Die Pet Shop Boys, Bilderbuch und Sheryl Crow, die zurück in die 90er-Jahre reist und das zumindest auf musikalischer Ebene sehr gut hinbekommt: Erfahren Sie hier, was neu, wichtig und hörenswert ist in der Welt der Musik.
Ist da noch ein Platz frei, Sheryl Crow? Das sind die Musik-Highlights der Woche

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Sheryl Crow besinnt sich mit „Pick You Up“ auf die 90er-Jahre, als sie ihre größten Erfolge feierte. (Bild: Dove Shore)
Die 90er-Jahre und „Tuesday Night Music Club“, das war die große Zeit für Sheryl Crow, mit Platin, Gold und vielen Hits, die auch 30 Jahre später noch nachklingen. Mit „Pick You Up“ lädt sie ihr Publikum nun ein, ihr noch einmal in diese Zeit zu folgen. Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von den Pet Shop Boys und Bilderbuch.
Sheryl Crow - Pick You Up

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Die Pet Shop Boys verneigen sich mit dem Doppelalbum „A Man From The Future“ vor dem Informatik-Pionier Alan Turing. (Bild: Getty Images/Tabatha Fireman)
„All I wanna do is have some fun“, sang Sheryl Crow damals in den 90-ern, als ihr mit unbeschwertem Country-Rock-Pop der internationale Durchbruch gelang. Auf dem Cover zum dazugehörigen Album „Tuesday Night Music Club“ (1993) sah man die Sängerin und Songwriterin aus Missouri in blauen Denim. Es war eine andere Zeit, eine andere, weniger komplizierte Welt. Kann man im Jahr 2026 noch irgendwie eine Brücke dorthin schlagen? Mit dem musikalischen Kurztrip „Pick You Up“ unternimmt Sheryl Crow zumindest einen sehr ehrenwerten und charmanten Versuch.
„Pick You Up“ wird beworben als „musikalische Rückbesinnung“ auf die 90er-Jahre, und man nimmt bei dieser Reise nur allzu gerne einen Platz an der Seite von Shery Crow ein. Umwerfend, wie locker und entspannt die neunfache Grammy-Gewinnerin sich durch diese sieben neuen Songs manövriert und wie perfekt geschliffen das alles gleichzeitig wirkt. Starke Hooks, ansprechender Vortrag vom ersten bis zum letzten Ton, angenehmes zurückgelehntes Tempo. Musikalisch ist das alles auf dem sehr hohen Niveau der 90er-Jahre, mindestens. Aber die Leichtigkeit von damals kommt doch nicht mehr zurück, weil Sheryl Crow eben auch keine Künstlerin ist, die ihre Augen verschließt: Statt ihr selbst sieht man eine verrostete, auf Grund gelaufene Arche Noah auf dem Albumcover, in den Texten geht es immer wieder um die vielen gesellschaftlichen Herausforderungen von heute.
Pet Shop Boys - A Man From The Future

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Bilderbuch melden sich mit dem Album „Unendlich Plus Eins“ zurück. Neu in der Band: Gitarristin Uche Yara, die kürzlich den Platz von Michael Krammer einnahm. (Bild: Lukas Gansterer)
Wer sich für die technischen Grundlagen der Pet Shop Boys interessiert, kann zurückgehen bis zu Kraftwerk. Oder, wenn man die Sache etwas weiter fasst, sogar bis zu Alan Turing. Der britische Mathematiker hatte mit Musik nicht viel am Hut, gilt aber als einer der wichtigsten Vordenker moderner Informations- und Computertechnik. Neil Tennant und Chris Lowe wissen, was sie Turing zu verdanken haben, und demonstrierten ihre Hochachtung bereits 2014 bei einem Gedenkkonzert anlässlich seines 60. Todestages. Zwölf Jahre später wird das Musikstück von damals neu produziert als Album veröffentlicht.
„A Man From The Future“ dauerte in der Originalversion, die 2014 in der Londoner Royal Albert Hall zur Aufführung kam, etwa 45 Minuten. Es war keine klassische Pet-Shop-Boys-Musik, eher eine surreale elektronische Klangreise, gleichermaßen malerisch und technisch-nerdig. Die Schauspielerin Juliet Stevenson führte als Sprecherin durch das Stück, begleitet wurden die Pet Shopy Boys außerdem vom BBC-Konzertorchester (Komposition: Sven Helbig). In der überarbeiteten Fassung ertönt „A Man From The Future“ jetzt als Doppelalbum - auf der ersten Seite im vollständigen Sound mit Vocals, auf der zweiten rein instrumental. Neben Tennant und Lowe steht auf dem Artwork auch der Name von Andrew Hodges - er lieferte mit „Alan Turing: The Enigma“ die textliche Vorlage für „A Man From The Future“.
Bilderbuch - Unendlich Plus Eins
Pop oder Progressivität, Kommerz oder Kunst, Trash oder Schick-Schock-Schickeria - wohin nur mit Bilderbuch? Die Wiener Band um Frontmann Maurice Ernst kann irgendwie alles, manchmal auch alles gleichzeitig. Manchmal, je nachdem, welche Fans man fragt, gerät die Musik zwischen lässiger Pop-Party und verrückten Indie-Experimenten auch ein wenig in Schieflage. Aber das macht irgendwie auch den Reiz aus bei dieser Band, für die über allen anderen Dingen vor allem das zu stehen scheint: dass sie sich selbst nicht langweilen will. Wo landen Bilderbuch nun also mit dem neuen Werk „Unendlich Plus Eins“?
Der Titel zeigt schon an, dass auch auf dem neunten Studioalbum wieder Grenzen verschoben werden. Mehr als unendlich geht nicht? Na, ein „plus eins“ geht doch immer! Die Platte soll verstanden werden als Reise in eine Gegenwart, „die zugleich überreizt, rastlos und voller Möglichkeiten“ ist. In Anbetracht dessen wirken die Songs auf „Unendlich Plus Eins“ eigentlich recht aufgeräumt, zumindest für Bilderbuch-Verhältnisse. Die Musiker wissen inzwischen eben doch ganz genau, wie sie sich im Unendlich-plus-eins-Kosmos der eigenen Möglichkeiten zurechtfinden und sich gleichzeitig austoben können. In dem erstklassigen Tohuwabohu aus Funk, Rap, Disco, Dance, Soul und Rock verdient insbesondere das neuartige Sechs-Saiten-Geschredder Erwähnung: Nach dem Ausstieg von Gitarrist Michael Krammer im März 2026 hat zuletzt Uche Yara seinen Posten übernommen. (tsch)
