Bei Social Media erzählt Melina Hoischen von Napoleon, von vergessenen Künstlerinnen, von Geschichte. Anlässlich des History-Awards erklärt die Influencerin, wie man junge Menschen für die Vergangenheit begeistern kann und warum sie aktueller denn je ist.
Geschichts-Influencerin Miss History„Wir können aus unserer Vergangenheit so viel lernen“

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Melina Hoischen alias „Miss History“ (links) ist gemeinsam mit Sportjournalist Marcel Reif Schirmherrin des History-Awards. Nina Eichinger (rechts) moderierte die Veranstaltung. (Bild: 2026 Getty Images/Hannes Magerstaedt)
„Sei ein Mensch!“ So zitierte Sportjournalist Marcel Reif (76) 2024 in seiner bewegenden Rede im Bundestag seinen Vater, der einst nur knapp den Holocaust überlebte. Der Spartensender History machte diesen eindringlichen Satz zum Motto seines 14. History-Awards, der nun in München im Rahmen des Internationalen Dokumentarfilmfestivals vergeben wurde. Einmal mehr reichten Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und Österreich emotionale Kurzfilme ein, in denen sie auf ganz verschiedene Arten zeigten, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. „Die Beiträge der Schülerinnen und Schüler machen deutlich: 'Sei ein Mensch!' ist kein Satz aus der Vergangenheit, sondern ein Auftrag für heute“, lobte Reif in einer Videobotschaft.
Der 76-Jährige übernahm dabei gemeinsam mit der Geschichts-Influencerin Melina Hoischen alias „Miss History“ die Schirmherrschaft. Die 32-Jährige klärt seit 2021 auf ihren Social-Media-Kanälen über die vielen Facetten der Geschichte auf. Laut eigenen Angaben erreicht „Miss History“ damit in besonders starken Monaten über 25 Millionen Userinnen und User.
Gerade Themen mit aktuellem Bezug interessieren ihre Followerinnen und Follower, erklärt Hoischen am Rande der Preisverleihung im Gespräch. Wie war das damals mit der Inflation und der Rente? Und wie beeinflussen die Nazis bis heute unsere Erziehung?
„Man merkt, die Leute saugen das auf. Wir können aus unserer Vergangenheit so viel lernen. Wir müssen nur hören und wollen und die Zugänge schaffen“, macht Melina Hoischen klar. Dabei sei es wichtiger denn je, dass Botschaften wie „Sei ein Mensch!“ klar vermittelt werden, betont die Influencerin. Denn „wir stehen gerade außen- und innenpolitisch vor solchen Abgründen, die ganz schnell ins Kippen geraten können“.
Melina Hoischen alias „Miss History“: „Geschichte betrifft uns alle“

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Gemeinsam mit Jury-Mitgliedern und Sponsoren überreichte „Miss History“ (vorne links) den History-Award an die Schülerinnen und Schüler der Realschule Himmelsthür in Hildesheim. (Bild: Gert Krautbauer / The History Channel)
Doch noch immer würden viele denken „Geschichte ist elitär“ und „man braucht viel Vorwissen, um überhaupt mitreden zu können“, weiß Hoischen. Sie selbst entdeckte bereits in ihrer Kindheit ihre Leidenschaft dafür. Doch während „Miss History“ mit neun Jahren noch gebannt durch eine dicke Enzyklopädie blätterte, hat „die Jugend von heute eine ganz andere Herangehensweise, die wir erkennen müssen“, erklärt die 32-Jährige.
Entsprechend gestaltet sie ihre Videos. Sie bemühe sich um eine niederschwellige Geschichtsvermittlung. Die Influencerin erklärt das leidenschaftlich an zwei Beispielen: „Wusstest du, dass wir noch das Glied von Napoleon besitzen? Oder: Warum stoßen wir mit den Gläsern an, wenn wir trinken? Weil man früher wollte, dass das Wasser überschwappt, um sicher zu sein, dass der andere einen nicht vergiftet.“ Geschichte, das seien eben auch die „Kleinigkeiten im Alltag“, betonte sie. „Geschichte betrifft uns alle, und die junge Zielgruppe darf und soll sich dafür interessieren.“
Doch wie inzwischen fast überall gibt es auch zum Thema Geschichte immer mehr KI-generierte Inhalte, die mitunter absurde Falschinformationen auf TikTok und Co. verbreiten. „Plötzlich, das habe ich vor ein paar Tagen erst gesehen, trägt Sissi dann ein Kleid aus dem Mittelalter - ganz schlimm“, empört sich Hoischen und warnt: „Es ist gefährlich, wenn eine junge Zielgruppe auf diese Videos trifft und dann gar keine Einordnung hat und das auch manchmal nicht hinterfragt.“
Das ist der History-Award
Seit 2005 verleiht der History-Channel den gleichnamigen Award für die Filmprojekte von Schülerinnen und Schüler jeden Alters aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Kinder und Jugendliche sollen durch die aktive Auseinandersetzung mit dem Wettbewerbsthema „Geschichte erleben“, heißt es vonseiten des Senders. Den Gewinnerinnen und Gewinnern sowie den Zweit- und Drittplatzierten Klassen winkt dabei ein Preisgeld.
In diesem Jahr sicherte sich die 10. Klasse der Realschule Himmelsthür aus Hildesheim mit ihrem Video „Unsere Entscheidung: Mensch sein“ den Sieg. Die Jury lobte bei der Preisverleihung an der Hochschule für Fernsehen und Film in München die ergreifende Umsetzung des Projekts sowie den Einsatz für ein Miteinander und Menschlichkeit. (tsch)
