklasse NightWash-Club, in dem ich auch schon auftreten durfte.
Das 36. Cologne Comedy Festival
- Markus Krebs' Auftritt am 2. November im E-Werk (Tickets ab 49 Euro) ist Teil des 36. Cologne Comedy Festivals vom 20. Oktober bis 9. November. Große Eröffnung wird am 21. Oktober mit der „1Live Comedy-Nacht XXL “ in der Arena Oberhausen gefeiert, und am 22., 23. und 24. Oktober in der Kölner Lanxess-Arena Moderator Osan Yaran begrüßt Comedystars wie Torsten Sträter, Johann König, Bastian Bielendorfer, Pam Pengco und Newcomer wie Jerry Vsan, Ana Lucía und Björn von Morgenstern.
- Weitere Highlights sind etwa eine Live-Version von „Sketch History“, unter anderem mit Matthias Matschke und moderiert von Bastian Pastewka am 1. November. Am 3. November liest Christoph Maria Herbst mit Autor Ralph Husmann aus dessen Buch „STROMBERG: Büro ist besser als richtig arbeiten“ im Kölner Tanzbrunnen. Michael Mittermeier tritt unter anderem am 4. November im Nightwash-Club auf. Es gibt noch etliche weitere Veranstaltung an über 30 Locations.
Sie hatten vor Ihrer Comedykarriere allerlei andere Berufe. Busfahrer, Baumarktleiter, in der Gastro ... Welcher war der Schlimmste?
Markus Krebs: Ich war damals mal in der Oberhausener König-Pilsener-Arena – heute heißt sie Rudolf-Weber-Arena – Brezelverkäufer bei einem Schlagerkonzert. Mit so einem Korb auf dem Rücken. Es war eigentlich unmöglich, die gleichzeitig zu verkaufen, Geld zu wechseln und so weiter. Noch als sie sich eingesungen haben – ist auch gar nicht meine Musik – bin ich zum Veranstalter, hab ihm alles zurückgegeben und war weg. Respekt auch für die, die im Stadion Bier verkaufe, das ist ein Knochenjob. Wie oft ich da die Treppen hoch und runter bin, das möchte ich nicht nochmal machen. Sonst hatte ich immer viel Glück mit meinen Job.
Angenommen, Sie müssten etwas anderes machen – der Beruf „Comedian“ würde abgeschafft. Was wäre es?
Markus Krebs: Auf jeden Fall was mit Fußball. Etwas, wobei ich Spiele gucken und Spieler sichten kann. Das wollte ich mal mit dem Thomas Gill machen, dem ehemaligen Torwart beim MSV und Norweger. Wir wollten nach Norwegen und norwegische Talente rüber holen. Lag an mir, dass es nicht geklappt hat, ich hatte gar keine Zeit. Das wäre interessant gewesen, wir haben uns in Oslo getroffen und haben darüber gesprochen. Thomas Gill macht es tatsächlich – und ist dabei sehr erfolgreich.
Apropos Fußball. Sie waren früher als Hooligan unterwegs. Wie denken Sie jetzt darüber?
Markus Krebs: Die ganze Szene hat sich inzwischen völlig gedreht. Wir waren zum Beispiel überhaupt nicht politisch. Ob wir da eine Kanzlerin oder einen Kanzler hatten, wusste die Hälfte vermutlich gar nicht. Heute ist viel Politik im Stadion. Das mag ich nicht so sehr. Inzwischen ist das Ganze bei mir völlig raus. Manche brauchen ja noch diesen zusätzlichen Nervenkitzel, das fehlt bei mir. Aber: Dass ich Hooligan war, ist mit ein Grund, warum ich zum Comedy Grand Prix eingeladen worden bin. Die wussten von mir nichts, aber die wollten jemanden mit einer Geschichte: „Oh, der war mal Hooligan, jetzt macht er Comedy, das ist interessant!“
Wie lang ging diese Phase?
