Die Adaption des Bestsellers „Er ist wieder da“ stellte die Macher vor kaum zu erfüllende Aufgaben. Sie mussten andere Wege gehen, um den „Hitler in der Neuzeit“-Roman filmisch umzusetzen.
Heute im Free-TVDiese Bestseller-Verfilmung war eigentlich völlig unmöglich

Copyright: ProSieben / 2015 Constantin Film Verleih GmbH
Fraglos mutig: „Er ist wieder da“ wurde von David Wnendt in einen halbdokumentarischen Spielfilm verwandelt (Szene mit Katja Riemann und Oliver Masucci). (Bild: ProSieben / 2015 Constantin Film Verleih GmbH)

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Oliver Masucci spielt den wieder erwachten Adolf Hitler. (Bild: 2015 Constantin Film Verleih GmbH)
Mehr als zwei Millionen Bücher wurden verkauft. Dazu über 300.000 Exemplare des Hörbuchs. „Er ist wieder da“ von Autor Timur Vermes hat Geschichte geschrieben. Ein Tabubruch ist dieser Roman über Adolf Hitler in der Neuzeit dabei sicher nicht mehr. Doch polarisiert die gewagte Satire eben in besonderem Maße, wirft sie doch auch einen kritischen Blick auf die Auswüchse der modernen Mediengesellschaft. Und dazu auf die Menschen und deren versteckte Sehnsucht nach einer harten Hand. Angesichts des großen Erfolgs wenig überraschend kam die Buchverfilmung, die Kabel Eins (Dienstag, 26. Mai, 20.15 Uhr) nun wiederholt. Weit haben sich Regisseur und Autor David Wnendt dabei für die gleichnamige Adaption von 2015 vom Buch entfernt. Sehr weit. Sowohl inhaltlich als auch bei der Intention.

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Der erste Weg für den neu erwachten Hitler (Oliver Masucci, links) zu einem Kiosk, an dem ihm seine Situation bewusst wird. Er lebt nun im Jahr 2014. Den „Krämer“ spielt Lars Rudolph. (Bild: 2015 Constantin Film Verleih GmbH)
Das Buch zeigt die moderne Welt ausschließlich durch die Augen Adolf Hitlers, der mitten in Berlin plötzlich neu erwacht. Der Film kann diesen Ansatz selbstverständlich nicht beibehalten, sondern gibt eine Draufschau auf den zurückgekehrten Diktator (Oliver Masucci). Der will natürlich wieder an die Macht und erkennt, dass er dabei vor allem die modernen Medien nutzen kann.

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Der Senderangestellte Sawatzki (Fabian Busch) verfällt dem Reiz des Verführers. (Bild: 2015 Constantin Film Verleih GmbH)
Weil niemand glaubt, dass Hitler wirklich Hitler ist, hält das Volk ihn für einen modernen Comedian und jubelt ihm zu. Überflüssigerweise führt Wnendt eine zweite Handlungsebene ein. Da gibt es einen Machtkampf in der Fernsehgesellschaft, die Hitlers komödiantisches Potenzial entdeckt. Nachdem der Senderangestellte Sawatzki (Fabian Busch) seinen Job verliert, will er auf eigene Faust eine Art Deutschland-Doku mit Hitler drehen und reist mit ihm durchs Land. So wird der Film bald zu einer skurrilen, bisweilen konfusen Mixtur aus Reality-Doku und versteckter Kamera. Am Ende wird's dann wirklich vogelwild. Es wird ohne Not eine Film-im-Film-Geschichte konstruiert. Denn Hitler entschließt sich hier, das Buch „Er ist wieder da“ tatsächlich zu verfassen, das dann wiederum verfilmt wird.
Zwischen Realität und Wahnsinn

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Eine Erklärung hat Adolf Hiler (Oliver Masucci) nicht. Irgendwann nimmt er es einfach als Fügung hin: „Er ist wieder da“, im Jahr 2014. (Bild: 2015 Constantin Film Verleih GmbH)

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Im Film ist Hitler (Oliver Masucci, links) beim echten Frank Plasberg zu Gast in der Talkshow. (Bild: 2015 Constantin Film Verleih GmbH)
Die Wucht des Buches wird bei Weitem nicht erreicht. Der Leser ertappte sich mitunter dabei, wie er dem erdachten Führer immer wieder zustimmt. Der Film bietet dem Zuschauer einen glänzenden Ausweg aus einem möglichen inneren Konflikt. Kann er doch stets - wie am Nachmittag beim Trash-TV - auf die da im Film zeigen, die Verführbaren, die Dummen. Und die, die unter dem Deckmantel der Ironie vermeintliche Wahrheiten transportieren wollen. Und man selbst sitzt auf dem Sofa und genießt es, außen vor zu sein.
Es ist natürlich schlicht dem Medium geschuldet, dass es im Film anders laufen muss als im Buch. Während der Leser eben die Vorstellung des echten Hitlers auch rein optisch schon vor Augen hat, ist das im Film anders. Dabei macht Oliver Masucci, sofern sich das überhaupt beurteilen lässt, seine Sache gut. Er überhöht die Figur nicht, schafft bis auf wenige Ausnahmen eben keine Karikatur, sondern wandelt recht sicher auf dem schmalen Grat zwischen Realität und Wahnsinn. (tsch)
