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Altmännerhumor früher TV-JahreHat das keinen gejuckt, Herr Produzent?

Drei schick gekleifdete Herren albern auf einem Sofa unter dem Logo von "Wetten, dass..?!" herum.

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Eine reine Männerriege auf dem Sofa von Deutschlands einst größter Samstagabend-Show: Thomas Gottschalk, Wolfgang Lippert und Frank Elsner bei der 100. „Wetten, dass..?“-Sendung im März 1996.

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Ein neuer Kinofilm zeigt platten Männerhumor früherer TV-Jahre. Wir haben einen Showmacher von damals gefragt: Hat das echt keinen gejuckt?

Was waren das für TV-Zeiten! In Deutschland standen gerade mal drei Programme zur Auswahl, gesendet wurde nur wenige Stunden am Tag, und die großen TV-Shows – speziell die „Samstagabend-Shows“ – wurden ausschließlich von Männern serviert. Und die Frauen? Sie traten höchstens als „Assistentinnen“ oder Kandidatinnen in Erscheinung, gern nur mit ihrem Vornamen gekennzeichnet – und immer wieder leicht verspottet. Gut für Schadenfreude und manchmal auch recht hämische Lacher. Mehr war nicht für Frauen drin.

Lang ist das her – doch immer noch ist das Stoff in Rückblicken oder von kritischen Betrachtungen. Gerade sorgt die aktuelle Kino-Doku „Was haben wir gelacht“ für neue Diskussionen. In ihr kommen nur Frauen zu Wort, und es heißt, dass der Film den „harmlosen“ Fernsehspaß von einst „in Teilen als zutiefst diskriminierend und sexualisiert entlarvt“. Und auch der holprige Abgang von Thomas Gottschalk (76) von der großen Show-Bühne hat die Diskussionen um die „Show-Männer“ neu entfacht. Doch wie war es eigentlich, als diese Shows produziert und ausgestrahlt wurden?

Die Welt der TV-Shows: An der Spitze frauenlos

EXPRESS hat den Show-Kenner Holm Dressler (76) um eine Analyse gebeten. Dressler muss es schließlich wissen. Er gilt seit über 50 Jahren als „TV-Show-Strippenzieher“, produzierte jahrelang „Wetten, dass..?“ mit Frank Elstner und Thommy Gottschalk oder „Verstehen Sie Spaß?“ mit Dieter Hallervorden, er erfand für Günther Jauch die SKL-Show „Millionär gesucht“, arbeitete mit Blacky Fuchsberger und Rudi Carrell zusammen, hat einen eigenen YouTube-Kanal (30 Millionen Klicks, 30.000 Abonnenten) und sein eigenes Live-Programm: „Mit Wetten, dass..? fing alles an – Hinter den Kulissen des Showbusiness“.

Wie war es in der großen Zeit der Samstagabend-Shows, als Großeltern, Eltern und Kinder samstags gemeinsam vorm Fernseher saßen und Salzstangen knabberten? Haben sich die TV-Redakteure, Produzenten, Regisseure oder Künstler damals über das, was heute so stark kritisiert wird, überhaupt Gedanken gemacht? Fiel den Zuschauern auf, dass es da so viele Männer-Namen gab – aber nicht einen einer Frau? „Nein“, sagt Holm Dressler. „Die TV-Show-Welt war – zumindest, was den Samstagabend betraf – fast frauenlos. Sie war geprägt von den alles beherrschenden männlichen Platzhirschen wie Kulenkampff, Carrell, Elstner oder später Gottschalk. Sie konnten vor den Kameras machen, was sie wollten.“

Holm Dressler

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Machte früher die ganz großen TV-Shows: Holm Dressler

„Kuli“, „Rudi“, „Blacky“, „Frank“ oder „Thommy“ gehörten samstags quasi zur Familie: „Gegen sie anzukommen, war praktisch unmöglich.“ In „Was haben wir gelacht“ erleben wir Beispiele der Gecken- und Gockelhaftigkeit der Moderatoren, sehen auch, wie sie oft gönnerhaft ihre Assistentinnen aburteilten. Holm Dressler erinnert sich: „Was die Showmaster damals für charmant hielten, gilt heute als ‚frauenfeindlich‘. Kulenkampffs oft süffisante Bemerkungen über seine Assistentinnen fanden die meisten Zuschauer – und auch Zuschauerinnen – lustig. Auch bei Carrell merkte man schnell, dass die Gleichberechtigung vor der Kamera an ihm völlig vorbei gegangen war, über dieses Thema hat er nicht diskutieren wollen.“

Dressler glaubt, dass es damals außer Ulla Kock am Brink oder Margarete Schreinemakers nur wenig Frauen gab, die in das Männergeschäft der großen Shows eindringen wollten: „Dass auch Frauen witzig und spontan sein konnten, stand nicht zur Debatte, wenn es um den großen Samstagabend ging. Eine wie Barbara Schöneberger, die heutzutage das Show-Geschäft beherrscht, war damals nicht in Sicht. Wahrscheinlich hätte sie auch keine Chance gehabt.“