Markus Krebs: Ich weiß eigentlich gar nicht, ob ich mich unbedingt als Hooligan bezeichnen würde – ich war auch in Unterhaching, wo nichts passierte. Aber – wenn was passiert ist, war man eben dabei, man hat damals gesagt: Wir haben sie uns gepackt. Das fing an mit 17, so mit 27 hörte es wieder auf. Ich habe mit 24 geheiratet, und meine Frau hat das nicht so gefeiert. Es ist jetzt ein anderes Leben, das ist gut so. Das sollte man auch nicht feiern, dass man mal so drauf war. Es gibt schon genug Gewalt.

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Markus Krebs bei der Aufstiegsfeier des MSV 2025 mit der Mannschaft der „Zebras“ – und Meisterschale
Warum haben Sie es dann gemacht?
Markus Krebs: Ich bin nie mit Hass irgendwo hingefahren. Ich habe es sportlich gesehen, das werden die meisten nicht verstehen. Jetzt bringe ich die Leute zum Lachen, das macht auch mehr Spaß.
Letztlich hauen sich die Hooligans ja auch im gegenseitigen Einverständnis auf die Nasen, oder?
Markus Krebs: Ja, solange sie unter sich bleiben und die anderen Leute in Ruhe gelassen werden – lass‘ sie sich doch auf die Schnauze hauen. Die Krankenkassen werden vielleicht noch etwas dagegen haben.
Sie sind aber immer noch glühender MSV-Duisburg-Fan ...
Markus Krebs: Seit ich fünf Jahre alt war, gehe ich ins Stadion, damals mit meinem Vater. Es gab nie eine Pause, der MSV war immer für mich da. Ich bin in Duisburg geboren und dann gab es nichts anderes. Das hat man vor allem damals so drin gehabt. Die Liebe zum Verein geht nicht weg. Als wir das Derby gegen Düsseldorf verloren haben, hatte ich kurz darauf einen Auftritt. Da musste ich mich innerlich wirklich bespaßen, dass ich wieder in die Gänge komme.
Die Mütze und die Sonnenbrille sind Ihr Markenzeichen. Eine Verkleidung?
Markus Krebs: Das war auch Zufall! Damals, beim allerersten Auftritt, von dem ich erzählt habe, hatte ich Strabismus – ich habe geschielt. Ich kann auf dem rechten Auge nicht sehen und das wurde damals nicht geradegestellt. Das wäre eine Schönheits-OP gewesen und das Geld war nicht da. Ich wollte so nicht auf die Bühne und habe mir eine Sonnenbrille aufgesetzt. Das allein sah doof aus. Wir hatten November und ich hatte eine Ruhrpott-Mütze mit …
Wir kommen nicht drumherum. Ihr liebster Witz? Hauen Sie raus.
Markus Krebs: Ich habe als Kind zwei Witze erfunden. Der erste war: Treffen sich zwei Angler. Sagt der eine: Und, beißen die Fische? Sagt der andere: „Nee, die kannste ruhig streicheln“. Mein anderer Lieblingswitz ist der hier – der kann wirklich alles. Versteht nur nicht jeder. Sitzen zwei Kollegen an der Theke. Fragt der eine: „Und, was machst du so im Moment?“ Sagt der andere: „Wir machen jetzt Musik im Quartett.“ – „Wie viele seid ihr denn?“ – „Drei Mann“. – „Wer denn alles?“ – „Mein Bruder und ich.“– „Du hast einen Bruder?“ – „Nö.“
Später Staert als Comedian
Markus Krebs, geboren am 26. Juli 1970 in Duisburg, stand 2008 zum ersten Mal als Comedian auf einer Bühne, also mit 38 Jahren. Da gewann er den Niederrheinischen Comedy-Preis. 2011 Sieg beim „Comedy Grand Prix“ bei RTL – Startschuss für seine Karriere als Comedian. Auftritte in TV und Radio folgten, u. a. bei Kaya Yanar, Bülent Ceylan, „TV Total“ und „Genial daneben“.
Vor dieser Karriere hat der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann als Schulbusfahrer, stellvertretender Baumarktleiter und in der Gastronomie gearbeitet. Krebs ist Mitglied beim Fußballverein MSV Duisburg. Er setzt sich für die Stiftung „Rolli-Rockers-Sprösslinge“ ein, die sich um benachteiligte und behinderte Kinder kümmert. Krebs ist liiert, hat einen Sohn und wohnt weiterhin in Duisburg.
