Pflegenotstand Warum Joko und Klaas Respekt verdienen und was jetzt folgen muss

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Die TV-Moderatoren Klaas Heufer-Umlauf (l) und Joko Winterscheidt posieren 2014 vor der Pressekonferenz des Grimme Instituts in Düsseldorf.

Köln – Es sollten 15 Minuten werden, doch es wurden fast sieben Stunden. Am Mittwochabend sendeten Joko und Klaas auf ProSieben ab 20.15 Uhr die Schicht einer Pflegekraft in Corona-Zeiten. Unzählige Menschen sahen sich den Beitrag an, am Abend und auch am nächsten Morgen war es das Thema im Netz. Unsere Autorin findet: Ob man sie mag oder nicht, die beiden haben nichts als Respekt verdient - denn Kritik würde vollkommen ins Leere gehen.

  • Joko und Klaas senden fast sieben Stunden nonstop
  • Reportage über Pflegenotstand
  • Beitrag hat mehr als Respekt verdient

Es ist nicht das erste Mal, dass Joko und Klaas ihre gewonnen 15 Minuten nutzen, um auf Missstände, ein wichtiges Thema oder sogar Tabus hinzuweisen. Einmal ließen sie einen Geflüchteten seine Geschichte erzählen, ein anderes Mal machten sie unter dem Namen Männerwelten auf sexuelle Belästigung gegenüber Frauen aufmerksam. Und doch sticht die Sendung von Mittwochabend (31. März) heraus.

Joko und Klaas: Raum für Kritik gibt es kaum 

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Das hat nicht nur mit dem Thema an sich zu tun. Natürlich ist Pflege gerade in der Corona-Krise ein unumgängliches Thema. Die hohe Belastung des Personals, die unverhältnismäßige Bezahlung – all das ist (leider) durchaus bekannt.

Man erinnert sich an die Zeiten, als überall auf der Welt abends geklatscht wurde, um dem medizinischen Personal zu danken. Was war es also, was die Zuschauer am Abend so fesselte, so viel Eindruck, Ehrfurcht und am Ende nichts als Respekt hinterließ?

Es waren die Umstände des Formats. Denn aus 15 Minuten wurden kurzerhand fast sieben Stunden. Es gab keine richtigen Moderatoren, keine Off-Stimme, keine Werbeblöcke und keinen professionell gedrehten und zusammengeschnittenen Beitrag. Es war einfach nur die Realität!

Joko und Klaas: Beitrag über Pflege hat Respekt verdient 

Und so blieb kaum Möglichkeit für Kritik und Angriff. PR-technisch hat die Sendung ProSieben zwar sicherlich nicht geschadet – sogar andere TV-Sender sprachen Lob und Respekt aus – doch mangels Werbung und dem kurzerhand umgeschmissenem TV-Programm dürfte Umsatz keine wesentliche Rolle bei dem Privatsender gespielt haben. Und doch willigte er ein.

Auch Joko und Klaas kann nichts vorgeworfen werden, denn sie überließen ihre Sendezeit vollkommen der Pflegekraft Meike Ista – und die zeigte ihren ungefilterten Alltag.

Das, was sie jeden Tag erlebt und wovon die meisten Menschen gar nichts mitbekommen. Wie Pflegekräfte an ihre Grenzen kommen, verzweifelt sind und sich dennoch jeden Tag aufs Neue ihrer Arbeit stellen.

Man kann von Joko und Klaas halten, was man will. Für manche sind sie aus der TV- und Comedy-Szene nicht wegzudenken und feinstes Prime-Time-Entertainment. Anderen geht ihre oft alberne Art und die teils grenzwertigen Aktionen auf die Nerven.

Das ist auch vollkommen legitim, doch mit Aktionen wie #nichtselbstverständlich machen sie Sachen, die man vorher nicht für möglich gehalten hätte und sich nicht getraut hätte, sie im Fernsehen auszusprechen.

Die Aktion hat nichts als Respekt verdient. Und dass sich am Mittwochabend unzählige Menschen fast sieben Stunden ohne Pause den Arbeitsalltag einer Frau anschauten, spricht für sich. Auch von der Politik gab es großes Lob. Nun bleibt zu hoffen, dass es nicht nur bei kurzen Twitter-Statements bleibt, sondern sich durch den ungeschönten, ehrlichen Einblick tatsächlich etwas zum Besseren ändert – für Meike und unzählige anderen tapfere Pflegekräfte.

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