Es sollte das große Comeback des „King of Pop“ sein: Vor 25 Jahren erschien Michaels Jacksons „Invincible“. Die Produktion des Albums kostete einen Rekordbetrag, heute gilt es als einer der teuersten Flops der Pop-Geschichte.
„Invincible“ erschien vor 25 JahrenDas teuerste Album aller Zeiten erwies sich als Mega-Flop

Copyright: Vince Bucci/Getty Images
Im Januar 2002 wurde Michael Jackson bei den Annual American Music Awards als „Performer des Jahrhunderts“ ausgezeichnet. Sein zwei Monate zuvor erschienenes Comeback-Album war jedoch gefloppt. (Bild: Vince Bucci/Getty Images)
Aktualisiert:
Was passiert, wenn der Perfektionismus eines Megastars auf ein nahezu grenzenloses Budget trifft? Dann kriegt man Michaels Jacksons „Invincible“ - ein Album, das rund 30 Millionen US-Dollar verschlang - nur um dann nach Veröffentlichung mit allgemeinem Schulterzucken bedacht zu werden.
Das letzte zu seinen Lebzeiten erschienene Studiowerk des „King of Pop“ wurde zum großen Flop seiner Karriere. Vor 25 Jahren - am 29. Oktober 2001 - erschien es. Ein Blick zurück.
Jackson plante ein großes Comeback
2001: Eine Odyssee im Weltraum gab es in diesem Jahr nicht. Weltpolitisch ist das Jahr natürlich vor allem mit den Terrorattacken vom 11. September verbunden. Die Musikindustrie stellte in der Folge der Anschläge mehrere Benefizveranstaltungen auf die Beine.
Eine davon war das Benefizkonzert unter dem Motto „United We Stand: What More Can I Give“, das am 21. Oktober im RFK Memorial Stadium in Washington, D.C. veranstaltet wurde. Der Hauptact an diesem Abend war mit Michael Jackson der wohl größte Popstars des gerade zurückliegenden Jahrhunderts. (Tatsächlich sollte Jackson im Januar 2002 bei den Annual American Music Awards mit einer Trophäe für den „Performer des Jahrhunderts“ bedacht werden.)
Der Megastar befand sich zu diesem Zeitpunkt kurz vor einem großen Comeback. Zumindest war das der Plan. Sein zehntes - und wie sich herausstellen sollte letztes - Studioalbum war seit Beginn der Aufnahmen im Oktober 1997 zu einem Mammutprojekt herangewachsen. Die rund 30 Millionen US-Dollar Produktionskosten stellten einen neuen Rekord dar. Zum Vergleich: Anfang der Nullerjahre kostete die Produktion eines Hollywood-Blockbusters im Durchschnitt etwa 40 Millionen US-Dollar. Dass ein Popalbum sich dieser Summe auch nur annähert, war noch nie vorgekommen, die Erwartungen entsprechend hoch.

