Deutscher Filmpreis: Droht ein Eklat um Ministerin Roth?
Lola-Gala mit ZündstoffSenta Berger hofft auf Preis, Minister Weimer droht ein Eklat

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Der Deutsche Filmpreis wird am Freitag verliehen. (Archivbild)
Filmpreis-Gala vor dem Eklat? Chef mit klarer Ansage zu Buhrufen für Ministerin. Am Freitagabend (29. Mai) blickt alles auf den Deutschen Filmpreis. Doch die Sorge ist groß: Es geht nicht nur um die Goldene Lola, sondern auch um eine Ministerin, die für einen Eklat sorgen könnte.
Bei der anstehenden Verleihung des Deutschen Filmpreises sind in diesem Jahr gleich mehrere Punkte ungeklärt. Wer gewinnt zum Beispiel die Goldene Lola? Und wie wird die Veranstaltung wohl ablaufen, bei der Kulturstaatsministerin Claudia Roth nach zahlreichen Auseinandersetzungen auf die Filmszene trifft?
Manchmal gibt es eine Vorahnung, welcher Beitrag die Trophäen gewinnen könnte, doch dieses Mal stehen gleich mehrere Anwärter im Fokus. „Es sind sehr starke, sehr gelungene Filme“, erklärt Regisseur Florian Gallenberger, der zusammen mit der Schauspielerin Vicky Krieps die Deutsche Filmakademie führt. Beide werden an diesem Freitag (29. Mai) die Preise im Berliner Palais am Funkturm mit übergeben.
Ähnlich wie bei den Oscars in den USA entscheiden die etwa 2.400 Mitglieder der Akademie über die Gewinnerinnen und Gewinner. Die meisten Nennungen erhielt das Drama „In die Sonne schauen“ von der Regisseurin Mascha Schilinski. Der Film, der auch als deutscher Beitrag für die Oscars eingereicht wurde, es dort aber nicht in die engere Auswahl schaffte, ist elfmal nominiert.
Eine Auszeichnung für Senta Berger?
Neun Nominierungen kann das Politdrama „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak vorweisen, das bereits den Goldenen Bären der Berlinale erhielt. Siebenmal vorgeschlagen ist die Romanadaption „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Simon Verhoeven. Seine Mutter Senta Berger könnte für ihre Darstellung in dem Film den Preis als beste Hauptdarstellerin erhalten. Auch ihr Filmpartner Bruno Alexander hat gute Aussichten auf eine Lola.

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Senta Berger ist für ihre Rolle in «Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke» nominiert. (Archivbild)
Das Drama „Das Verschwinden des Josef Mengele“ des im Exil lebenden russischen Regisseurs Kirill Serebrennikow hat ebenfalls sieben Nominierungen. Es handelt sich um einen brutalen und erschütternden Film mit August Diehl in der Rolle des NS-Arztes, den man keinesfalls unterschätzen sollte. Zwei weitere Titel bewerben sich um die Goldene Lola für den besten Spielfilm: das Drama „Amrum“ von Fatih Akin und die Verfilmung des Romans „22 Bahnen“ von Mia Maariel Meyer.
Im Wettbewerb stehen also sehr verschiedene Filme, die jeder auf seine Weise überzeugen. „Wenn man in manchen Jahren manchmal denkt: ‚Ich habe ein recht gutes Gefühl, welcher Film abräumen wird‘ - das ist diesmal überhaupt nicht so“, teilte Gallenberger der Deutschen Presse-Agentur mit. „Also ich weiß nicht, was das Ergebnis sein wird. Das, finde ich, ist eine gute Sache.“
Roth trifft auf die Filmbranche
Man weiß noch nicht, was der Abend bereithält – das betrifft auch einen anderen Aspekt: Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) wird zum ersten Mal seit der Auseinandersetzung um die Berlinale wieder auf die deutsche Filmwelt treffen. Laut ihrem Ministerium ist ihre Anwesenheit vorgesehen.
Roth hatte in den letzten Monaten für Kontroversen gesorgt, unter anderem, weil sie drei linke Buchhandlungen aufgrund von „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“ vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen hatte. Was den Buchläden konkret vorgeworfen wird, ist unbekannt. Bei einer Veranstaltung auf der Leipziger Buchmesse erntete sie Buhrufe.
In der Filmwelt regte sich im Februar Widerstand, nachdem die „Bild“-Zeitung gemeldet hatte, Festivalleiterin Tricia Tuttle solle nach propalästinensischen Äußerungen bei der Berlinale entlassen werden. Roth ließ diese Meldungen tagelang unkommentiert. Letztendlich behielt sie ihre Position. Viele in der Filmbranche hatten sich solidarisch mit ihr gezeigt. Auch die Filmakademie äußerte damals Bedenken wegen politischer Einmischung.

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Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wird erwartet. (Archivbild)
„Das kann man nicht vorher abfedern“
Könnte Roth also auch in Berlin auf Ablehnung stoßen und ausgebuht werden? „Ich habe kein Problem damit, wenn Leute ihre Meinung kundtun, auch wenn sie negativ ist. Meinungsäußerung muss möglich sein. Aber der Abend soll eigentlich den Nominierten und den Preisträgerinnen und Preisträgern gehören“, meint Gallenberger. Falls es geschieht, dann geschieht es. „Das kann man nicht vorher abfedern.“
Gallenberger plädiert für Kooperation und Mäßigung, was gerade in der heutigen Zeit eine bedeutende Eigenschaft sei. „Ich glaube, dass wir alle im besten Falle voneinander profitieren können, und im schlechtesten Falle blockiert man sich gegenseitig.“ Er könne sich vorstellen, dass auch Roth sich ihr Amt eventuell weniger spannungsgeladen vorgestellt habe.
Zusammen mit Krieps und ihm wird Roth nun am Freitag die drei wichtigsten Auszeichnungen überreichen. „Und wenn die Leute sie dann ausbuhen, dann müssen wir und sie da durch. Ich würde mir nur wünschen, dass es nicht den wirklichen Kern des Abends überlagert“, sagt Gallenberger. „Es soll an dem Abend um die Leute gehen, die großartige Filme gemacht und großartige Leistungen vollbracht haben.“ (dpa/red)
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