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In dieser deutschen Stadt wird das längste Orgelstück aller Zeiten gespielt

Erklingt der nächste Ton des längsten Orgelstücks der Welt, ist der Andrang - wie hier im Jahr 2012 - groß. (Bild: IMAGO / epd)

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Erklingt der nächste Ton des längsten Orgelstücks der Welt, ist der Andrang - wie hier im Jahr 2012 - groß. (Bild: IMAGO / epd)

1987 komponierte John Cage das - potenziell - längeste Musikstück aller Zeiten. Aufgeführt wird „Organ²/ASLSP seit 2001 in Deutschland. Am Mittwoch, 5. August, wird in Halberstadt der nächsten Ton erklingen.

Ein Klangexperiment geht in die nächste Runde: Am Mittwoch, 5. August 2026, um 15 Uhr erklingt in der Sankt-Burchardi-Kirche in Halberstadt der nächste Ton des längsten Orgelstücks der Welt. Seit dem 5. September 2001 wird John Cages „Organ²/ASLSP“ in der Stadt in Sachsen-Anhalt aufgeführt. Fast 25 Jahre später steht nun der 17. Klangwechsel des Stücks bevor.

Dann wird den aktuell in der Kirche zu hörenden Tönen ein weiterer, achter Ton hinzugefügt. Die nächste Änderung steht am 5. Oktober 2027 an. Dann wird einer der Töne wieder entfernt werden. Vollendet soll das Stück im Jahr 2640 werden. Die Laufzeit von 639 Jahren entspricht der Zeit zwischen der Installation der ersten Hauptorgel in Halberstadt und dem Beginn des Langzeitexperiments.

John Cages Anweisung: „So langsam wie möglich“

Cages Komposition basiert auf einem Klavierstück namens „ASLSP“, das der Experimentalkomponist 1985 geschrieben hatte. Die Abkürzung „ASLSP“ steht dabei für „as slow as possible“, also „so langsam wie möglich“. Eine genauere Zeitangabe machte Cage bewusst nicht. Während die ursprüngliche Piano-Version für gewöhnlich eine Dauer von 20 bis 70 Minuten hat, ermöglichte die Neuadaption für Orgel 1987 die nun in Haberstadt umgesetzte Extremvariante, denn Orgeltöne können theoretisch ewig klingen. Die Orgel der Sankt-Burchardi-Kirche ist so präpariert worden, dass dafür keine menschlichen Eingriffe benötigt werden.

Weil Cage den Interpretinnen und Interpreten des Stücks bei der Umsetzung, abgesehen davon, dass das Stück möglichst langsam gespielt werden sollte, freie Hand in der Geschwindigkeitswahl ließ, ist „ASLSP“ bereits in unterschiedlichsten Spiellängen dargeboten worden. Dauerte die Uraufführung auch der Orgel-Version, gespielt von Gerd Zacher in Metz, nur gut 29 Minuten, liegt der Rekord bei 25 Stunden. Aufgestellt wurde er am 4. März 2025 von Francesco Pio Gennarelli an der Middlesex University. Mit der Performance, die live auf YouTube gestreamt wurde, hält Gennarelli den Rekord für die längste vollendete Liveaufführung eines einzelnen Musikstücks durch einen Menschen.

Das längste Musikstück der Welt wird in London aufgeführt

Lange stellte das Klangexperiment die Nerven der Einwohnerinnen und Einwohner in der Umgebung der Kirche auf die Probe. Nach ersten Beschwerden wurde eine Plastikhaube über das Instrument gestülpt, um die permanent tönenden Klänge zu dämmen. Inzwischen sind die Fenster der Kirche, einem vor Beginn des Projekts unbenutzten ehemaligen Kloster, schallisoliert worden.

Vielen gilt „Organ²/ASLSP“ als längstes Musikstück der Welt und die Aufführung in Halberstadt als längste laufende Aufführung eines Musikstücks. Genau genommen ist das nicht korrekt. Das Experimentalstück „Longplayer“ von Jem Finer setzt noch eins oben drauf. Es ist so komponiert, dass es 1000 Jahre dauert - ohne sich zu wiederholen. Ermöglicht wurde das durch eine mathematische Formel. „Longplayer“ wird seit Mitternacht an Silvester 1999 in Londons letztem verbleibenden Leuchtturm aufgeführt. Weil für die Aufführung des Stücks Computerhilfe benötigt wird, ist John Cages Stück in der Fassung, die in Halberstadt aufgeführt wird, tatsächlich das längste von Menschen aufgeführte Musikstück. Schönklänge braucht man jedoch in beiden Fällen nicht erwarten: Sowohl Finers Komposition als auch „Organ²/ASLSP“ sind atonale Kompositionen. (tsch)

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