Copyright: Alex Wong/Getty Images
Eine Woche vor dem Erscheinen von „Invincible“ trat der King of Pop bei dem Benefizkonzert „United We Stand“ nach den Anschlägen vom 11. September auf. (Bild: Alex Wong/Getty Images)
Eine lange Aufnahmezeit alleine rechtfertigt eine derart hohe Summe noch lange nicht. Wie also kam es dazu? Ein Teil der Antwort liegt in einem anderen im Zeitgeist zum Jahrtausendwechsel allgegenwärtigen Phänomen: der Digitalisierung. Von den Möglichkeiten, die diese für die Musikproduktion bot, soll Jackson geradezu besessen gewesen sein. So bestand er dann auch darauf, dass die Studios, in denen die Platte aufgenommen werden sollte, nur mit der allermodernsten Technik ausgestattet sein dürften.
Hier liegt auch ein weiterer Grund für die Kostenexplosion begraben: „Invincible“ wurde in elf Tonstudios in insgesamt fünf Städten aufgenommen. Sechs Produzenten waren daran beteiligt. Das ist zwar keine ungewöhnlich große Menge für ein Album eines bekannten Pop-Künstlers, die Herangehensweise bei der Produktion hingegen war umso ausufernder.
Produzenten stellten zahlreiche Versionen her
Denn während es bei der Arbeit mit mehreren Produzenten eigentlich Usus ist, die aufzunehmenden Songs unter den Beteiligten aufzuteilen, ließ der King of Pop viele der Stücke teilweise mehrere Produzenten gleichzeitig, aber parallel an unterschiedlichen Versionen desselben Tracks arbeiten - um sich dann seine favorisierte Version heraussuchen zu können. Dass ein Top-Produzent auch dann nicht umsonst arbeitet, wenn sein Werk am Ende nicht ausgewählt wird, versteht sich von selbst. So flossen für manche der Songs ein Vielfaches der letzten Endes für ihre Realisierung benötigten Kosten.
Der Perfektionismus Jacksons äußerte sich aber nicht nur in der Anzahl an Tonstudios, Produzenten und Versionen seiner Songs. Mithilfe der neuen technischen Möglichkeiten hatte er es sich in den Sinn gesetzt, jeden Ton auf seinem Album zur Perfektion zu bringen. Jede gespielte Keyboard-Taste, jeder Schlagzeugschlag, jede Intonation wurde mehrmals überprüft und noch einmal nachbearbeitet. „Invincible“, das stand für den größten Popstar des 20. Jahrhunderts fest, würde sein bislang größtes Meisterwerk werden - und er scheute keine Zeit und ganz bestimmt auch kein Geld, um dieses Ziel zu verwirklichen.
Sogar acht Wochen vor Veröffentlichung ließ „Jacko“ noch Veränderungen an der Musik vornehmen. Als es dann schließlich so weit war, folgte die Ernüchterung: „Invincible“ floppte. Von der Kritik wurde das Album verrissen, in den USA verkaufte es sich in der ersten Woche schlappe 363.000 Mal. Die Plattenfirma, Sony Music, hatte mit 600.000 verkauften Alben gerechnet. Weltweit sollte das Album in etwa sechs bis neun Millionen Einheiten absetzen. Ein Erfolg für die meisten Popkünstler, für Michael Jackson: ein Flop.
Keine großen Hits
Selbst die Bilanz der Hit-Single des Albums fiel ernüchternd aus: „You Rock My World“ knackte gerade mal so die Top 10 der US-Billboard-Charts - auf dem 10. Platz. In anderen Ländern - vor allem in Europa - sah es etwas besser aus. So auch in Deutschland, wo sich die Single Platz 6 sichern konnte. Zur Nummer Eins reichte es mit Frankreich jedoch nur in einem Land. Die zweite Single „Cry“ verfehlte die Top 10 hingegen nahezu weltweit. Lediglich in Spanien landete sie auf dem sechsten Platz.

Copyright: Epic / Sony Music
Michael Jacksons zehntes Studioalbum „Invincible“ ging als teuerste Album-Produktion aller Zeiten in die Musikgeschichte ein - und floppte. (Bild: Epic / Sony Music)
Tatsächlich gingen nach den Anschlägen vom 11. September die Umsätze der Musikindustrie insgesamt stark zurück - und tanzbare Popmusik war von diesem Einbruch besonders betroffen. Allerdings erschien „Invincible“ zu einem Zeitpunkt, als diese Zahlen wieder dabei waren, sich von diesem Rückschlag zu erholen. Und auch unter Berücksichtigung dieses zeitpolitischen Nebeneffekts sind die Verkaufszahlen enttäuschend. Zum Vergleich: Jacksons Topseller „Thriller“ (1982) verkaufte sich mehr als 50 Millionen Mal, „Bad“ (1987) und „Dangerous“ (1991) bewegten sich im Bereich von 27 bis 28 Millionen und auch „HIStory“ (1995), der Vorgänger von „Invincible“, knackte die 20 Millionen.
Nach wie vor ist die Dimension, in der sich die Produktion von „Invincible“ bewegte, unerreicht. Das verdeutlicht ein Blick auf das zweitteuerste Album aller Zeiten, das nicht einmal auf die Hälfte der 30 Millionen Dollar Produktionskosten von Jacksons spektakulärer Bauchlandung kommt: „Chinese Democracy“ (2008) von der Rockband Guns N' Roses kostete schlappe 13 Millionen Dollar. (tsch)