Früheres „TV-Spielfeld“ für Frauen: Volksmusik

Für Frauen gab es ein anderes Spielfeld – die Volksmusik-Abende. Da gaben Carolin Reiber, Petra Schürmann, Ramona Leiß oder Marianne vom Duo Marianne & Michael den Ton an. Holm Dressler selbst hat auch nicht anders gehandelt, wie er heute sagt: „Ich habe Anfang der 80er Jahre im Auftrag des ZDF die Pop-Show ‚Flashlights‘ produziert, für die wir bewusst nur Mädels gecastet hatten. Wir fanden Hiroko Murata, Evelyn Seibert und Dhana Moray, die gemeinsam moderierten.“ Doch die drei harmonierten vor der Kamera nicht – und gaben schließlich auf. Holm Dressler: „Statt nur eine von ihnen zu nehmen und mit ihr weiterzuarbeiten, ordnete sich das ZDF dem Zeitgeist unter – und entschied sich für einen Mann als Nachfolger: Peter Illmann.“ Mit ihm produzierte Dressler dann „P.I.T. -Peter-Illmann-Treff“.

Im Rückblick auf die Goldenen Showjahre spielt Thomas Gottschalk eine besondere Rolle. „Thommy, der Sunnyboy“ war zunächst mit „Na Sowas!“, dann mit „Wetten, dass..?“ der Liebling der TV-Zuschauer. Seine Besonderheiten waren seine flapsige Art, der manchmal sehr leichte, lockere Umgang mit seinen – speziell weiblichen – Gästen. Heute wird ihm das vorgeworfen, kritisiert man, dass das „übergriffig“ gewesen sei und dass er damit den Frauen oft zu nahegekommen sei.

Ein blondern Mann und einer blonde Frau sitzen auf einer Couch im TV-Studio und öffnen eine Flasche Wein

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Einen zotigen Spruch hatte Thomas Gottschalk gerne für Assistentin Michelle Hunziker übrig. Sie fand es nach eigener Aussage aber nicht schlimm.

Ist ihm das damals gleich nach den Sendungen auch von Show-Verantwortlichen gesagt worden? „Nein“, erinnert sich Dressler. „Es herrschte eine andere Sensibilität als heute, es wehte ein anderer Zeitgeist. Alles, was man Thommy heute vorwirft, haben wir damals schlicht nicht so empfunden. Das Leichte, Locker, Flapsige – das war seine Art, beruflich und privat. Er brauchte Tuchfühlung mit den Menschen um ihn herum, um sich wohlzufühlen.“ Gottschalk wusste aber auch, dass er nicht perfekt war: „Er hat immer gesagt: ‚Von dem, was ich sage, sind 80 Prozent gut, der Rest ist für den Papierkorb. Aber um diese 20 Prozent kommt ihr nicht rum, die müsst ihr schlucken.‘“ Beschwerden der Gäste habe es nach den Shows auch nicht gegeben: „Wir haben immer versucht, Sendungen wie ‚Wetten, dass..?‘ mit Gästen zu besetzen, die jeden Spaß mitmachen wollten. Schmallippige Künstler waren auf der Couch nicht erwünscht.“

Holm Dressler versteht nicht, warum man mit Gottschalk heute so ins Gericht geht: „Man sollte ihn nicht auf diese Sachen reduzieren. Moderatoren sind keine Diplomaten, sie müssen frei heraus sprechen und auch handeln können. Das galt damals, das gilt auch heute. Wenn man allen die Spitzen und Kanten nimmt, dann macht das Zuschauen keinen Spaß. Sonst muss man Roboter moderieren lassen.“ Dressler: „Nach jeder Wetten, dass..?-Sendung gab es Hunderte von Anrufen, sehr oft waren es Beschwerden – doch es ging nicht darum, wie die Gäste behandelt worden waren, sondern um eine Wette, von der sie vermuteten, es sei nicht mit rechten Dingen zugegangen – und natürlich um Thommy spektakuläre Klamotten.“ Heute wäre wohl anders.

Darum geht es in der Doku

„Was haben wir gelacht“ ist ein Dokumentarfilm, der seit Donnerstag in den Kinos ist. Die Filmemacherinnen Eva Müller und Isabel Schneider haben dafür die Show-Archive von ARD, ZDF und der privaten Sender durchforstet und eine reine Männerwelt vorgefunden, in denen Frauen vor allem als Garnitur eingesetzt wurden – die Frauen mussten hübsch sein und in der Lage, bei den Herren-Witzen über ihr Alter, ihr Aussehen, ihre Figur und ihre Bildung gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

Kinofilm: Was haben wir gelacht

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Die erfolgreichen Fernsehmacherinnen Maren Kroymann, Gaby Köster, Esther Schweins, Bettina Böttinger und Hella von Sinnen kommen in der Kino-Dokumentation zu Wort.

Die Spielregeln stellten dafür die Publikumslieblinge Thomas Gottschalk, Hans-Joachim Kulenkampff, Harald Schmidt oder Stefan Raab auf. Sie waren die Bestimmer in Sachen TV-Humor, die Könige der TV-Unterhaltung, sie entschieden über die Reaktionen des Publikums: entweder hämisches oder wohlwollendes Lachen – aber Lachen über Frauen musste sein. Bettina Böttinger, Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Esther Schweins und Gaby Köster betrachten in dem Film die Welt von damals – und laden damit ein zu einer Fahrt mit einer Art Show-Geisterbahn.

Ein leeres Piano in der Jubiläumssendung von „Die Anstalt”.
Krach bei Jubiläums-Sendung
„Wir sind im ZDF gegen das ZDF!“